Im Herbst habe ich mich verliebt - in eine Insel. Eigentlich war ich wegen des Marathons auf Mallorca. Aber die Läufe in den Bergen dort haben es mir angetan. Und ich beschließe wiederzukommen. Als ich auf das "
Trailrunning-Seminar Mallorca" stoße, buche ich sofort.
Am Anreisetag beginnt das Programm erst am Abend. Da ich schon vormittags im Hotel ankomme, laufe ich kurzentschlossen am Meer entlang in Richtung der Berge am westlichen Horizont. Vielleicht kann ich einen Gipfel erklimmen? Schon nach knapp 3 Kilometern enden Strandpromenade und Bebauung. Der Weg führt jetzt zwischen Strand und dahinterliegendem Dünenwäldchen durch ein Naturschutzgebiet und ist als GR222 beschildert. Als Ziel wird Colònia de Sant Pere ausgewiesen. OK, dann lauf ich eben da mal hin.
Die Sonne scheint, und in meiner kurzen Laufkleidung wird mir beim kräftezehrenden Laufen durch den knöcheltiefen Sand schnell warm. Nach einiger Zeit beginne ich zu bereuen, dass ich kein Getränk mitführe. Droht mir auch das Schicksal des unglücklichen Geschöpfes, über dessen Gebeine ich fast stolpere?
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| Immerhin bin ich fitter als die Konkurrenz |
Nach etwa 14 km erreiche ich wieder einen Ort. Es ist tatsächlich Sant Pere, das ich nach der Strandschinderei auf "Sand-Pere" umtaufe. Wüstenläufer werde ich wohl demnächst eher nicht. Zum Glück befindet sich gleich am Ortsanfang eine geöffnete Pizzeria, wo mich eine "Cerveza sin alcohol" rettet.
Der Rückweg wird fürchterlich. Erstens, weil ich weiß, dass ich mich nochmal durch den tiefen Sand kämpfen muss. Und zweitens, weil mir jetzt der kalte Nordwind entgegen peitscht. Die Sonne ist inzwischen hinter Wolken verschwunden, und ich kühle jämmerlich aus. Durchgefroren erreiche ich nach 28,5 km das Hotel.
Die abendliche Vorstellungsrunde offenbart, dass der ganze Trailkurs recht hochkarätig besetzt ist. Die meisten haben mindestens Marathonerfahrung. Die Gruppe besteht etwa zu gleichen Teilen aus Männern und Frauen, hauptsächlich im Alter von Mitte 40 bis 60. Es gibt auch Ausreißer. Der jüngsteTeilnehmer ist deutlich unter 30, der älteste fast 70. Die beiden halten nicht nur die Altersrekorde. Der Youngster läuft mit 35 min auf 10 km am schnellsten. Und der Senior hat mit 160 km Mauerweg den längsten Ultra absolviert. (Ich liege übrigens in beiden Kategorien auf Platz Zwei.) Einigen soll das Camp als Vorbereitung auf Ultraläufe dienen. Es ist mehrfach vom
Rennsteig, aber auch vom TransAlpine die Rede. Alle Achtung, das kann ja was werden!
Aufgrund der gemachten Angaben und Erfahrungen werden Tempogruppen für die Läufe der nächsten Tage gebildet. Denn schon morgen soll es ins Gebirge gehen. Doch vorher steht um 7 Uhr Yoga auf dem Plan. Und das soll Urlaub sein?