Sonntag, 16. März 2014

Kinderüberraschung

"Das sind ja gleich drei Wünsche auf einmal! Das geht nun wirklich nicht.", hieß es einst in der Werbung für Überraschungseier der Firma Kinder. Auch ich habe drei Wünsche und hoffe, dass sie sich, genau wie in der Werbung, doch alle verwirklichen lassen.

Meine Wünsche für den heutigen Marathon im Königsforst:
  1. Lauffreude bei einem Landschaftslauf
  2. erster Marathon in Minimal-Schuhen (NB MT10) - trotz des seit 2 Wochen schmerzenden linken Vorfußbereiches
  3. neue Bestzeit - trotz der nicht flachen Strecke, trotz ausgefallenen Taperings wegen des Trailcamps
Die Reihenfolge steht dabei auch für die Priorität.

Der Lauftrainer im Trailrunning-Camp bescheinigte mir das Potential für eine Marathon-Bestzeit unter 3 Stunden. Ein Versuch, dieses Potential jetzt abzurufen, steht für mich im Widerspruch zu Ziel 1. Vielleicht suche ich mir im Herbst eine flache Strecke für das ambitionierte 3-Stunden-Vorhaben. Im Moment scheue ich die Quälerei. Auch ist mir das Risiko für einen Misserfolg und für den damit verbundenen Frust zu hoch. Ich will doch Genussläufer werden! Alles unter 3:16:21 würde schon für meine persönliche Kinderüberraschung reichen.



PS: Danke an whiteytah und saffti für die Einladung zum Mitspielen.

Samstag, 15. März 2014

Military-Run 15.3.2014

"Was die Schnarchnasen der US-Marines können, können wir schon lange!", meint 200pro-Inhaber Dr. Holger Schütt und veranstaltet am 15.3.2014 den ersten Military-Run auf dem Segelflugplatz in Düsseldorf-Knittkuhl.


Auf dem 2000 m langen Parcour steht der Spaß im Vordergrund. Dennoch warten 6 anspruchsvolle Aufgaben auf die Freizeitsportler:
  • Pendellauf über 180 m
  • 80 m Hindernislauf über unterschiedlich hohe Hürden
  • Sandsäcke über eine Strecke von 200 m durch die dortige Platzsenke tragen: 5 kg für Kinder ab 10 Jahre, 7.5 kg für Frauen und 12.5 kg für Männer
  •  20 m Krabbeln/Kriechen
  • Kniehebelaufen durch Seilnetz
  • Spurt zur 1000 m-Wendemarke (eine Fortuna-Fahne)
 Danach geht es zum Ausgangspunkt zurück.


Durcheinander beim Pendellauf
Kopflosigkeit an den Hürden
Alte Säcke am Berg
Sauber dank Plane
Knieheben

Es wird paarweise gelaufen. Wegen des Marathons am nächsten Tag begnüge ich mich mit der Fotodokumentation und schicke Frau Pulsmesser mit dem Junior ins Rennen. Beide haben ihre Freude an dem Spaßlauf ohne Zeitmessung, und wir starten gut gelaunt ins Wochenende.

Freitag, 14. März 2014

Trailrunning Seminar Mallorca V

Eine Frau schreit. Ich durchlebe im Halbschlaf noch einmal die Turbulenzen auf dem Hinflug, als der Kapitän bei starkem Wind Mallorca ansteuert. Tumult in der Kabine. Schreie. Auch die Frau im Sitz neben mir kreischt, als wir in ein besonders tiefes Luftloch sacken. Sobald sie begreift, dass wir gar nicht abgestürzt sind, geht ihr markerschütternder Laut in erleichtertes Lachen über. Ich wage mir angesichts der vergleichsweise harmlosen Situation nicht vorzustellen, was während eines Absturzes in einem Flugzeug vor sich gehen muss.

Die Frau schreit schon wieder. Jetzt stöhnt auch ein Mann. Rhythmisch. Ich werde richtig munter und stelle fest, dass die Zimmer-Nachbarn offenbar den besseren Urlaub gebucht haben. Ich fliehe freiwillig zum Yoga, damit auch ich ein paar neue Stellungen ausprobieren kann.




Schöne Gefühle werden aber auch mir heute noch beschert, als wir im Tramunta-Gebirge ein paar Kilometer auf der Original-Strecke des "Ultratail Serra de Tramuntana" laufen. Ich beginne zu begreifen, warum bei diesem Ultra die Abbruch-Quote so hoch ist und warum die meisten Teilnehmer sich dieser Herausforderung kein zweites Mal stellen. Die Wegbeschaffenheit erfordert ein bewusstes Setzen jedes einzelnen Schrittes und somit volle Konzentration. Das ist auf der langen Distanz offenbar besonders anstrengend. Auf unserem kurzen Teil-Segment macht es aber riesigen Spaß. Kaum dass wir den Ultra-Trail verlassen, um einen Bogen zurück zum Ausgangspunkt zu schlagen, wird der Weg wieder normal alpin und damit deutlich einfacher.





Unterwegs passieren wir übrigens die Reste eines abgestürzten Leichtflugzeugs. Mein Rückflug ist für den nächsten Tag gebucht.




Donnerstag, 13. März 2014

Trailrunning Seminar Mallorca IV

Treppenlaufen ist eine tolle Trainingsmethode für Trailrunner. Das gibt kräftige Oberschenkel. Abwärts kann man gelenkeschonend den Fahrstuhl nehmen.

Unser Hotel hat nur 5 Etagen. Entsprechend groß ist der Spott, den diejenigen Camp-Teilnehmer über sich ergehen lassen müssen, die sich beim Lift-Fahren erwischen lassen.

Auch am Büfett belauern sich die Hobby-Athleten heimlich. "Hast du gesehen, wieviel Kuchen der genommen hat?" Ob das der Grund ist, dass sich die Trainerin an meinem Tisch beim Abendessen genau eine Pommes gönnt?

Beim Thema Genuss gibt es immerhin einen gemeinsamen Nenner, auf denen sich alle einigen können. Die herrliche Landschaft ist es, deren Eindrücke wir bei aktiver Bewegung in uns aufsaugen wollen. Bei einer Panoramatour von den Bergen um Arta hinunter zur Küste gibt es dazu reichlich Gelegenheit.











Mittwoch, 12. März 2014

Trailrunning Seminar Mallorca III

Die wenigsten können und wollen den ganzen Tag laufen, schon gar nicht an sieben Tagen am Stück. Doch wie beschäftigt man die Teilnehmer eines Laufcamps dann?

Nach morgendlichem Yoga und dem Traillauf geht es nachmittags mit Athletiktraining weiter. Dabei offenbart Trainer Andreas Butz seine Motivation für langfristiges Training. Ursprünglich wollte er sich "nur" mit 90 Jahren noch selbst die Schnürsenkel binden können. Doch inzwischen plant er im Jahr 2055 den Marathonweltrekord in der M90 aufzustellen.

Nach dem Abendessen werden die Videoaufnahmen unseres Laufstils analysiert. Andreas Butz unterstreicht die othopädische Notwendigkeit der Umstellung auf Mittelfußtechnik. Da ich diese zwar hinter mir, aber völlig autodidaktisch absolviert habe, bin ich sehr erleichtert, als mein Stil gelobt wird.

Bei der Laufschuhberatung gelten Pronationsstützen als "Krücken", die ein Training der Sehnen und Bänder verhindern und so das Problem verschärfen. Empfohlen werden neutrale Schuhe mit wenig Sprengung und flacher, flexibler Sohle. Die Modelle von Inov-8 sollen diesen Anforderungen genügen. Zudem sei im Vorfuß-Bereich eine Platte eingearbeitet, die den Fuß vor spitzen Steinen schütze und dennoch genug Rückmeldung vom Trail ermögliche. Eigentlich wollte Inov-8 40 Paar Testschuhe für das Camp bereitstellen. Sie wurden aber nicht rechtzeitig geliefert. So bleibt es bei der Theorie.

Testprodukte von Seeberger - Tagesration
Die Firma Seeberger ist da mehr auf Zack. Sie spendiert uns Riegel, Studentenfutter und Trailmix. Diese Gabe erhält, wer brav zum abendlichen Vortrage erscheint. Gut, dass die Ausgabe nicht an die Yoga-Teilnahme gekoppelt ist! Der Trailmix entpuppt sich nämlich als leckeres Zeug. Es ist zwar das einzige Produkt mit Zuckerzusatz, aber außer Zucker ist auch noch Salz beigefügt. Das kann eine Wohltat bei langen Läufen sein, wenn man irgendwann das ganze süße Gelumpe nicht mehr sehen kann. Man kann sich Trailmix als gesalzenes Studentenfutter mit Rhabarber vorstellen.

Zusätzlich sind noch diverse andere Produkte vorrätig, die in der Woche getestet werden können. Man kann sich eine Mio Alpha leihen, die den Puls ohne Gurt misst. Und Sportbrillen vom "Rudy Project" mit selbsttönenden Scheiben können ausprobiert und gekauft (180 Euro) werden. Holger Lapp hat verschiedene Stöcke von Leki dabei und bietet um 22 Uhr noch Nachtläufe zum Testen von Lupine-Stirnlampen an.

Die Stirnlampen hätten mich tatsächlich interessiert. Doch ich habe mich für einen Tag oft genug umgezogen und geduscht.

 Teil II     Teil IV

Dienstag, 11. März 2014

Trailrunning Seminar Mallorca II

7 Uhr. Zeit für mich, ein paar Vorurteile abzubauen. Denn es steht Yoga auf dem Programm.
Zunächst scheint das ganz mein Sport zu sein, denn gleich zu Beginn nehmen wir die "Heldenposition" ein. Doch dann gerate ich schnell an meine Grenzen. Beim Fersensitz könnte ich vor Schmerzen in den Füßen schreien und muss mich mit den Händen am Boden abstützen, um den Druck zu mildern. Zusätzlich zu den ganzen neuen Bewegungsabläufen soll man auch noch passend atmen. Gefühlt sind die Vorturner immer ein paar Atemzüge voraus. Und mir wird wieder klar, dass ich Läufer geworden bin, weil ich für komplexere Körperkoordinationen zu dusselig bin. Als ich dann noch meine "Augäpfel entspannen" soll, beschließe ich, dass ich das am nächsten Morgen nicht auf der Yoga-Matte, sondern in meinem Bett tun werde.

Nach dem Frühstück bringt uns ein Bus zur Ermita de la Victoria. Wir beginnen mit einer Videodokumentation unseres Laufstiles zur späteren Analyse. Dann laufen wir eine Runde über die Victoria-Halbinsel. Für mich ist das bekanntes Gebiet, denn genau hier war ich im Herbst mit meinem Sohn unterwegs. Nur, dass wir beide damals auch den Gipfel des Talaia d'Alcudia erklommen haben. Warum wir den kleinen Abstecher heute nicht machen, bleibt mir unverständlich. Obwohl ich in der schnellen Gruppe unterwegs bin, erinnert mich auch das Lauftempo sehr an den Ausflug mit meinem zwölfjährigen Nachwuchs. Trotzdem sind wir schon nach zwei Stunden zurück an der Eremitage. Aber der Bus mit Verpflegung und Wechselkleidung ist noch nicht hier. Das mit dem Fahrer in perfektem Spanisch vereinbarte "dos horas" scheint dieser nicht als "in zwei Stunden", sondern "um zwei Uhr" verstanden zu haben. Trockene Sachen und Proviant habe ich in meinem Laufrucksack. Also genieße ich den Sonnenschein bis irgendwann die anderen beiden Gruppen und der Bus eintreffen.

Da ich die Gegend schon letztes Jahr fotografisch dokumentiert hatte, lasse ich das Smartphone heute in der Tasche. Doch der Film des Veranstalters vermittelt einen Eindruck von der schönen Gegend.



Übrigens, inzwischen nimmt das Projekt "Ratinger Rundlauf" Gestalt an.

Teil I     Teil III

Montag, 10. März 2014

Trailrunning Seminar Mallorca I

Im Herbst habe ich mich verliebt - in eine Insel. Eigentlich war ich wegen des Marathons auf Mallorca. Aber die Läufe in den Bergen dort haben es mir angetan. Und ich beschließe wiederzukommen. Als ich auf das "Trailrunning-Seminar Mallorca" stoße, buche ich sofort.

Am Anreisetag beginnt das Programm erst am Abend. Da ich schon vormittags im Hotel ankomme, laufe ich kurzentschlossen am Meer entlang in Richtung der Berge am westlichen Horizont. Vielleicht kann ich einen Gipfel erklimmen? Schon nach knapp 3 Kilometern enden Strandpromenade und Bebauung. Der Weg führt jetzt zwischen Strand und dahinterliegendem Dünenwäldchen durch ein Naturschutzgebiet und ist als GR222 beschildert. Als Ziel wird Colònia de Sant Pere ausgewiesen. OK, dann lauf ich eben da mal hin.

Die Sonne scheint, und in meiner kurzen Laufkleidung wird mir beim kräftezehrenden Laufen durch den knöcheltiefen Sand schnell warm. Nach einiger Zeit beginne ich zu bereuen, dass ich kein Getränk mitführe. Droht mir auch das Schicksal des unglücklichen Geschöpfes, über dessen Gebeine ich fast stolpere?

Immerhin bin ich fitter als die Konkurrenz
Nach etwa 14 km erreiche ich wieder einen Ort. Es ist tatsächlich Sant Pere, das ich nach der Strandschinderei auf "Sand-Pere" umtaufe. Wüstenläufer werde ich wohl demnächst eher nicht. Zum Glück befindet sich gleich am Ortsanfang eine geöffnete Pizzeria, wo mich eine "Cerveza sin alcohol" rettet.

Der Rückweg wird fürchterlich. Erstens, weil ich weiß, dass ich mich nochmal durch den tiefen Sand kämpfen muss. Und zweitens, weil mir jetzt der kalte Nordwind entgegen peitscht. Die Sonne ist inzwischen hinter Wolken verschwunden, und ich kühle jämmerlich aus. Durchgefroren erreiche ich nach 28,5 km das Hotel.

Die abendliche Vorstellungsrunde offenbart, dass der ganze Trailkurs recht hochkarätig besetzt ist. Die meisten haben mindestens Marathonerfahrung. Die Gruppe besteht etwa zu gleichen Teilen aus Männern und Frauen, hauptsächlich im Alter von Mitte 40 bis 60. Es gibt auch Ausreißer. Der jüngsteTeilnehmer ist deutlich unter 30, der älteste fast 70. Die beiden halten nicht nur die Altersrekorde. Der Youngster läuft mit  35 min auf 10 km am schnellsten. Und der Senior hat mit 160 km Mauerweg den längsten Ultra absolviert. (Ich liege übrigens in beiden Kategorien auf Platz Zwei.) Einigen soll das Camp als Vorbereitung auf Ultraläufe dienen. Es ist mehrfach vom Rennsteig, aber auch vom TransAlpine die Rede. Alle Achtung, das kann ja was werden!

Aufgrund der gemachten Angaben und Erfahrungen werden Tempogruppen für die Läufe der nächsten Tage gebildet. Denn schon morgen soll es ins Gebirge gehen. Doch vorher steht um 7 Uhr Yoga auf dem Plan. Und das soll Urlaub sein?