Posts mit dem Label Ultra werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ultra werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 15. September 2019

Trailrunner's Paradise - Der Rothaarsteig-Ultratrail



Immer wieder stelle ich mir die Frage, ob ich mich überhaupt noch zu den Ultraläufern zählen darf.  Der letzte längere Lauf war die "Kölsche Naachschicht". Seitdem bin ich nicht über 36 km hinausgekommen. Schlimmer noch, ich musste mich quälen, um überhaupt eine derartige Distanz zustande zu bringen. Beim Rothaarsteig-Ultratrail will ich heute eine Antwort auf die Frage finden.

Bei diesem von Matthias privat organisierten Lauf stehen zwei Distanzen zur Auswahl:
  • 61 km mit 1780 Hm und
  • 82 km mit 2340 Hm
Unterwegs, am VP3, kann man sich endgültig für eine der beiden Strecken entscheiden. Auf Grund meiner Vorgeschichte und wegen des noch immer anhaltenden Treppenlauf-Muskelkaters plane ich von vornherein die kurze Variante.

Nach einem reichhaltigen Frühstück, das Tanja (des Veranstalters Ehefrau) im kürzlich erworbenen Eigenheim der Organisator-Familie serviert, finden sich die etwa 20 Starter im Wohnzimmer zum Briefing ein. Eigentlich soll auf dem großen Flachbildschirm eine Präsentation abgespielt werden. Da die Technik streikt, begnügen wir uns mit einem Hand-Out. Darin werden Jagdaktivitäten und Sprengungen durch die Firma "Dynamit Nobel" auf dem Kurs erwähnt. Außerdem sind Rollator-Fahrer zu sehen, die sich über eine Ziellinie kämpfen. Neben derlei motivierenden Tatsachen, fällt noch der entscheidende Satz: "Wenn irgendwo kein Weg zu sehen ist, gilt der Track. Dann bin bisher nur ich dort lang gelaufen, und ihr seid die nächsten."


Direkt mit dem Startsignal setzt sich ein hochmotivierter Läufer nach vorne ab und ist nach wenigen Minuten aus dem Sichtfeld entschwunden. Auch die restliche Truppe zieht sich schnell auseinander, nur um an der ersten Weggabelung wieder zusammenzufinden. Geht es nach rechts? Nein. Die GPS-Receiver melden Track-Abweichung. Nach links? Hier das gleiche Spiel. Verzweifelt suchen wir nach einer Alternative, bis uns der wichtige Satz aus dem Briefing in Erinnerung gerät. Der Trupp bahnt sich einen Weg durch den Bewuchs, der hier inzwischen über einem noch zu erahnenden alten Pfad wuchert. Es wird eine Weile dauern und viele Beinahe-Verlaufer kosten, bis wir das Schema verinnerlichet haben und gleich in die schmalste Weg-Variante abzweigen, die sich bietet. Denn genau die hat der Trackmaster für uns jeweils herausgesucht.

Was folgt, ist ein Single-Trail-Traum. Asphalt bekommen wir nur bei den ganz wenigen Straßenquerungen zu Gesicht. Selbst normale Waldwege sind hier die Ausnahme. Fast immer geht es auf schmalen, oft wurzeligen, Pfaden dahin. Manchmal fehlt der Weg ganz. Trailrunner's Paradise!

Der Weg
Ständig ist höchste Konzentration gefragt. Wenn sie nicht der Bodenbeschaffenheit gilt, dann ist auf den Track zu achten, der mal wieder urplötzlich ins Unterholz abbiegt, wo man gar keine Kreuzung vermutet hätte.

Meine Rettung ist mein Begleiter. Anfangs waren wir noch in einem Trupp von vier bis fünf Läufern unterwegs. Seit VP2 hat sich die Gruppe auf ein Duo reduziert. Nur mit der Wurmnavigation auf seiner Suunto bemerkt mein Kompagnon jede Streckenabweichung sofort. Ich hingegen, der ich sowohl die Fenix3 mit dem Track bestückt habe, als auch ein Garmin-Gerät mit Kartendarstellung mitführe, finde bis zum Ende des Rennens nicht so richtig in mein altes Navigationsvermögen hinein. Es liegt wohl an der Altersweitsichtigkeit, die mich die Displays nicht mehr ohne Anstrengung erkennen lässt. Mit diesem Problem dürfte ich ja wohl kaum allein sein und frage mich, wie andere das lösen. Mit Lesebrille rennen?


Die Schnittmenge aus Historikern und Ultraläufern dürfte nicht allzu groß sein. Dennoch ist mein Mitläufer bereits der zweite Vertreter dieser Gruppe, den ich kennenlerne. Nachdem wir uns zunächst stundenlang mit Läufergeschichten unterhalten haben, stellt sich heraus, dass er Technik-Historiker ist. Als Ingenieur reizt mich das Themenfeld natürlich ebenfalls. So diskutieren wir die Vor- und Nachteile herkömmlicher Fieberthermometer gegenüber den heute üblichen elektronischen Varianten. Und schon sind wir am Entscheidungs-VP3. Gerne hätte ich unsere kurzweilige Unterhaltung fortgesetzt. Doch der Historiker möchte den Führenden jagen, dessen Vorsprung von 20 Minuten an VP2 nun auf 15 Minuten geschrumpft ist.

Damit bin ich der Erstplatzierte auf der 61-km-Strecke. Die Position will ich besser nicht gefährden und halte meinen Stopp entsprechend kurz, obwohl es angesichts der aufgetafelten Köstlichkeiten schwer fällt. Das Angebot reicht von Gurke, Tomaten, Salz, Äpfeln und Bananen bis hin zum selbstgebackenen Kuchen. Neben Wasser und Cola gibt es auch Bier, Tee und Kaffee. Und diese Aufzählung ist keinesfalls vollständig!


Ich nehme mir zwei Käsebrote (meine absolute Lieblingsspeise bei einem Ultra) mit und ziehe von hinnen. Auf geradem Waldweg trotte ich schmatzend dahin. Da wir bisher jeden Anstieg konsequent gegangen waren, geht es mir nach 42 Kilometern noch richtig gut. Ich genieße das herrliche Sommerwetter und die wunderbare Natur. Und schon habe ich mich verlaufen!

Jetzt, auf mich allein gestellt, muss ich der Wegfindung noch mehr Aufmerksamkeit schenken. So kann ich ein paar Kilometer später mein nicht vorhandenes Rheuma kurieren, als mich der Track durch hüfthohe Brennnesseln schickt. Die letzten sieben Kilometer werden dann doch noch richtig schwer. Die Sonne brezelt auf meinen schweißüberzogenen Körper. Obwohl die Höhenmeter laut Track längst im Sack sind, baut sich ein Anstieg nach dem anderen vor mir auf. Und nach 61 Kilometern, als ich längst da zu sein hoffe, prognostiziert der Track noch immer zwei Kilometer bis zum Ziel.

Dort, in Tanjas Küche, treffe ich letztlich nach 7:46:13 ein und genieße den ganz persönlichen Nachzielbereichs-Service der Hausherrin, die meinen Körper mit Kuchen, Bier und Kaffee wieder aufpäppelt. Zur mentalen Erbauung bekomme ich die Goldmedaille umgehängt. Damit dürfte ich die gesuchte Antwort gefunden haben.



Mittwoch, 3. Juli 2019

Kölsche Naachschicht 75 km

Nach 22 Jahren im Rheinland bin ich in der Lage zu verstehen, dass es sich bei einer Veranstaltung mit dem Namen "Kölsche Naachschicht" wohl um einen Nachtlauf in der Nähe von Köln handeln muss. Es gibt auch spezielle - „Veedels Verzäll“ genannte - Vorbereitungsläufe. Da braucht der Zugereiste allerdings Nachschlagewerke, um sich die Bedeutung zu erschließen.

Ein 171 km langer Wanderweg, der Kölnpfad, umschließt die Domstadt und kann am Veranstaltungstag komplett gelaufen werden. Außerdem ist ein 110 km langer Abschnitt als "10x11 Kölnpfad" im Angebot, und eben die Nachtvariante über 75 km.

Kölnpfad am Rhein

Ich mag Nachtläufe nicht. Denn ich brauche ewig, um das Schlafdefizit auszugleichen. Daher genieße ich die unvergleichliche Erfahrung, die Natur und den eigenen Körper zwischen den beiden Dämmerungen zu erleben, nur sehr selten. Angemeldet hatte ich mich für die "Naachschicht" vor allem deshalb, weil mein Trainingszustand momentan keine längeren Strecken zulässt. Und das erweist sich heute als regelrechter Glücksfall! Mir bleibt dadurch Laufen in tropischer Hitze und bei brutaler Sonneneinstrahlung erspart. Selbst nachts wird die Temperatur nicht unter 20 Grad fallen!

Die härteste Prüfung


Die härteste Prüfung hält der Lauf schon vor dem Start bereit: die halbstündige Fahrt im nichtklimatisierten Bus zum Startbereich! Die heiße Luft steht im Wagen. Die Sonne brezelt zum Fenster herein. Verschwitzte Leiber schmiegen sich unfreiwillig aneinander, so dass es zum Austausch von Körperflüssigkeiten kommt. Und in jeder Kurve wabert das Odeur eines anderen Leidensgenossen zur gepeinigten Nase.


Seifenblasenmaschine an VP7

Da ist die leichte Luftbewegung, die eine am Start-VP aufgestellte Seifenblasenmaschine sogar visualisiert, beim Ausstieg am Rheinufer eine wahre Wohltat. Man kann keinen Bericht über diesen Lauf schreiben, ohne die hervorragenden VP's und die aufopferungsvollen Helfer lobend zu erwähnen. Wir starten am VP7, der den Beinamen "Susanne Alexis VP" trägt. Sich so eine Benennung verdient zu haben, spricht für das Engagement der Namensgeberin. Und so wundert es nicht, dass neben der Seifenblasenmaschine noch ein Kühlwasser-Pool zur Verfügung steht. Ich nehme eine Scheibe vom bereitstehenden Brot und werde augenblicklich Fan. In der Annahme, es sei von Susanne selbstgebacken, werfe ich spontan mehrere der köstlichen Scheiben als Abendbrot ein. In Wirklichkeit werden die Brote von der lokalen Bio-Bäckerei "Ährensache" geliefert. Diese Kooperation ist Teil der umweltfreundlichen Strategie der Veranstalter, die auf Plastikbecher verzichten und kompostierbares Einweg-Geschirr benutzen.

Nach dieser noch gänzlich unverdienten Verpflegung wird tatsächlich ab 20 Uhr auch gelaufen. 75 km sind ausgeschrieben. Der GPS-Track weist eine Länge von 77,5 km aus. Und am Start steht am Boden: "Ab hier noch 78 km"! Mal sehen, wie viele Kilometer unterwegs noch dazu kommen.

Start


Sehr schnell setzt sich ein Führungsduo ab. Ich hatte die Ergebnislisten der Vorjahre mit meiner geplanten Zielzeit von unter 8 Stunden verglichen und festgestellt, dass ein Podestplatz nicht völlig unrealistisch wäre. Bei dieser Abschätzung hatte ich allerdings die Hitze nicht mit auf der Rechnung! Trotzdem halte ich mich mal strategisch hinter dem Zweiten. Der Erste zieht in einem geschätzten 5er Schnitt davon. Und auch wir sind deutlich unter einem 6er Schnitt unterwegs. Und dann geht auch noch einer vorbei!

Anstatt mal eine eigene Taktik zu verfolgen (die ich für heute überhaupt nicht vorbereitet und geplant habe - ein Fehler!), hänge ich mich an Torsten, den Überholer. Da sind Zwischenzeiten im 5er Schnitt dabei! Glücklicherweise hat er bald ein Einsehen. Er lässt sich zurückfallen und verkündet, jetzt langsamer zu laufen, um dann später zu überholen. Das ist ein realistischer Plan, so geschieht es häufig auf der langen Strecke. Ich nutze die Chance, ebenfalls das Tempo zu reduzieren, bleibe aber unter einem 6er Schnitt.

Kühlwasser-Pool

Glücklicherweise trinke ich am nächsten VP und der Zusatzwasserstelle ordentlich und nutze die Duschen, um den Kopf zu kühlen. Denn den VP09 verpasse ich! Ich laufe nämlich bisher ausschließlich nach der offiziellen Wanderwegmarkierung, die hervorragend und lückenlos ist. Insofern sehe ich keine Notwendigkeit, den Track zu benutzen. Dass es auch noch aufgesprühte Pfeile gibt, werde ich erst viel später entdecken. Blaue Pfeile auf blauem Asphalt sind nachts für mich nahezu unsichtbar.

Ich steh' im Wald


Irgendwann finde ich mich im Wald wieder und vermisse die bisher so reichhaltig vorhandenen Wanderwegzeichen. Da fällt mir ein, dass ich in einem Facebook-Forum las, dass der Königsforst aus Naturschutzgründen an der Straße umlaufen werden muss. Möglicherweise ist hier jetzt Königsforst? Nun hole ich den GPS-Receiver heraus und bemerke, dass ich tatsächlich zurück zur Straße muss.

GPS-Receiver und laminierte VP-Liste

Auf der Straße erfolgt die nächste Überraschung. Vor mir läuft der Führende! Kurze Zeit später bilden wir ein Duo und begeben uns gemeinsam auf die Suche nach den blauen Pfeilen. Zwei Tracks und vier Augen ergeben eine sehr gute Navigation.

Der Fehler


Am VP10 mache ich einen schweren Fehler. Ich "exe" eine Flasche "Früh Sport". Mein Durst lässt sich mit reinem Wasser nicht mehr löschen. Alle anderen Getränke, die mir auffallen, sind kohlensäurehaltig. So auch das alkoholfreie Kölsch. Die Kohlensäure der Apfelschorle in meiner Softflask kann ich nach einigen Schritten pfeifend ablassen. Die in meinem Bauch möchte gern ebenso entweichen. Kurz: ich bekomme Magenprobleme. Meinem Kompagnon geht es ähnlich. Begeistert entdecken wir, dass VP11 Kamillentee ausschenkt. Das Zeug ist eine Wohltat! Wer hätte gedacht, dass bei der Hitze warmer Tee so gut tun würde!

Schwindel


Während mein Begleiter geheilt und erquickt das Tempo hoch hält, werden meine Probleme größer. Dass der Magen rebelliert, wenn man lange Strecken zu schnell angeht, ist ja nichts Neues. Aber bei km 58 wird mir plötzlich schwindlig. Der Kopf kommt mit der Hitze nicht mehr klar. Ich habe das Gefühl, den Schädel dringend kühlen zu müssen. Der Mund ist so trocken, dass das Öffnen der Lippen fast schon schmerzt. Die Kehle will trinken, aber der Bauch signalisiert Völle. Ich falle ins Gehen!

Ich brauche jetzt 10 Minuten für einen Kilometer! Das darf ich gar nicht bis ins Ziel hochrechnen. Immer wieder versuche ich anzulaufen. Es führt nur zu einem unwürdigen Gehoppel für ein paar wenige Schritte. Ich warte darauf, dass jeden Moment Torsten seine Prophezeiung wahr werden lässt und vorbeiläuft. Und so kommt es natürlich auch. Kopf, Bauch, Beine, Füße, Achillessehne. Alles tut weh. Erstmals in einem Rennen denke ich ans Aufgeben. Als an der Straße ein Taxi vorbeifährt, bräuchte ich nur den Arm zu heben. Lediglich die Aussicht auf einen Podestplatz lässt mich durchhalten. Immer wieder muss ich an die Läufer denken, die die komplette Strecke absolvieren und am Tage viel größerer Hitze zu trotzen haben. Mein ganzer Fokus und alle Hoffnung richten sich jetzt auf den letzten VP.

Auferstehung


Dort kann ich mir endlich Wasser über den Kopf schütten! Verwundert bemerke ich, dass meine Trinkblase noch so gut wie voll ist. Auch auf den letzten 11 Kilometern werde ich kaum noch etwas trinken. Die Phase der Demoralisierung ist schlagartig vorüber. Liegt es an der Kühlung des Kopfes oder an der Energie aus den gesalzenen Kartoffeln? Egal, ich laufe wieder! Es fühlt sich an wie ein 6er Schnitt. Die Uhr holt mich in die Wirklichkeit zurück: 7:30 min/km. Auch erhöhte Anstrengung führt nach dem nächsten Kilometer zum gleichen Ergebnis. Erst als die Restkilometer einstellig werden, zeigt meine neue Devise Wirkung: "Auf keinen Fall mehr die Platzierung einbüßen!" Jeder Kilometer wird jetzt schneller. Das Tempo steigert sich von 6:30 bis 5:25 min/km. Ich brülle mir wütend die Anstrengung aus dem Leib. Aber das fühlt sich wieder nach Laufen an. Der Kadaver lebt! Die letzte VP-Besatzung hatte es vorhergesagt: "Die Freude kommt zum Schluss wieder zu dir zurück!"

Und so kriege ich doch noch ein Lächeln für das Zielfoto zustande, das nach 8:46:54 Laufzeit von mir gemacht wird.

Kacheln an Keks

PS: Die Fenix3 hat 78,23 km gemessen.

Montag, 17. Juni 2019

Meine Ardennenoffensive - Epic Trail 50

Während sich das Gros der Szene an der Zugspitze drängt, genieße ich Läufer-Wellness in Spa. Aber nicht die Therme, sondern die belgischen Trails locken mich da hin. Beim Epic Trail 50 sind 1700 Höhenmeter auf 50 km ausgeschrieben.

Google übersetzt die Ausschreibung mit: "Die pikanten Strecken in und um Spa sind anspruchsvoll und oft anspruchsvoll ..." Ich stelle mich also wohl besser auf eine anspruchsvolle Strecke ein. Und da es sich um Belgien handelt, habe ich die Schuhe mit den längeren Stollen angezogen. Der Schokoladenfan schwört auf "Belgische Pralinen", während der Schlammfreund "Belgische Trails" genießt.
Leopold II-Galerie
Gut 100 Starter haben sich im Parc des Sept Heures eingefunden, wo das unscheinbare Veranstaltungszelt fast untergeht neben den Konstruktionen aus dem 19. Jahrhundert, die vom damaligen Eklektischen Stil zeugen. In der Leopold II-Galerie aus Eisen und Glas wird gerade ein riesiger Flohmarkt aufgebaut. Das Vordach eines der historischen Pavillons dient uns als Kleiderbeutelaufbewahrung.

Ein Dixi-Besuch ist ohne jedes Schlangestehen möglich. Und die Hände wasche ich mir danach am Brunnen der kohlesäurehaltigen Quelle, die auch die hiesige Therme speist. ("Sie baden gerade Ihre Hände drin!", kommt mir unwillkürlich die legendäre "Tilly" in den Sinn.)

Gelaufen wird dann doch auch noch. Ich halte mich zunächst an die führende Frau, lasse mich aber von einem Überholer mitreißen. Nur um wenig später diesen selbst hinter mir zu lassen. Die Top Ten sind längst entsprungen. So stelle ich mich ab jetzt auf ein einsames Rennen ein. Was für eine Fehleinschätzung!

Ich genieße die "anspruchsvolle Strecke", die hauptsächlich aus Single Trails besteht. Aussichten gibt es nur wenige. Einmal wird der Blick auf eine Burgruine frei, ein paar andere Male sieht man in die Ardennen-Landschaft oder auf einen See. Ansonsten ist hier ganz klar die Strecke selbst der Star. Ich zitiere einfach nochmal Freund Google: 

"Die Läufer werden durch die wunderschönen Berge in und um Spa geführt und stoßen auf unterschiedliche Oberflächen. Schlamm, Felsen, Baumwurzeln, breite Waldwege, einzelne Spuren, ... sind immer miteinander durchsetzt. Dies schließt angepasstes Schuhwerk ein."

Und dann sehe ich zwischen den Stämmen plötzlich einen braunen Rücken hüpfen. Es ist aber kein Reh, sondern ein Läufer vor mir. Der wiederum hat einen weißen Mitstreiter in Reichweite. Ich habe am Berg die beiden fast eingeholt. Doch scheinbar spüren sie meinen heißen Brodem in ihrem Genick, denn im Nu sind sie wieder entfleucht. 

Als ich das nächste Mal der beiden ansichtig werde, liegt nun der Weiße hinten, den ich bald darauf auch überhole. Gefühlte Ewigkeiten später ziehe ich endlich am Braunen vorbei. Es rollt jetzt richtig gut. Eine Zeit unter 5 Stunden scheint trotz der 1700 Hm möglich. Wenn ich nicht gerade völlig überziehe ...

Schienen der Standseilbahn hinten, vorn der Quellbrunnen

Nach dem VP bei km 22 zeigt das Höhenprofil die Zähne, als es neben der Standseilbahn hinauf zur Therme geht, in der ich mich 2015 vom Finish des Crêtes de Spa erholte. Ich bin nun wieder allein unterwegs. Ein mentales und körperliches Tief bemächtigt sich meiner. Die tollen Downhills können nicht mehr so richtig in Speed umgewandelt werden, da die Oberschenkel schon etwas in Mitleidenschaft gezogen sind. Da steckt das Wort "Mitleid" drin. Davon habe ich wohl gerade ein bisschen zu viel mit mir. Jedenfalls naht der Braune wieder heran, und wir laufen gemeinsam in den VP bei km 32 ein. Und auch wieder aus. Man durchläuft hier nämlich eine Halle, in der die Verpflegungstische mit Orangen, Rosinen, Bananen, Melone, Kuchen, Müsli, Gummizeugs und Riegeln aufgereiht sind. Coole Idee!

Nur, wo ist denn jetzt der sehr junge Mann in Braun? Egal, Hauptsache hinter mir! Obwohl es meist bedeckt ist, bin ich froh über die Sportbrille, da mir ständig die Äste ins Gesicht peitschen, wenn ich mir den Weg über den meist matschigen Untergrund bahne. Eine leichte Brise kühlt den erhitzten Leib bei läuferisch angenehmen 15 bis 19 Grad. Außerdem überhole ich noch einen Blauen. Toll, was ein wenig Nahrungsaufnahme doch wieder für eine Energie gibt!


Höhenprofil
"Vor ihm gähnte der Abgrund, hinter ihm der Verfolger", lautet eine bekannte Stilblüte. Ungefähr so stellt sich meine Situation dar, als sich vor mir ein Gewässer erstreckt. Ein Flüsslein von etwa sieben Metern Breite gilt es zu durchqueren. Das munter strömende Nass reicht bis zum Knie und gibt dank des klaren Inhalts den Blick auf den felsigen und steinigen Boden frei. Mein ganzes Trachten richtet sich darauf, nicht zu stürzen. Obwohl ein Bad recht willkommen wäre, möchte ich das Handy im Rucksack nicht wässern. 

Auf der anderen Seite ragt ein steiler Anstieg auf. Den schmalen Pfad kommt gerade ein Pferd herabgeschlittert, auf dessen Rücken eine ältere Dame sitzt und irgendetwas Französisches mit "Passage" ruft. Mir wäre gar nicht in den Sinn gekommen, mich vor das Pferd zu stürzen. Also lasse ich sie passieren und will fotografieren, wie der Gaul durch die Fluten spritzt. Ich drehe mich dazu um, nur um meinen keineswegs gähnenden Verfolgern ins Auge zu blicken! Es bleibt keine Zeit für eine Foto-Session! Blau und Braun hetzen heran, angeführt von einem Roten, der sich offenbar von hinten durch das Feld arbeitet.

Stöckeschwingend zieht der Rote schon bald vorüber. Und auch der junge Braune lässt mich wieder hinter sich. In dieser Reihenfolge laufen wir in den letzten VP bei km 42 ein. Als die beiden Führenden schon weiterrennen, kommt noch Blau hinzu. Ich trabe weiter.

Offenbar hat der Blaue einen enormen Energieschub bekommen. Während ich mich mit meiner abgeschlagenen Platzierung schon zufrieden gegeben habe und gemächlich weiterzuckle, kommt der Blaue von hinten regelrecht angesprintet. "Der nicht auch noch", denke ich mir. Und sprinte mit!

Unglaublich, was sich da gerade in mir entfesselt! Es ist eben doch alles nur Kopfsache. Wir jagen gemeinsam dahin und kommen ins Gespräch. Der Mann ist Holländer, hat bisher zwei Marathons gefinisht und läuft gerade seinen ersten Ultra. Zunächst überholen wir Braun und dann den Roten. Die beiden wirken äußerst überrascht, uns noch einmal zu sehen. Wir laufen schneller als zu Beginn des Rennens, was auch am Höhenprofil liegt, das nun ein Einsehen hat. Irgendwann muss es ja auch mal wieder runter gehen.

Nur kurz vorm Finale hat sich der Veranstalter noch einen "Endgegner" als Schlussgag einfallen lassen. Statt uns geradewegs durch den Park ins Ziel laufen zu lassen, geht es noch einmal über Felsen hoch Richtung Therme und dann weglos steil bergab. Dort im Unterholz verliere ich erst den Halt und dann meinen blauen Begleiter, mit dem ich gemeinsam finishen wollte.

So kommt es, dass ich nach 4:48:45 als Achter einlaufe. Dank der elektronischen Zwischenzeitnahmen mit Live-Updates fieberte die Familie zu Hause mit, wie ich mich vom 12. Platz vorgearbeitet habe, und sendet direkt Glückwünsche. Medaillen oder Urkunden gibt es keine, dafür war die Strecke, die letztlich nur 48 km Länge aufwies, perfekt markiert.

Ich genieße nun, worauf ich mich seit Stunden gefreut habe. Dank neuester Wettkampfausrüstung gibt es ein eiskaltes Zielbier. Meine Frau überreichte mir am Vorabend eine kleine Kühltasche, die genau eine Flasche nebst Kühlakkus fasst. Sehr empfehlenswert!

Mini-Kühltasche

Freitag, 31. Mai 2019

Mein Ultra-Come-Back beim 20. Westerwaldlauf in Rengsdorf

Seit Anfang Oktober bin ich nicht mehr über die Marathondistanz hinausgekommen. Zum Herrentag schenke ich mir meine Rückkehr auf die längeren Strecken. Ein Funlauf ohne Wertung über 50 km scheint dazu perfekt geeignet. Der 20. Westerwaldlauf beim Volkswandertag in Rengsdorf bietet sich geradezu an.

Schon 2014 hatte ich diese familiär organisierte Veranstaltung schätzen gelernt. Start und Ziel befinden sich am wunderschön gelegenen Freibad in Rengsdorf, das nach dem Lauf genutzt werden darf. Im Freibad tummeln sich allerlei bekannte Ultraläufer. So kommt es zu manch herzlicher Begegnung.

Gebadet wird erst nach dem Lauf

Auch die internetbekannte "Wandersmännin" Daniela Mohr hat sich unter die Starter gemischt. Schon lange erheitert mich ihr Blog und ernähren mich ihre Rezepte (letztere allerdings über den Umweg der Kochkünste meiner Frau). Heute ist es an der Zeit, dass ich mich persönlich vorstelle und als Fan bekenne. Ich bekomme zwar kein Autogramm, aber ein Visitenkärtchen, auf dem ich Wanderstempel sammeln kann - quasi als Payback-Punkte aus dem Wald. Paradoxerweise hat sich Daniela nämlich mit ihren flotten Wanderbeinen noch ein zweites Standbein geschaffen und bietet Mikro-Abenteuer wohlfeil.

Ich stürze mich mit dem Startsignal in mein eigenes Abenteuer, das mir ob meiner langen Abstinenz gar nicht so "mikro" vorkommt. Die 1200 Hm tun ihr Übriges. Die menschenleere Westerwaldlandschaft entschädigt aber permanent für jede Anstrengung. Mal rauscht der Wind in den Baumwipfeln, mal die Wied in ihrem Bett. Oft geht es an plätschernden Bächen bergauf oder -ab. Manchmal tut es dies auch ganz ohne Gewässer. Und an einer dieser Abwärts-Passagen passiert es mal wieder. Ein Fuß bleibt irgendwo hängen. Ich gerate ins Straucheln. Und dann kommt dieser Moment, wo du realisierst, dass ein Sturz nicht mehr zu vermeiden ist. Mir gelingt es, noch einen Schritt zwischenzuschieben und meine Fallrichtung zur Böschung zu lenken. So tauche ich mit der rechten Körperhälfte in den Waldboden der Wand, die rechts neben dem Weg emporragt. Glück im Unglück. Ich falle dadurch nicht so tief und lande auch noch weich. Der feine Staub des Waldes und der Schweiß auf meiner Haut bilden fortan eine markante Patina, die mich als Trailrunner ausweist.

Sechs verschiedene Strecken haben die Veranstalter im jährlich wechselnden Programm. Dadurch erlebe ich ein mir völlig neues Stück Westerwald. Immer wieder gibt es eine Aussicht zu genießen. Landschaftliche Ähnlichkeiten zum Rennsteiglauf empfinde ich. Aber die idyllische Lage von VP2 sucht ihresgleichen.

VP2 an kleiner Kapelle

Obwohl es keine offizielle Zeitnahme gibt, habe ich mir eine private Zielvorgabe auferlegt. Ich möchte unter 5 Stunden bleiben. Bei km 42 wird klar, dass ich eine Minute hinter meinem Plan hänge. Und nun zeigt sich, wie wirkungsvoll so ein selbstgestecktes Ziel sein kann. Ich zünde nämlich den Turbo. Vergessen und verflogen ist plötzlich der Schmerz in der linken Leiste, der mich seit dem Herbst auf längeren Strecken begleitet. Auch das Höhenprofil hat nun ein Einsehen und weist tendenziell bergab. Ich "flowe" dem Ziel entgegen, wo nach 4:52:07 die härteste Prüfung des Tages auf mich wartet.

Das Wasser der Dusche ist gerade so warm, dass keine Eiswürfel aus dem Brausekopf fallen. Mannhaft stelle ich mich der Herausforderung. Als ich mich mit blauen Lippen zitternd abtrockne, kommt ein potenzieller Leidensgenosse zur Tür herein. "Ach, da muss man Bescheid sagen", sprach's, verschwindet kurz und genießt anschließend eine heiße Wellness-Anwendung unter meinen neidischen Blicken.

Der Lauf in einem Wort zusammengefasst - bei km 42

Montag, 7. Januar 2019

Mein Ultra-Abschied, 2. Bach-Tal-Ultra und Ratinger Neujahrslauf

Abschied vom Ultralaufen


Ich habe meinen Abschied vom Ultralaufen beschlossen und mit diesen Worten nun vermutlich eure Aufmerksamkeit gewonnen.
Mitten in der Vorbereitung für den Röntgenlauf brachte mich ein Schmerz in der Leiste um den Schlaf. Seltsamerweise tat es nur im Liegen weh. Angeblich kann man 14 Tage ohne Nahrung überstehen, aber nur 11 Tage ohne Schlaf. Also blieb mir nur eine konsequente Laufpause, um wenigstens am Leben zu bleiben.
Und es fiel mir überhaupt nicht schwer, auf das Laufen zu verzichten. Ich hatte gar keine Lust! Keine Lust auf nichts. Ständige Müdigkeit und Antriebslosigkeit waren meine Begleiter. Das ganze gipfelte in einer ordentlichen Männergrippe, die mich dann zu einem ratlosen Arzt trieb. Die Blutwerte waren so weit in Ordnung, nur das Eisen lag am unteren Ende des grünen Bereichs. Eine Schlafuntersuchung steht noch aus. Am plausibelsten erscheint mir die Selbstdiagnose "Übertraining" nach einem Blick in meine Statistik, die eine Spitze in den Umfängen im September und (zu) viele Wettkämpfe im Oktober zeigt. 
Seit ich eine orthomolekulare Therapie begonnen habe, fühle ich mich besser. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass die Tage wieder länger werden.

Mein derzeitiges Frühstück



2. Bach-Tal-Ultra


Also bin ich vom Läufer zum Laufveranstalter geworden und habe mich auf die Ausrichtung der zweiten Auflage des voriges Jahr ins Leben gerufenen Bach-Tal-Ultras, kurz BaTalU, konzentriert. Und es purzelten die Rekorde! 36 Starter bedeuten Teilnehmerrekord. Die Gesamt-Sieger Christoph Janthur und Michael Schmidt stellten mit 6:45:00 einen neuen Streckenrekord über 62 km auf. Die Siegerin auf der Ultrastrecke, Sandra Sons, verbesserte ihre Vorjahresleistung trotz widriger Wetterverhältnisse um 1 Stunde und 25 Minuten!
Andreas Hintemann meldete nach der ersten Runde über 26 km spontan auf die Kurzdistanz herunter und gewann so die 26-km-Wertung mit einem Streckenrekord von 2:44:00. Erste Frau wurde Britta Ludwig vom TuS Breitscheid, die nach 3:13:00 das Ziel erreichte. Sie hatte dabei das Feld der Kurzstreckler angeführt, das aus organisatorischen Gründen eine Stunde nach den Ultras gestartet war.
Unser Familien-Orga-Team hat den Tag in Gesellschaft der fröhlichen Starter und die vielen guten VP- und Zielgespräche sehr genossen und freut sich schon auf die nächste Austragung, bei der eine Anregung der Starter umgesetzt wird. Dann geht es zuerst auf die längere Schleife in die südlichen Bach-Täler über 36 km, bevor die Ratinger Bach-Täler auf den verbleibenden 26 km erlaufen werden.
Originalabfüllung: Echtes Ratinger Bach-Tal-Wasser

Ratinger Neujahrslauf


Mein erster Tempolauf seit Herbst stand beim Neujahrslauf über 10 km auf dem Programm. Offenbar hat mich das reine Veranstalten des Ultras mehr geschwächt, als wenn ich selbst mitgelaufen wäre. Denn ich war über eine halbe Minute langsamer als voriges Jahr, in dem ich am Vortag die 62 km absolviert hatte. Außerdem habe ich das Sub40-Ziel mit glatten 40:00 denkbar knapp verpasst. Rausgerissen haben es mal wieder die Kinder. Meine Tochter wird AK-Zweite über 5 km und mein Sohn gewinnt die neue AK im 10-km-Lauf.

Wenigstens eine Finisher-Medaille gab es


Der Traum vom gemeinsamen Vater-Sohn-Marathon-Finish


Als ich den Junior mehr und mehr an die längeren Strecken heranführte, hatte ich immer das Bild im Hinterkopf, wie wir eines Tages Hand in Hand ins Ziel eines Marathons laufen würden. Der Traum ist geplatzt! Da ist der Bengel endlich alt genug, um offiziell starten zu dürfen - und schon ist er zu schnell!
Trotzdem möchte ich mit ihm zusammen die Vorbereitung absolvieren - und es noch einmal wissen. Ich werde beim Düsseldorf Marathon Ende April einen letzten Bestzeiten-Versuch starten. Danach hat mich hoffentlich die Ultra-Szene als Läufer wieder!

Da ich dieses Zeug nehmen muss, behalte ich mir vor, mich jederzeit von diesem Schriftstück zu distanzieren!


Montag, 1. Oktober 2018

Des Kaisers neue Runden - mein 2. Kaiserpark-Ultra

Bei meinem 2016er Kaiserpark-Ultra-Debüt hatten 30 Runden nicht genügt, um das zentrale Kunstwerk im Park wahrzunehmen. Insofern muss ich dort dringend noch einmal starten. Schließlich will ich den damals sturmdurchtosten Kaiserpark auch bei Kaiserwetter erleben. Dazu bietet sich heute Gelegenheit.

Läufer auf der Strecke durch den Kaiserpark

Dem wolkenlosen Herbsthimmel zollen wir Läufer morgens zwar noch fröstelnd Tribut, doch schon nach ein paar Runden heizt uns der Sonnenschein ein. Vielleicht liegt es auch an dem Tempo, welches mein Begleiter anschlägt, dass mir warm wird. Er will die Runden in wechselnden Tempi laufen. Als er plötzlich die Pace unter 4 min/km drückt, wird mir klar, dass ich die verbleibenden 25 Runden wohl allein laufen werde.

"Linkin Park"-Gedenkstätte, um Depression zu entstigmatisieren

Es ist ein einsames Geschäft. Etwas Abwechslung bringen die Läuferbegegnungen beim Überrunden. Hin und wieder lässt sich auch ein Gassigänger blicken. Beim Kalorienkonsum kann ich mit den anderen Erholungssuchenden scheinbar nicht mithalten. Während ich mich mit drei Bechern Wasser unterwegs begnüge, gönnt sich ein Raucher auf einer Bank inzwischen drei Dosen Energydrink. Auch ein Eichhörnchen bunkert emsig Eicheln, die es von einer Seite des Weges auf die andere schleppt. Irgendwann hat es sich wohl an die Läufer gewöhnt. Es erwartet mich männchenmachend und präsentiert seinen weißen Bauch.

Kaiserliche Karrosse kaiserlich geparkt am Kaiserpark

Mein eigener weißer Bauch präsentiert sich bald darauf mit lauten Geknurre. Nach der letzten Runde labe ich mich an veganem Möhrenkuchen und ebenso tierfreiem Bananenbrot, das Svenja, die Veranstalterin, gebacken hat. Sie ist etwas unsicher, ob sie mich als Sieger feiern soll. Denn bei meinem anfänglich-schnellen Begleiter gab es Unstimmigkeiten mit der Rundenzählung. Da seine Uhr nur 44, statt der ausgeschriebenen 45 km angezeigt hatte, war er auf eine weitere 1,5-km-Runde geschickt worden. Angesichts der Tatsache, dass ich ihn nicht überholt habe und auch meine Uhr nur 44 km anzeigt, empfangen wir ihn nach seiner „Strafrunde“ mit dem ihm gebührenden Jubel.

Auch ich habe Grund zum Jubeln, denn ich konnte mit 3:43:36 meine "Kaiserpark-pB" um fast achteinhalb Minuten verbessern.

Montag, 23. Juli 2018

Rund um Irgendwas VI

Mit der Raketengang zwischen Motodrom und Erdbeerkäse

Der heutige Gruppenlauf, dessen Name "Rund um Irgendwas" kaum Fragen offen lässt, soll den Teilnehmern die grüne Seite des Ruhrgebiets zu zeigen. Timo, gebürtiger Gelsenkirchener, führt uns auf ehemaligen Bahntrassen, die heute Rad- und Fußwege sind, durch seine Heimat.

Obwohl wir kurz nach 7 Uhr starten, wird es schnell heiß. Deshalb genießen wir den Schatten, den die jungen Bäume spenden, die aus dem Asphalt des ehemaligen Motodroms sprießen. Wo heute lediglich ein paar Leitplanken im Unterholz zu sehen sind, fanden in den 80er Jahren spektakuläre Autorennen satt. Jetzt rennen nur noch die Trailrunner über die Relikte der geteerten Piste.

Motodrom

Timo, hauptberuflich Straßenbau-Experte, klärt uns gleich auf. Teer sei krebserregend und daher beim Anlegen neuer Fahrbahnen verboten. (Anm. d. Verf.: In Zigaretten ist das Zeug immer noch drin.) Heute benutze man Asphalt, der mit Bitumen abgebunden werde. Und auf diesem Untergrund sind wir heute vorwiegend unterwegs, obwohl die eine oder andere Halde auch mit ein paar Trails aufwartet.

Auf der Halde Hoheward
Kaum haben wir eine solche Halde erklommen, wird am Horizont ein Fernsehturm sichtbar. Auch dazu meldet sich ein Experte aus der Läuferschar zu Wort. Die richtige Bezeichnung laute "Fernmeldeturm". Laufen bildet! Meine Wissenslücken in Sachen Frauentausch solle ich schließen, indem ich nach dem Stichwort "Erdbeerkäse" googlen möge.

Es gibt noch mehr Spezialisten im Trupp. Als wir ein Grafitto passieren, das eine weibliche Figur ohne Kopf und mit vier Brüsten zeigt, ist von der "idealen Frau" die Rede.

Die ideale Frau?

Wir folgen der "Route Industriekultur", sehen Kanäle, entstehende Yachthäfen, ehemalige Zechen und Halden. Die Tour lebt von den Gegensätzen. Das wird besonders deutlich, als wir rechts braune Kühe unter alten Eichen weiden sehen und an eine Almwiese denken müssen, während sich linker Hand eine Mülldeponie in den Himmel reckt.

Auch die legendäre Emscher fehlt nicht im Programm. Der Fluß, der jahrelang als Abwasserkanal des Ruhrgebiets herhalten musste, ist trotz aller Renaturierungsbemühungen nach wie vor nicht ganz geruchsneutral.

Entlang der Emscher

Auf Zeche Ewald ergibt sich ein ungeplanter, zusätzlicher Versorgungspunkt. Für irgendein Event werden gerade Foodtrucks und Bierpilze aufgebaut. Nach einem eiskalten alkoholfreien Bier fühle ich mich wie neugeboren. Mittlerweile dürften dreißig Grad im Schatten herrschen. Jedenfalls schwitze ich trotz des moderaten Tempos um die 7 min/km ungewöhnlich stark.

Kanalquerung
Normalerweise verstummen in den hohen Dreißigern die Gespräche. Nicht so in dieser Runde aus erfahrenen Ultras. Die meisten haben bereits eine der TorTour-de-Ruhr-Distanzen absolviert und schmücken sich mit dem entsprechenden Shirt. Die Raketengang, die heute freundlicherweise meinen Shuttle-Transfer sicherstellt, will beim nächsten Mal dabei sein. Um die Motivation der Raketen nicht zu gefährden, ergeht die Aufforderung, auf heldenhafte Leidensgeschichten zur verzichten, und nur noch die schönen Seiten des Laufs an der Ruhr zu schildern.

Jahrhunderthalle Bochum
Die "Industriekultur" genannte Szenerie, die uns umgibt, stimmt nachdenklich. Gerade einmal gute 100 Jahre ist es her, dass ein grünes Feuchtgebiet in ein riesiges Industrie-Areal  gewandelt wurde. Und von den Bauten wird bereits heute nichts mehr benötigt. Die Hinterlassenschaften wurden zu Kultureinrichtungen oder Landschaftsparks umgewidmet, während die Industrie in andere Regionen der Welt abgewandert ist. Ob man sich dort bewusst ist, wie kurzlebig der Aufschwung sein wird?

Das Raketen-Shuttle steht am VP3 bereit. Dort bietet Shell eisgekühlte Getränke feil, die den Raketen und mir nach 50 km und 7 Stunden als Zielverpflegung dienen. Der Rest-Trupp will noch weitere 18 km und eine zusätzliche Halde bewältigen. Mit diesem ersten längeren Lauf nach der TorTour kann ich bei der aktuellen Witterung mein heutiges Trabe-Bedürfnis durchaus als gestillt betrachten.

Freitag, 25. Mai 2018

Hundert Meilen TorTour de Ruhr



Heute gebe ich zehn Prozent! Ich habe ausreichend trainiert, ordentlich getapert und es im Vorfeld nicht übertrieben. Da es heißt: „90 Prozent des Erfolgs sind Vorbereitung“, muss ich jetzt lächerliche zehn Prozent dazu geben und die 100 Meilen der TorTour de Ruhr nur noch laufen. Ha, die mentale Einstellung passt offenbar!

Prolog

 

Die Abendsonne taucht die bewaldeten Hänge des Sauerlandes in goldenes Licht. Die hügelige Prolog-Runde, eigentlich nur dazu gedacht, die Distanz auf 160,9 km aufzustocken, ist ein Naturgenuss! Auch die Laune im sehr verhalten dahintrabenden Trupp ist bestens. Am ersten und einzigen Downhill der ganzen Strecke lasse ich mich zu ein paar schnellen Schritten hinreißen und schließe zu einem Kameraden auf, der den Hundertmeiler in einem Schnitt von 6:30 min/km zurücklegen möchte. Beim letzten Mal habe er die ganze Ruhrlänge von 230 km absolviert, berichtet er. Nach 17 Stunden hatte er damals schon die ersten 100 Meilen hinter sich und musste auf seine Crew warten, die noch gar nicht eingetroffen war und legte sich schlafen. Ich bin hier offenbar ganz falsch, ich bin viel zu schnell!
Die Ruhr

Der schrecklichste Moment 

 

Am Abzweig zum ersten VP ist meine Trinkflasche noch gut gefüllt. Einen Notriegel habe ich auch dabei. Also weiche ich vom Plan ab und spare mir den Abstecher zur etwas abseits gelegenen Halle. Nun bin ich ganz allein unterwegs und reite laufe in den Sonnenuntergang. Es folgt der schrecklichste Moment des Laufs. Die überholten Volldistanzler rufen mir zu: „Du bist der erste 100-Meilen-Läufer!“ Eigentlich kann das nicht sein, sprinteten doch einige von uns eilig von hinnen. Wenn es aber zuträfe, wäre ich zu schnell. Vor allem aber bin ich mental nicht der Last gewachsen, bei meinem ersten Hundertmeilenlauf einen Treppchenplatz bis ins Ziel zu verteidigen. Ich nehme Tempo heraus und bin sehr froh, als von hinten ein lustiger Trupp wieder zu mir aufschließt.

Ausrüstung und Zeitziel 

 

Meine Tempofindung ist weitgehend gefühlsbasiert, denn ich laufe ohne Pace-Anzeige. Nach gut 2,5 Jahren traue ich dem Akku der Fenix 3 keine 20 Stunden Laufzeit mehr zu. Und 20 Stunden sind schon mein ideales Zeitziel. Primär will ich natürlich überhaupt erstmal „Ankommen“. Und mit „sub 24h“ wäre ich auch schon höchst zufrieden. Einst hatte ich den Ultratrac-Modus der Garmin-Uhr getestet. Sie erwies sich dabei als so ungenau, dass ich beschlossen habe, einfach nur nach Durchgangszeiten zu laufen. Für die ersten 60 km ist eine Pace von 6.30 min/km vorgesehen. Danach darf sie auf 7.00 min/km fallen. Und ab 100 km reichen 8.30 min/km, um vor Ablauf der Idealvorgabe von 20 Stunden ins Ziel zu kommen. Eine gewisse Orientierung gibt mir mein uralter „Garmin GPSmap60csx“. Er gibt mir nicht nur den zu laufenden Track vor, sondern kann auch die Geschwindigkeit zumindest in km/h anzeigen. Die Tabelle mit den geplanten Zwischenzeiten baumelt laminiert an meiner Startnummer.
Abendstimmung an der Ruhr

Die ideale Crew 

 

Bei der TorTour ist eine Begleit-Crew Pflicht, um den Läufer zusätzlich zu den sieben offiziellen Verpflegungspunkten auf den 160,9 km zu versorgen und im Zweifelsfall zu bergen. Mein gesamtes Team besteht aus genau einem Mitglied: meiner Frau. Mit dieser Ideal-Besetzung weiß ich ganz sicher, dass ich mich unter allen Umständen auf jeden Einzelnen meiner Mannschaft zu 100 Prozent verlassen kann!

Das Unvorhergesehene

 

An vorher definierten Wegpunkten erwartet mich die Pulsmesserin mit dem Begleit-Pkw. Ich tausche die Trinkflasche gegen eine volle und nehme einen Happen mit auf den Weg. Gerade als sich eine gewisse Routine bei unseren Treffs eingespielt hat, passiert das Unvorhergesehene. Obwohl ich am GPS-Gerät die größte Schriftart eingestellt habe und mein laminierter Zeitplan in Schriftgröße 14 und fett gedruckt ist, kann ich im Licht der Stirnlampe nichts davon mehr lesen. Wir hatten Crewing auf der Originalstrecke geprobt. Was ich jedoch nicht geübt hatte, war das Laufen durch die Nacht - schon gar nicht mit der geplanten Wettkampfausrüstung. Es kommt, wie es kommen muss: wir verpassen uns an einer geplanten Versorgungsstelle und ich laufe kurzzeitig trocken mit leerer Flasche (aber noch nicht „wie Flasche leer“).
Ruhrtalradweg im Morgennebel
Ab jetzt muss meine Frau nicht nur die tatsächliche Laufzeit gegen den Plan abgleichen, sondern mir auch noch genau sagen, nach wieviel Kilometern der nächste Treff oder offizielle VP folgt. Und vor allem muss sie sichtbar an der Strecke stehen, damit ich nicht wieder vorbei laufe. Notiz an mich: nächstes Mal größer und kontrastreicher ausdrucken und im Garmin unterschiedliche Symbole für die einzelnen Wegpunkt-Arten (Treff/VP/andere Punkte) nutzen. Oder mit Lesebrille laufen?

Die schönsten Stunden ins Schlaraffenland 

 

Auf die kurze Aufregung folgen die schönsten Stunden des Laufs. War die Dämmerung schon herrlich, so ist das einsame Laufen durch die Ruhe der Nacht ein ganz besonderes Erlebnis. Ich schalte auf Autopilot. Die Kilometer rinnen mir wie von selbst aus den Beinen. 

Nach 64 Kilometern treffe ich im Schlaraffenland ein. Und ich kriege keinen Bissen mehr runter! Der dortige VP befindet sich in einem Restaurant mit Bar und All-inclusive-Büfett. Chromblitzende Warmhaltegefäße reihen sich auf langen Tischen. Von den Spiritusbrennern ist die Luft in dem warmen Raum verbraucht. Ich würge einen Becher alkoholfreies Weizen hinunter und lecke kurz an einem Stück Melone. Dann muss ich da raus. Ab jetzt werde ich wohl auf Flüssignahrung umstellen.

Keine 100 Kilometer mehr! Da ich das Navi nur an Kreuzungen aus dem Rucksack nehme, bleibt ein Verlaufer nicht aus, als ich einen Abzweig nicht wahrnehme. Glücklicherweise bemerkt es der Radbegleiter des Teams hinter mir. Später kann ich mich revanchieren, als ich ein Paar zurückrufe, das den Abzweig zur Fähr-Umgehung übersehen hat. Und dann graut bereits der Morgen. Was für ein Schauspiel, als sich die Nebel nach und nach über der Ruhr lichten!
Baldeneysee im Morgenlicht

Das Duell 

 

Als die ersten Sonnenstrahlen durchbrechen, ist es ja noch ganz schön. Doch spätestens ab dem Baldeneysee wird klar, dass mit Schatten nun nicht mehr gerechnet werden kann. Ich kämpfe mich zum VP mit dem motivierenden Namen „Ab jetzt nur noch Marathon“. Dann sind die ersten Gehschritte nicht mehr zu vermeiden. Die Beine sind nur noch Schmerz. Eine kurze Bestandsaufnahme, wo es eigentlich nicht weh tut, ergibt nicht viel mehr als „Ohrläppchen“. Ich gebe mich eine ganze Weile gehend dem Schmerz hin. Bis ich die Geschwindigkeit auf dem Garmin prüfe. Fünf km/h und noch fast 40 Kilometer vor der Brust. So wird das nichts mit den 20 Stunden! Humpelnd trabe ich wieder an und versuche an dem extrem langsamen Sonntags-Jogger mit Hund dranzubleiben, der mich eben überholt hat und nicht ahnt, was für ein hartes Duell er gerade mit mir ausficht.

Heulkrampf 

 

Als ich meine liebste Crew am Ufer sehe, brechen sich die eigentlich fürs Ziel vorgesehenen großen Gefühle Bahn. Meine Frau ist mit der Interpretation der Situation überfordert und denkt, ich gebe gerade auf. Um ihr die Sorge zu nehmen, schnappe ich mir einfach nur die Flasche und schlurfe schniefend weiter. Ich brauche dringend eine Strategie gegen die Bein-Pein. Wie war das nochmal? Man soll den Schmerz annehmen! Doch meine Zwiesprache mit dem "Bösen Schmerz" gerät mir zur inneren Satire. So wird das nichts. Dann fällt mir ein, dass der Schmerz, der gekommen ist, auch wieder gehen wird. Ich muss aufhören mit der humpelnden Ausweichbewegung und durch den Schmerz hindurchlaufen. Es funktioniert. Ich bleibe bis zur Eisenbahnbrücke in Kettwig im Laufschritt. Wenn auch Optik und Geschwindigkeit arg verbesserungswürdig sind.

Bootsanleger in Kettwig

Langsam! 

 

In Kettwig steht zum ersten Mal der Campingstuhl für mich bereit. Offenbar hat mein letzter Auftritt einige Wirkung hinterlassen! Wie ich da so sitze, überholt mich ein 230-km-Läufer! Obwohl er geht, hat er zu mir aufgeschlossen! An der Länge meiner Pausen kann es nicht liegen. Der Garmin wird am Ende eine Standzeit von 23 Minuten anzeigen. Bei 20 Versorgungsstopps und drei Pinkelpausen dürfte sie nicht mehr großartig optimierbar sein.

Die A52-Brücke ist weithin sichtbar und dient daher als ganz brauchbarer Motivator, denn sie markiert den nächsten und letzten VP. Hatte man mir am vorherigen VP noch bescheinigt, auf Platz Drei zu liegen, so wähnt man mich hier an zweiter Position. Seltsam, ich habe doch niemanden überholt!

Überholt werde stattdessen jetzt ich. Von 230-km-Sprintern! Auch der 100-km-Sieger zieht vorbei. Sein Begleiter fordert mich im Kasernenhofton zum Laufen auf. Auch wenn ich nicht auf solch rauhe Ansprache stehe, muss ich mir eingestehen, dass er in der Sache recht hat. Ich trabe weiter durch die schattenlosen Ruhrauen, wenn auch extrem langsam.

Hammer und Nagel 

 

In Mülheim wechsele ich doch noch das Hemd, das mir seit gestern 18 Uhr gute Dienste geleistet hat. Nachts hatte ich es nur mit Ärmlingen, Handschuhen und Buff ergänzen müssen. Auch jetzt ist es noch völlig brauchbar, wenn man den Geruch erträgt. Ein anderes Phänomen lässt mich seiner überdrüßig werden. Nachdem ich die Beine nun wieder einigermaßen im Griff habe, melden sich andere Körperregionen. In diesem Fall die Rippen. Genug Zeit zur Ursachenforschung hatte ich ja. Die Analyse endet bei den Taschen, die adidas im Frontbereich überflüssigerweise applizierte und obendrein noch mit einem Klettverschluss ausstattete. Der Verschluss trägt ein paar Millimeter auf. Bei jedem Schritt schlagen Flasche bzw. Navi in den Brustfächern des Rucksacks ganz leicht auf den Klettverschluss. Über die Zeit führt das zu einem Hammer-und-Nagel-Effekt.

Crew-Problem 

 

In der Endphase des Laufs hatte ich kürzere Abstände zwischen den Treffs mit meiner Crew geplant. Nicht weil es für meine Versorgung nötig wäre, sondern als Zwischenziele zur psychologischen Unterstützung. Doch plötzlich, an völlig ungeplanter Stelle, bricht meine Frau, den Tränen nahe, aus dem Buschwerk. Im mittlerweile dichten Verkehr ist sie mit dem Auto noch langsamer als ich und glaubt, die geplanten Treffpunkte nicht rechtzeitig erreichen zu können. Nun ist es an mir, meine Crew zu supporten. Wir sagen kurzerhand alle weiteren Zwischentreffs ab und verabreden uns für die letzten Meter kurz vorm Ziel.

Rheinorange
Unterstützung kommt jetzt von unerwarteter Stelle. Oli Witzke begleitet mich ein paar Kilometer mit dem Fahrrad und wendet dabei ein paar sehr spezielle Motivationsmethoden an, indem er mich wissen lässt, wie extrem langsam ich sei und dass die Angaben zu meiner Platzierung vermutlich alle falsch seien. Aber seine Anekdoten von seinem eigenen TTdR-Leiden, seinem Schlafzimmer und seinen Italienplänen lenken mich hervorragend ab. Als er mich verlässt, bin ich mental so weit erfrischt, dass ich fast wieder einen 6er Schnitt laufen kann.

Die Geschwindigkeitsmessung übernimmt jetzt ein unbekannter, radelnder Ruhrpott-Fan, der extra an die Strecke gekommen ist, weil er unsere Unternehmung bewundert. Er wässert meine Mütze, zeigt mir den Weg und weist mich auf die Schönheiten der letzten Kilometer hin. "Die Häuser da hinten: das ist schon Ruhrort! Ich meine die Fabrikgebäude dort." Es ist unglaublich, auf wie viele Menschen sich die Begeisterung dieser Veranstaltung überträgt.

Rheinorange 

 

Der letzte Punkt, der mit dem Auto erreichbar ist, liegt 1800 Meter vorm Ziel, dem ersehnten Rheinorange. Dort erwartet mich die Pulsmesserin. Wir haben das ganze Ding als Team durchgezogen, jetzt laufen wir auch gemeinsam ins Ziel! Wir amüsieren uns beide, ob der kuriosen Situation. Denn ich, mit 160 km in den Beinen, muss das Tempo reduzieren, damit meine Frau auch beim Zieleinlauf noch lächeln kann.

Und dieses Lächeln kriegen wir so schnell nicht mehr aus dem Gesicht, als wir nach 19:21:11 an der reinorange-farbenen Sehnsuchts-Stele angeschlagen haben. Als Drittplazierter darf ich ein kleines Rheinorange fortan mein Eigen nennen.

Pokal, Medaille und Buckle (v.l.n.r.) auf Startbeutel