Freitag, 11. April 2014

Aldiletten: Crane Barfuß-Schuhe von Aldi im Schnell-Test



Wer noch Zweifel hatte, ob das Laufen in Barfuß-Schuhen ein Trend ist, müsste spätestens am 7.4.2014 überzeugt worden sein. Denn seit diesem Tag hat nun auch Aldi Barfuß-Laufschuhe im Angebot - zum Kampfpreis von 12,99 Euro.

Aldi bewirbt diese Schuhe seiner Hausmarke Crane u.a. folgendermaßen:
- sehr leichte und flexible Laufsohle
- Geringe Sprengung – kein Höhenunterschied zwischen Ferse und Vorderfuß
- Barfußlaufen wird auf natürliche Weise imitiert
Diesen Angaben habe ich versucht, genauer auf den Grund zu gehen.

Gewicht


Eine genaue Gewichtsangabe findet sich bei Crane nicht. Doch wie leicht sind die Schuhe wirklich? Ich wollte es genau wissen und habe Schuhe verschiedener Größen ausgewogen.

Schuhgröße Gewicht/g
38 214
40 234
42 270
46 299

Flexibilität


Mit recht geringem Kraftaufwand lässt sich die Sohle sowohl knicken als auch verwinden. Im direkten Vergleich zu meinem New Balance MT10 fällt auf, dass beim Crane-Schuh dafür ein wenig mehr Kraft aufgewendet werden muss.




Sprengung


Die Aldi-Angabe „geringe Sprengung“ lässt den Schluss zu, dass die Sprengung größer Null sein muss. Das steht in direktem Widerspruch zu der Aussage „kein Höhenunterschied zwischen Ferse und Vorderfuß“. Leider lässt sich die Sprengung nicht messen. Im Vorderfuß-Bereich entspricht zwar der außen sichtbare Sohlenrand in etwa der Dicke der Sohle. Doch an der Ferse ist der Rand höher als die Sohle im Inneren, was dort eine Dickenmessung der Sohle vereitelt. Somit bin ich auf mein Gefühl angewiesen, um die Sprengung abzuschätzen und gehe von ca. 6 mm aus.

Barfuß-Gefühl


Die flache, ungedämpfte Bauform des Schuhs erleichtert (und verlangt) ein Aufsetzen des Vor- oder Mittelfußes. Ein Barfuß-Gefühl kommt in diesen Schuhen bei mir dennoch nicht auf. Die Sohle ist doch recht dick und hart, so dass man „seinen Weg nicht spürt“. Rückmeldung vom Untergrund durchdringt die Sohle nicht. Im Vorfuß-Bereich entspricht die Dicke der Sohle etwa dem außen sichtbaren Rand der Sohle. Mit einer Schiebelehre messe ich dort 13 mm. Wenn man einen Messfehler unterstellt, da die Einlegesohle nicht berücksichtigt ist (ca 1 mm) und der Stoff des Schuhs auch noch im Weg ist, so kann man von einer Sohlendicke von ungefähr 10 mm ausgehen. (Zum Vergleich: der New Balance MT 10 hat eine 4 mm dicke Sohle.)
Zu einem Barfuß-Schuh gehört auch, dass den Zehen ausreichend Bewegungsfreiheit gegeben wird. Wenn man das, wie ich, mittlerweile sogar von seinen Alltagsschuhen (Joe Nimble) gewöhnt ist, erscheinen die Crane-Schuhe im Zehen-Bereich ein wenig eng.


Design und Vielfalt


Der Schuh ist in den Größen 37 bis 46 und verschiedenen Designs (schwarz, blau, grau, pink, türkis) erhältlich. Alle Varianten verfügen an der Spitze über eine dünne Gummi-Verstärkung und einen Reflektor-Streifen. Einige Modelle sind auch im hinteren Bereich seitlich mit Reflex-Applikationen versehen.

Passform


In die „Aldiletten“ schlüpft man rein und fühlt sich wohl. Die Schnürung öffnet weit. Die Zunge verfügt über eine Lasche* zur Schnürsenkeldurchführung, die ein seitliches Verrutschen verhindern soll. Die Schnürsenkel sind lang genug, um auch die verfügbaren Zusatz-Ösen für die sog. Marathonschnürung nutzen zu können.

Fazit


Mit diesem Schuh ist Crane ein leichter Minimal-Schuh mit flexibler Sohle gelungen. Auch wenn es in meinen Augen kein echter Barfuß-Schuh ist, macht man bei einem Preis von 12,99 Euro bestimmt keinen Fehler, damit die Vielfalt des heimischen Schuh-Regals zu bereichern. Und wer seinen Laufstil auf Vor- oder Mittelfußtechnik umstellen möchte, findet ab jetzt bei Crane einen preiswerten Einstieg in die Welt des Natural Running.

*Das Modell in blau hat die Lasche nicht.

Montag, 7. April 2014

Als Tarahumara beim Lintorfer Citylauf



Sportpause beim Pausensport
„Heute kein Pausensport“, lässt uns ein Schild an der schulischen Umkleide des Lintorfer Citylaufs am 6.4.2014 wissen. Gut, dann treiben wir heute mal richtigen Sport!

Die Latte liegt hoch


Das jüngste Pulsmesserchen hat schon am Vortag die Latte recht hoch gelegt und eine Bronzemedaille in neuer persönlicher Bestzeit erschwommen. Heute gibt sie den läuferischen Auftakt und wird Fünfte ihrer Altersklasse. Pulsmesser Jr. lässt sich auch nicht lumpen, verbessert seine 5-km-Bestzeit und erringt die Silbermedaille in seiner Alterswertung. Herrlich, diese kleineren Läufe, bei denen auch die Altersklassenplatzierungen entsprechende Würdigung finden! Werde ich heute auch eine Medaille umgehängt bekommen?

Viel vor 

 

Ich habe mir viel vorgenommen und will meine 10-km-Bestzeit vom Februar noch einmal unterbieten. Und wenn ich vor drei Jahren bei dieser Veranstaltung mit einer 40er Zeit einen zweiten AK-Platz erreichen konnte, müsste ich es doch heute auch aufs Treppchen schaffen, oder?

Noch fühlt es sich gut an


Am Start wird Mitläufer und Mitblogger Burkhard auf mein Handgelenksbändchen mit den Durchgangszeiten für die vier Runden aufmerksam und bietet mir angesichts der aufgedruckten 3:50er Pace seinen Platz in Reihe 2 an. Doch für einen Wechsel unserer Positionen ist es zu spät. Schon knallt der Schuss. Wie fast immer presche ich zu schnell los. Aber es fühlt sich gut an. „Wer nicht wagt, …“, denke ich und spurte weiter. In der zweiten Kurve überholt mich ein großgewachsener Mitstreiter, der mich noch um zwei, drei Zentimeter überragt. „Der ideale Windschatten und Pacemaker! Da muss ich dran bleiben!“ Und wie so oft, wenn man gemeinsam mit Läufern ähnlicher Physiognomie in gleichem Tempo unterwegs ist, stellt sich bald Gleichschritt ein.

Ein stummes Angebot


So keuche ich meinem schnellen Vorbild hinterher. Es gleitet geräusch- und scheinbar auch mühelos dahin, während ich hörbar hechele, um die 4:43er Pace mitgehen zu können. Plötzlich wechselt  der „Pacemaker“ nach links und gibt demonstrativ die Strecke frei. Vielleicht nervt ihn mein Gekeuche in seinem Nacken. Es ist mental nicht einfach, derart verfolgt zu werden. Er kann ja nicht wissen, dass ich keine ernstzunehmende Konkurrenz bin und keinesfalls noch schneller laufen kann. So muss ich sein stummes Angebot leider genauso stumm ausschlagen.

Im Trio


Auf dem Weg zum Start-/Zielbereich sammeln wir noch einen Konkurrenten auf und werden als Trio von Co-Moderator und Mitorganisator Marcus Eichler begrüßt: „Da haben sich drei gefunden!“ Der dritte im Bunde lässt aber schon bald abreißen, während ich noch immer meinem „Auserwählten“ wie ein Schatten folge. 

Noch ein Angebot und eine Überraschung


Und exakt an derselben Stelle wie auf Runde Eins gibt dieser wieder nach links ausweichend für mich die Spur frei, unterstreicht sein Angebot aber diesmal mit den Worten: „Na, keine Lust?
Wenn ich an dir dranbleibe, bin ich schon gut.“, stoße ich mühsam hervor. 
Und füge hinzu: „Wenn es denn recht ist.
Ist es offenbar nicht, denn der Große scheint seinen Schritt nun noch etwas zu beschleunigen. Ich bleibe zwar dran, habe aber am Ende von Runde Zwei einzusehen, dass ich ihn ziehen lassen muss, um ein sich ankündigendes Seitenstechen im Zaum zu halten. Gerade will ich mich zurückfallen lassen, als etwas völlig Unerwartetes geschieht. Der „Auserwählte“ gibt auf und beendet das Rennen!

Der Weiße Tarahumara


Das ist ja hier wie bei den Tarahumara auf der Jagd! Jene setzten den Tieren solange nach, bis diese erschöpft zusammenbrachen und sich dann erwürgen ließen. Auf letztes verzichte ich natürlich, hatte ich doch schon das erste überhaupt nicht im Sinn! Habe ich mich unfair verhalten, einfach jemanden als persönlichen Pacemaker zu missbrauchen? Wer schon einmal kilometerlang einen Verfolger hinter sich schnaufen hörte, weiß wie zermürbend das sein kann. Doch der große Schnelle wirkte so unangestrengt. Wie sehr ich mich mit dieser Einschätzung täusche, sehe ich erst hinterher auf den Fotos, die Frau Pulsmesser an der Strecke aufnimmt. Sie zeigen meinen Vordermann mit hochrotem Kopf und gequältem Gesichtsausdruck. Ich sehe aber auch nicht viel besser aus. Wenn man uns zwei leidende Leptosomen so anschaut, kommt einem als Bildunterschrift „Flucht aus dem Gulag“ in den Sinn.

Einbruch


Ich bin jetzt völlig allein unterwegs. Mir sinkt der Mut. Und die Geschwindigkeit. Als ich auf einmal eine Kilometerzeit von 4:05 stoppe, versuche ich mich endlich zusammenzureißen. Erwartungsgemäß ist die dritte Runde die schwerste. Nun fängt auch das Überrunden an. Ideallinie kann ich jetzt nicht mehr laufen und bahne mir im Zick-Zack meinen Weg. Endlich hat mein Geschnaufe mal einen Vorteil. Mancher hört mein Herannahen und weicht aus. Beim erneuten Durchlaufen des Zielbereiches hänge ich 15 Sekunden hinter meinem Plan.

Endspurt


Mehr Zeitverlust will ich nicht akkumulieren. Wenigstens eine neue Bestzeit soll noch auf die Urkunde, wenn schon die – einfach aus der Luft gegriffene – Zielvorgabe von 38:20 nicht erreicht werden kann. Und was sind schon diese lächerlichen, verbleibenden zwei Kilometer? Ein Witz! Ein einziger Endspurt!
Schön wär’s. Zumindest auf der Zielgeraden quetsche ich nochmal die Zitrone und laufe mit neuer persönlicher Bestzeit ins Ziel. 38:39 min. Das reicht für die Bronzemedaille in der Altersklasse!


Die sportliche Familien-Bilanz eines Wochenendes

Dienstag, 1. April 2014

"Gebt mir ein R!" - Der Ratinger Rundlauf



„Gebt mir ein R!“, ruft eine Stimme seit einiger Zeit in meinem Hinterkopf. Am 31.3.2014 um 8:30 Uhr ist es so weit. „Auf die Plätze, fertig, los!“ So werden Ralf und ich von Gladys auf den – offiziell 60 km langen und mit einem „R“ markierten – Ratinger Rundweg geschickt. Mein erster Ratinger Rundlauf beginnt.

Bis zum Jahr 2010 veranstaltete der TUS Breitscheid einen sog. "Ratinger Rundlauf" auf dieser Strecke. Da es die Veranstaltung nicht mehr gibt, bleibt nur, den Weg auf eigene Faust abzulaufen. Immerhin kann ich so den Startpunkt frei wählen. Ich lege ihn strategisch ans Düsseldorfer Bauenhaus, so dass alle Höhenmeter mit relativ frischen Kräften innerhalb der ersten 30  km absolviert werden können.



Und direkt hinter der gedachten Startlinie geht es auch schon bergauf in Richtung Knittkuhl und von dort gleich wieder hinunter ins Schwarzbachtal. So zieht sich das Auf-und-ab über die Fluren des Ratinger Umlands mit manchem schönen Ausblick, bis wir nach 14 km den Ratinger Ortsteil Homberg erreichen. Dort erwartet uns Gladys mit ihrem Versorgungsmobil. Obwohl wir mit unseren Laufrucksäcken einigermaßen autark unterwegs sind, freuen wir uns über die Unterstützung und die gereichten Köstlichkeiten. 



Und ich bin noch aus einem weiteren Grund froh über die Versorgungsstationen. Ich habe Sorge, ob mein linker Fuß über die ganze Distanz durchhalten wird. Notfalls könnte ich unterwegs aussteigen oder wenigstens die gedämpfteren Schuhe anziehen, die ich im Verpflegungsmobil deponiert habe. Und selbst wenn der Fuß mitspielt, könnte Schuhwechsel angesagt sein. Denn ich habe hoch gepokert und bin mit den nagelneuen Trailroc-245 von Inov-8 auf die lange Strecke gegangen, obwohl ich die Schuhe bislang erst bei zwei Läufen über 13 km trug. Doch ich habe den Lesern dieses Blogs einen ausführlichen Test versprochen. Da scheint mir diese Tour gerade richtig.



Und kaum, dass wir uns Richtung km 20 bewegen, beginnt der Fuß auch schon heftig zu schmerzen. Es ist zum Heulen. Immerhin ist es kein stechender Schmerz, den ein Stein verursacht, der sich genau in die empfindliche Stelle bohrt. Der Schmerz ist eher dumpf. Der ganze Vorfußbereich tut sagenhaft weh. Der Ausstieg an der nächsten Verpflegungsstation bei km 31 ist innerlich fast schon beschlossene Sache. Ich schwanke eigentlich nur noch zwischen Komplett-Abbruch und Schuhwechsel. Seltsamerweise kommt es um km 29 herum zur Spontanheilung. Der Schmerz ist so gut wie weg! So ein Körper ist doch immer wieder für eine Überraschung gut. Da sieht man wieder, wie gesund laufen ist!


Wenig überraschend ist hingegen, dass unser Redefluss in den hohen Zwanzigern allmählich versiegt. Zur Motivation trägt jedoch bei, dass das Höhenprofil auf der Uhr ab jetzt keine weiteren Steigungen mehr zeigt. Außerdem ist die nächste Etappe bei km 31 bald erreicht. Hier laben wir uns beim zweiten und letzten Zwischenstopp noch einmal ausführlich am Versorgungsfahrzeug, bevor wir zusammen mit Gladys die letzten Kilometer in Angriff nehmen.


Gladys begnügt sich heute mit der „Kurzstrecke“, nachdem sie erst vor zwei Tagen den Halbmarathon in Duisburg als erste Frau beendete. Sie sorgt dafür, dass wir das Tempo wieder etwas forcieren und unterhält uns dabei mit ihren Erlebnissen. Im angeregten Gespräch achten wir nicht mehr auf den Weg. Plötzlich zeigt ein Blick auf die Uhr, dass wir die Route verlassen haben. Gut dass ich nach all den Jahren zum ersten Mal die Funktion meines Forerunners 305 nutze, einen vorgegebenen GPS-Track abzulaufen. Auf diese Weise finden wir, ohne umzukehren zum Rundweg zurück. Dann können wir wieder ehrfürchtig Gladys lauschen und hören, wie es sich anfühlt, als Gewinner das Zielband mit der Brust zu zerreißen. So etwas werden Ralf und ich wohl nie selbst erleben. Aber auch wir machen heute eine spezielle Erfahrung. Erstmalig bringen wir außerhalb einer offiziellen Laufveranstaltung die Marathondistanz hinter uns und laufen sogar noch darüber hinaus.


In den 40er Kilometern werden die Beine dann doch ein wenig schwer. Die Landschaft geizt jetzt auch etwas mit ihrem Liebreiz. Aber die Strecke ist flach! Das hilft. Nur ganz zum Schluss wartet noch der finale Anstieg auf uns, als wir die A44 auf einer Brücke überqueren müssen. Zur Belohnung geht es auf der anderen Seite bergab direkt ins Ziel, wo Garmin und Polar übereinstimmend 54 km anzeigen. Die Polar kann darüber hinaus noch mit barometrisch ermittelten 650 Höhenmetern punkten.

Angesichts dieser Werte haben wir uns Urkunde und Medaille redlich verdient.