Freitag, 16. Januar 2015

Sind Smartwatches eine Alternative zur Laufuhr?



Laufuhren werden immer komplexer, ihr Funktionsumfang wächst ständig. GPS gehört schon fast zur Standardausrüstung. Und die von Garmin für 2015 angekündigte epix kann bereits farbige Karten zur Navigation darstellen. Doch müssen wir uns wirklich so viel Rechenpower ans Handgelenk schnallen? Wir haben unseren Computer doch schon dabei!

Ursprünglich nahmen Läufer ein Telefon mit auf die Runde, um im Falle einer Verletzung Hilfe rufen zu können. Wer will schon frierend auf dem Waldweg liegen, bis am nächsten Morgen der erste Gassigänger vorbeikommt? Heute ist das Handy zum multifunktionalen Smartphone geworden, und Fitness-Apps wie Runtastic verwandeln das Gerät in einen Laufcomputer. Dank GPS-Navigation können Strecken nachgelaufen und aufgezeichnet werden. Zeit und Pace werden gemessen. Per Bluetooth kann sogar der Puls vom Brustgurt erfasst werden. Mancher Hobbyläufer verzichtet auf die Anschaffung einer speziellen Laufuhr und nutzt einfach nur die Fitness-App-Funktionen des Handys.

Der Nachteil dieser Lösung bestand bisher darin, dass  Bedienung und Anzeige nur über das Handy-Display möglich waren. Und wer will schon beim Laufen die ganze Zeit das Smartphone in der Hand halten?

Hier kommen die sogenannten Smartwatches ins Spiel. Bisher als Gimmick für Nerds belächelt, könnten sie für Läufer attraktiv werden – spätestens seit im Weihnachtsgeschäft das erste Modell (G Watch von LG) die 100-Euro-Grenze unterschritt. Etwas höherpreisige Alternativen (G Watch R, Moto 360) gibt es mittlerweile sogar „in schön“. Sie sind rund, wie man das von einer Uhr erwartet.

Die Smartwatch bietet dem Läufer die von der Laufuhr gewohnte Anzeige und Bedienung am Handgelenk. Das relativ „dumme“ und somit preiswerte Gerät am Arm ermöglicht aber via Bluetooth den Zugriff auf den Funktionsumfang des potenten Rechners im Laufrucksack. Auf einem Andoid-Smartphone muss dazu „Android Wear“ installiert sein. Darüber erfolgt die Kommunikation mit den sogenannten „Wearables“, wozu auch die Smartwatch zählt. Im parallelen Apple-Universum gilt sicher Ähnliches.

Ich hatte die Gelegenheit, die LG G Watch eines Bekannten in die Hand zu nehmen und auszuprobieren, inwieweit der Funktionsumfang einer Laufuhr abgedeckt werden kann. Dabei habe ich mich auf einen kurzen Indoor-Trockentest beschränken müssen. Dennoch vermitteln die folgenden Bilder einen Eindruck vom Funktionsumfang, der derzeit von Apps ermöglicht wird. Benutzt habe ich Runtastic. Endomondo scheint eine noch bessere Anzeige zu bieten.


Entfernung, Zeit und Kalorien im Scroll-Display
Hoch-gescrollt: Zeit, Kalorien, Pace
Zeit, Entfernung, Kalorien
Pausentaste
Die G Watch schaltet das Display zum Stromsparen ab. Dank Beschleunigungssensor wird die Anzeige hell, sobald der Arm die typische Auf-die-Uhr-Guck-Bewegung vollführt. Allerdings reagiert der Sensor auch auf das Armschwingen beim Laufen. Dadurch bleibt die Anzeige während des Trainings dauernd eingeschaltet und zieht den Akku leer. Möglicherweise kann man das irgendwie anders konfigurieren. Ansonsten besteht hier die Möglichkeit zur Verbesserung. Die teurere Moto G beispielsweise geht so sparsam mit dem Strom um, dass auf eine Abschaltung der Anzeige ganz verzichtet wird.

Fazit

Aktuell stellen Apps wie Runtastic oder Endomondo etwa die Funktionalität einer Garmin 110 auf der Smartwatch bereit. Doch diese Uhren gibt es mittlerweile bereits mit integriertem Pulsmesser, Kompass und baromterischem Höhenmesser. Einige sind wassergeschützt nach IP67. Darunter sind Features, die erst höherpreisige Laufuhren wie die Suunto Ambit bieten. Da die Smartwatch letztlich ein frei konfigurierbares Display darstellt, sollte es nur eine Frage der Zeit sein, bis die Software auch die Darstellung von Karten zur Navigation am Handgelenk ermöglicht. Spätestens dann könnten sich Smartwatches als echte Konkurrenz für Laufuhren entpuppen.


Dieser Test wurde mit privat erworbenem Material unabhängig durchgeführt. Es fand kein Sponsoring durch Händler oder Hersteller statt. 

Kommentare:

  1. Sehr schöner Vergleichstest. Danke dafür! Ich bleibe vorerst beim meiner Laufuhr.

    Viele Grüße
    Rainer

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    1. Hallo Rainer, als Traditionalist laufe ich noch mit dem FR305. Aber wenn die App-Entwickler irgendwann mal das Potential ausschöpfen, könnte mir so eine Moto 360 gefallen.

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  2. Sehr interessanter Artikel. Aber mit meinem neuen Spielzeug bin ich erstmal zufrieden und habe nicht vor noch weiter zu investieren. Vor allem weil man es doch doch eigentlich gar nicht braucht

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    1. Genau, man muss aufpassen, dass die ganze Technik nicht zur Last wird.

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  3. Interessanter Post. Für Leute mit Smartphone sicher eine Alternative. Aber ische 'abe gar kein Smartfohn... sondern nur ein fast antikes Handy.
    Liebe Grüße
    Elke

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    1. Mein Sohn würde zu deinem Handy sagen: "Was'n das für 'ne Telefonzelle?!" :-D

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  4. Aber mein Smartphone ist doch viel zu groß zum Mitnehmen :-|
    Naja, ich denke für mich ist das eh nix, weil meine Uhr muss ja auch noch schwimmen und Radfahren :-)
    Da kann mein Smartphone wohl nicht mithalten.
    Liebe Grüße
    Helge

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    1. Du bist ja ohnehin schon auf einer höheren Stufe der Erleuchtung, Helge. Du brauchst ja gar keine Uhr, da du einen ganzen Ironman absolvierst, ohne nach der Zeit zu sehen!

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  5. Klingt interessant, ich bleibe aber lieber bei meinem 305 (der gerade zickt). Wenn ich denn überhaupt mit Uhr laufe, was ich selten tue. Handy noch seltener, ich freu' mich immer so, wenn Lassie mich rettet. ;-)

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  6. Richtig ist, dass Smartwatches immer mehr den Laufuhren den Rang ablaufen.

    Umgekehrt gibt es aber eine ähnliche Entwicklung. Polar zum Beispiel wird sein Flaggschiff V800 dieses Jahr mit Smartwatch-Funktionen ausstatten... ;-)

    Dann bleibt es eine Frage des Geldbeutels (und des Geschmacks), wofür man sich entscheidet...

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    1. Was mir gefällt, ist die Idee, die Rechenleistung, den GPS-Sensor, etc nur einmal vorzuhalten (z.B. in Form des Smartphones) und von den anderen Geräten aus darauf zuzugreifen.

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  7. Ich habe mir in meinem Blog ähnliche Fragen gestellt und insbesondere Android Wear angeschaut.

    http://www.laufsteiger.de/2015/01/17/smartwatch-mit-pulsgurt-verbinden-daran-scheiterts-bei-android-wear/

    Meine Meinung ist, dass man mit Android Wear schon noch ein ganzes Stück von der klassischen Sportuhr entfernt ist. Ich halte insbesondere die mangelnde Unterstützung für Pulsmesser für problematisch.
    Außerdem sehe ich die Funktionalität ohne Smartphone als Grundvoraussetzung. Mit Ausnahme der Sony Smart Watch3 bietet aber keine Android Wear Uhr ein integriertes GPS.

    Die optische Pulsmessung (siehe moto360) ist für den Sport ungeeignet und unzuverlässig. Der beste Pulssensor bleibt der Brustgurt. Und mit dem konnte ich im Selbstversuch keine Verbindung aufbauen.

    Mir ist nur nicht ganz klar, ob es an den Lauf-Apps, Android Wear selbst oder dem BlueTooth-Pulsgurt liegt. Unabhängig davon gibt es keine Lauf-App die den Puls aus android Wear anzeigen könnte, selbst wenn die Uhr mit dem Smartphone verbunden ist und der Pulsgurt mit der Uhr.

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    1. Hallo Andreas, es wird wohl noch eine Weile dauern bis das Potenzial des Konzepts praktikabel ausgeschöpft wird.

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  8. Ich habe jetzt mal eine Woche nur mit meiner Aplle Watch trainiert und bleibe doch lieber bei meiner Garmin 235 ;)

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    1. Mittlerweile hat sich einiges getan. Die Laufuhren, wie z.B. meine fenix3 haben jetzt auch Smartwatch-Funktionen.
      Andererseits traf ich letztens beim Deutschlandlauf Herny Wehder, der vom Norkap bis nach Gibraltar läuft. Er nutzt gar keine Uhr, sondern lediglich sein Smartphone.

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