Sonntag, 3. April 2022

Am Boden


Wandern ist wieder möglich
Als ich aufstehe, fängt alles an sich zu drehen. Ich verliere das Gleichgewicht, vielleicht auch kurz das Bewusstsein, und schlage lang auf den Boden. Unfähig aufzustehen, rufe ich um Hilfe. Glücklicherweise ist auch die Pulsmesserin im Home-Office. Nach einer Weile gelingt es ihr, mich aufzusetzen. Später schaffe ich es sogar zurück ins Bett. Die Deckenlampe kommt regelmäßig über mir vorbeigefahren. Mir wird übel. Ich schiebe Panik, bin kreideblich und schweißnass. Die Pulsmesserin ruft den Notarzt. Der ist Minuten später zur Stelle. Nachdem erste Untersuchungen Herzinfarkt und Schlaganfall ausschließen, bleibt als einzige Sorge der niedrige Puls. Der Arzt bestaunt die vielen Medaillen an der Wand, schreibt "Leistungssportler" in den Bericht und erklärt so auch die Herzfrequenz. 

Und das obwohl ich seit fast 2 Jahren keinen richtigen Sport mehr mache. Im Sommer konnte ich schon wieder knappe 20 km mit nur leichten Beschwerden wandern. Zum Jahresende wurde ich mutiger und begann zu laufen. Ich steigerte mich schnell auf vier Kilometer, da ich unterwegs keine Schmerzen spürte. Dann zwickte der Rücken. Und urplötzlich ereilten mich auf der Couch wieder diese extrem schmerzhaften Adduktorenkrämpfe. Diesmal mied ich alle Ärzte. Bewegungsverbot kann ich mir auch selbst auferlegen. Und die Übungen vom Physio kenne ich mittlerweile auswendig. Doch es war ein emotional harter Winter, bis ich so weit schmerzfrei war, diese wieder aufnehmen zu können.

Und jetzt falle ich plötzlich einfach so um?! Die Notärzte vermuten einen Infekt. Da könne der Körper schon einmal so reagieren. Sie fahren mich in die Notaufnahme. Dort werde ich nach 2 Beuteln Infusion mit dem Ratschlag entlassen: "Wenn es Ihnen wieder schwindlig wird, schnell hinlegen, damit Sie sich nicht beim Fallen verletzen!" Ich verschlafe den restlichen Tag.

Mir kommt der Verdacht, dass so ein jahrelang entzündetes Schambein vielleicht so seltsame Reaktionen im Körper hervorrufen könnte. Ich lasse mich eine Woche krankschreiben und durchchecken. Die Blutwerte sind dank der Einnahme von Vitamin D3 und Eisen tiptop. Es finden sich auch keine Entzündungsmarker. Herz, Aorta, Schilddrüse und Blutdruck geben ebenfalls keinen Anlass zur Besorgnis. Und das MRT zeigt, dass die Schambeinentzündung auf etwa 50% abgeklungen ist. Nach fast zwei Jahren. Immerhin, ich bin also auf dem Weg der Genesung.

Nach 10 Tagen fühle ich mich wieder besser. Schwindlig wird mir auch nicht mehr. Dann wird es wohl doch ein Infekt gewesen sein.