Mittwoch, 4. Oktober 2017

Sprocky Ultra Ghost 2.0

Wir begehen bzw. belaufen den Tag der Deutschen Einheit, und nicht Halloween. Trotzdem sind wir als Geisterjäger in den Wäldern der Elfringhausener Schweiz bei Sprockhövel unterwegs. Denn der private Einladungslauf über 29 km bzw. 55 km (1700 Hm)  nennt sich "Sprocky Ultra Ghost 2.0".

Schon am Vortag war ich in der Gegend, um meiner Frau im Rahmen einer Wanderung mal zu zeigen, wo ich mich läuferisch so rumtreibe. Bei der Gelegenheit entstanden die Bilder von der Strecke, die sich als nicht repräsentativ erweisen. Es stellt sich schnell heraus, dass ich mit meiner Frau auf den harmlosen Passagen unterwegs war. (Zum Glück, denn schon da hieß es: "Was, diese rutschigen, schmalen Wege lauft ihr runter?!")


Der Gastgeber hat die besten Single-Trails seiner Heimatregion miteinander verbunden. Und wir dürfen dieses Feuerwerk der Eindrücke jetzt nach und nach zünden. Gelaufen wird nach GPX-Track. Anfangs verpasse ich so manchen Abzweig, weil ich in Ermangelung einer wahrnehmbaren Kreuzung keine Notwendigkeit sah, auf die Karte zu schauen. Der Trail-Master schickt uns scheinbar weglos ins Unterholz. Erst auf den zweiten Blick offenbart sich eine leichte Trittspur.

Der Starkregen der letzten Nacht hat für eine gute Bewässerung der Pfade gesorgt. Ich glaube, es ist mein erster richtiger Matschlauf in diesem Jahr. Als ich zur Halbzeit wieder am Start/Ziel/VP auftauche, wird mir bescheinigt, dass ich bis hoch zum Nacken mit Schlamm bespritzt bin.


Für das finale Segment steigt Andreas mit ein, der keinen GPS-Receiver besitzt und sich meiner Führung anvertraut. Er unterhält mich bestens mit Klatsch aus der Ultra-Szene. Ich höre offenstehenden Mundes von einem Nichtläufer, der so plötzlich zum Ultra mutierte, dass er binnen Jahresfrist 20 Ultras lief und insgesamt 100 Marathons finishte. Das muss man erstmal auf die vorhandenen Wochenenden verteilen! An die "Stoß"-Belastung des Körpers möchte ich gar nicht erst denken.

Hatte ich morgens noch leicht schweres Gebein zu verzeichnen, läuft es gegen Ende immer fluffiger. Kaum haben wir uns versehen, sind 6:40:00 Stunden vergangen. Und wir dürfen uns schmutzig und verschwitzt in die gute Stube der Gastgeber setzen, wo der Lauf beim Kaffeetrinken mit der Übergabe der Trophäen einen würdigen Abschluss findet. Als einziger Finisher der Volldistanz darf ich mich sogar Gesamtsieger nennen!


Dienstag, 3. Oktober 2017

Neanderlandsteig-Etappenlauf

Der Deutschlandlauf hat mich angefixt. Schon länger hatte ich die vage Idee, den Neanderlandsteig (240 km) in drei Etappen an einem langen Wochenende abzulaufen. Nach meinem Schnupperkurs bei den Etappenläufern lasse ich die Planung konkreter werden.


Ursprünglich sollten es drei Etappen à 80 km sein. Ich hatte es mir in meiner Macho-Lauf-Phantasie so vorgestellt, dass mich Frau Pulsmesser abends von der Strecke sammeln und am nächsten Morgen an gleicher Stelle wieder aussetzen würde. "Du spinnst wohl!", war die Reaktion darauf, dass ich mich nicht nur drei Tage ausklinken wollte, sondern zusätzlich auch noch Fahrbereitschaft verlangte.

Also muss der öffentliche Nahverkehr in die planerischen Aktivitäten einbezogen werden, wodurch 13 weitere Kilometer als Zusatzwege zu den Haltestellen zu Buche schlagen. Angesichts des Brückentages am 2. Oktober wird die Planung auf vier Etappen ausgelegt. Es ergeben sich Abschnitte von 49,7 km, 61,3 km, 72,4 km und 69,4 km. Die exakte Planung erstreckt sich unter Berücksichtigung von Sonnenauf- und untergang bis hin zu den S-Bahn-Abfahrtszeiten.

Und dann werde ich weich!

Die Liste der Ausreden ist lang:
  • Der Wupperbergemarathon der Vorwoche steckt mir noch in den Knochen.
  • Für Samstag ist starker Dauerregen angesagt.
  • Frau Pulsmesser will den kinderlosen Brückentag mit mir allein verbringen.
  • Und am 3. Oktober bin ich zu einem privaten Ultra eingeladen.
Auf der samstäglichen 32-km-Hausrunde über heimische Neanderlandsteig-Segmente weiche ich dermaßen durch, dass ich letztlich mit meiner "Flexibilität" ganz zufrieden bin. Die Zufriedenheit steigt am Sonntag auf Höchstwerte.


Die Sonne scheint auf den Steig und dort auf mein Haupt. Denn ich laufe die knapp 50 km von Velbert-Nierenhof nach Haan-Gruiten. Gut 1200 Höhenmeter erwarten mich. Statt sich gleichmäßig über den Kurs zu verteilen, tummeln sie sich alle giftig in der ersten Hälfte. Aber ich habe ja Zeit und gönne mir hie und da den einen oder anderen Gehschritt. Der Genuss des freien Tages steht ganz im Vordergrund. Mein Tagesmotto hatte ich beim Umsteigen auf dem Essener Hauptbahnhof entdeckt: "Ausgang Freiheit". Den nehme ich heute!

Auf der Strecke lerne ich Chris kennen, der sich gerade anschickt, seiner erweiterten Homezone neue Trails hinzuzufügen. Er erzählt von seinem Laufladen in Wuppertal und schnellen Finisher-Zeiten. Und schon verlaufen wir uns! Dabei ist die Route perfekt markiert. Man könnte auch ohne GPX-Track laufen.


Nach 22 km speit mich der Wald direkt an der S-Bahn-Haltestelle "Velbert-Neviges" aus. Die Tour ließe sich also auch verkürzen. Ich will aber weiter und lasse den hässlichen Nevigeser Dom, dieses sakrale Monument in Beton, schnell hinter mir.

Viel schöner ist das Schloss Hardenberg, das etwa die Hälfte der Strecke markiert. Gerade will ich dies zum Anlass nehmen, mal eine der nach Lapp'schem Vorbild mitgebrachten Datteln zu naschen, als ein Schild in meinen Blick gerät: "Pflaumenkuchen"! Kaffee und alkoholfreies Weizenbier sind ebenfalls wohlfeil. Die anderen Gäste bekunden ihr Erstaunen, wie schnell ich all dies zu inhalieren vermag. Die sonnenbeschienene Bank lädt tatsächlich zu einer längeren Rast ein, aber mich zieht es zurück auf den Trail.

Erst abgetrunken, dann fotografiert

Unter den vielen Sonntagsausflüglern, die mir begegnen, sind auch zwei Frauen, die ihr Gepäck von Eseln tragen lassen. Für Laufsportler ist diese Variante wohl eher ungeeignet. Allerdings habe ich schon einen Läufer getroffen, der seinen Hunden Packtaschen aufgeschnallt hatte. Ich werde wohl mein Päckchen weiterhin selbst zu tragen haben.


Nach etwa sechs Stunden ist mein "Ausgang" beendet. Angesichts doch recht schwerer Beine bin ich ganz froh, dass die nächste Etappe nicht gleich am Folgetag ansteht. Ich freue mich dafür auf übermorgen, wenn ein Start beim "Sprocky Ghost 2.0" geplant ist. Der Neandersteig läuft mir ja nicht weg!




Dienstag, 26. September 2017

Wupperbergetrailmarathon - Nach 1600 Hm auch noch das Podest erklommen

"Ruhig, Pulsmesser!", ruft es hinter mir, als ich eine lange Talpassage runterdonnere und gerade einen kleinen Pulk überholt habe. Der Wupperbergetrailmarathon wurde in diesem Jahr einer Streckenänderung unterworfen. Dadurch fand ich mich nach dem Start am Ende des Feldes wieder, da überraschend in Gegenrichtung losgelaufen wurde. Und nun versuche ich, meine Position im Feld zu finden.
Startunterlagenausgabe und Ziel
Den Downhill genieße ich noch zu Ende, dann folge ich der Aufforderung und lasse mich vom mahnenden Rufer einholen. Es ist nämlich Matthias. Mir steckt noch in den Knochen, wie ich bei meinem Debüt vor zwei Jahren auf der mit gut 1600 Höhenmetern gespickten Strecke Federn ließ. Damals war ich mit Matthias im Duo gelaufen und musste ihn bei km 25 entkräftet ziehen lassen!

Heute will ich mir die Körner besser einteilen. Und so laufen wir gemeinsam weiter. Zu unserem Trupp gehört noch Arnd, der uns mit seinen Erfolgsgeschichten einschüchtert. Erfürchtig lauschen wir der Nennung von fabelhaften Bestzeiten. Erst letztes Wochenende habe er nach dem Swim-and-Run, wo im Neoprenanzug gelaufen und mit Laufschuhen geschwommen wird, das Podest bestiegen. Für das nächste Wochenende sei ein weiterer Sieg geplant, weshalb er heute nur mit angezogener Handbremse laufe. Daher können wir wohl auch folgen. Als Matthias und ich jedoch anfangen, am Berg zu gehen, wird es Arnd doch etwas zu langweilig. Er zieht von hinnen.

Stattdessen schließt Oli zu uns auf, was mir die erstaunte Bemerkung entlockt: "Wenn du hinter uns warst, wer ist dann vor uns!?" Denn Oliver zählt als TorTourdeRuhr-Gewinner über 230 km zu den ganz Schnellen. Er saß damals schon umgezogen und geduscht vor einer dampfenden Mahlzeit, als ich viertplatziert ins Ziel des Dragon-Ultra lief. Er berichtet von einer längeren Verletzungspause, weshalb er es heute noch vorsichtig angehen muss. 

Am nächsten VP verlieren wir Matthias. Man kann es ihm nicht verdenken, dass er hier länger verweilt. Denn Oliver Witzke und seine Helfer halten wie immer ein üppiges Büfett bereit, auf dem Ananas, Orangen, Studentenfutter, Salzstangen und andere Köstlichkeiten um die Gunst der Läufer ringen.

Wettkampfbesprechnung am Start im Hof von Schloss Burg
Der nächste gedeckte Tisch erwartet uns bei Kilometer 25. Dort fragt man besorgt, ob denn die Markierung auch ausreichend sei. "Es ist nämlich bisher erst einer hier durchgekommen!" Dieser Satz hat es in sich. Wir liegen demnach auf Platz 2 und 3. Oli signalisiert sogleich, dass er kein Interesse habe, um eine Platzierung zu laufen. Er hält sich stattdessen leicht hinter mir und sorgt so für "Schub".

Ab jetzt sitzen mir Engelchen und Teufelchen links und rechts auf den Schultern. Das Engelchen ruft: "Du hast heute die Chance auf einen Podestplatz!". Teufelchen entgegnet: "So ein Mist! Hätten die bloß nichts gesagt. Jetzt musst du dich hier so quälen."

Scheinbar gewinnt der Teufel langsam die Oberhand. Oli wird mein weinerliches Rumgeschleiche zu luschig. Er geht mit klarer Ansage nach vorn: "Wir laufen jetzt zusammen ins Ziel. Und du bleibst an mir dran!" Er erweist sich in der Folge als sehr einfühlsamer Motivator. Das geht so weit, dass er sich sogar entschuldigt, wenn er eine Markierung erst spät entdeckt.

Allein hätte ich mir diese Anstrengung nicht abverlangen können. Dankbar denke ich: "Diese Kameradschaft gibt es nur auf dem Trail!" Dann fällt mir ein, dass ich etwas Ähnliches 2012 beim Frühjahrslauf der TG81 im Düsseldorfer Volksgarten erlebte, als sich unterwegs ein Läufer, der nur einen Trainingslauf bestritt, als Hase anbot, und mich erstmals unter die 40 Minuten auf 10 km brachte. Na gut, immerhin war es kein Straßenlauf. Und hoch und runter ging es auch ein bisschen - also fast ein Trail.

Streckenimpression (Foto: Ralf Lindemann)

"Quälen kann so schön sein!", entfährt es Oli fröhlich, als wir die finalen Serpentinen zu Schloss Burg hinaufächzen. Also, ich ächze. Und prinzipiell hat mein Begleiter ja recht, aber im Moment kann ich seine Empfindung gerade nicht so ganz nachvollziehen. Stattdessen nutze ich die Gehpause, um mich schon mal für seinen genialen Zug-Service zu bedanken. Da stellt er klar, dass er eigentlich mich als Bremsläufer benutzt hat, um ein seiner Gesundheit angemessenes Tempo zu laufen. Neudeutsch nennt man sowas wohl "Win-Win-Situation".

Apropos, Win: obwohl wir gemeinsam ins Ziel laufen, möchte der Veranstalter eine Reihenfolge festlegen. Die beiden Olis einigen sich darauf, dass ich Zweiter sei. Mir wäre eigentlich ein ehrlich verdienter dritter Platz lieber als ein geschenkter zweiter. Ich müsste allerdings erstmal zu Atem kommen, bevor ich hier mitdiskutieren könnte. Und so nehme ich dankbar eine neue Streckenbestzeit von 4:13:00 zu den Büchern, einen Pokal entgegen und die neuerliche Start-Verpflichtung für 2018 auf mich. Denn der Preis ist ein Freistart beim nächsten Wupperbergetrailmarathon.

Der wirkliche Held des Tages ist ohnehin mein Sohn. Er hat sich der Halbmarathonstrecke mit über 800 Höhenmetern gestellt. Dort war er sogar mit leicht schnellerer Pace als ich unterwegs und lief als Fünfter ins Ziel.

Trophäe


Dienstag, 12. September 2017

Triathlon-Debüt endet mit Gesamtsieg

"Ihr müsst mir versprechen, dass ihr auch wirklich 100 Prozent gebt!" So peitscht der Junior seiner Schwester und mir am Morgen ein. Vielleicht hätte ich besser ihn als "Staffelverantworlichen" bei der Anmeldung zum Ratinger Triathlon registrieren lassen sollen.

Die Kinder hatten mich überredet, mit ihnen eine Triathlon-Staffel zu bilden. Wegen des Alters meiner Tochter kam nur der Familienstaffel-Wettbewerb über 250 m Schwimmen, 10 km Rad und 2,5 km Laufen in Frage. Beide Kinder trainieren ihre jeweilige Sportart (Schwimmen bzw. Laufen) im Verein. Da ich keine derartige Qualifikation vorweisen kann, wurde ich auf's Fahrrad verwiesen. Die klare Ziel-Vorgabe durch die Kinder lautet: wir müssen gewinnen!

Als Triathlon-Novizen irren wir aufgeregt durch das Schwimmbad. Wo muss man einchecken? Wann ist die Wettkampfbesprechung? Wo findet die Staffelübergabe statt? Wieso hat auch der Schwimmer eine Startnummer bekommen? Und was macht man mit den Startnummern-Aufklebern? Einiges bleibt ungeklärt, aber wir schaffen es zu starten.

Planmäßig verlässt das Töchterchen als Erste das Gewässer. Nur wird sie auf dem Weg in die Wechselzone beinahe von einem Verfolger eingeholt. Also sprinte ich zu meinem Rad und reiße es vom Ständer. Ja, ich hatte mein Tourenrad in der Wechselzone auf seinen Ständer stellen müssen, da sowohl Lenker als auch Sattel zu hoch waren, um es unter die vorgesehene Aufhängstange zu bringen.

Einfahrt in die Wechselzone
Als ich das Bad verlasse, glaube ich, endlich losradeln zu können. Aber ich muss für circa 150 m einem blauen Teppich folgen. Das ist gut, denn noch bin ich in meiner eigentlichen Disziplin unterwegs. Wie ein Gestörter renne ich mit dem Rad über den blauen Belag, denn ich will unbedingt als Erster auf der Strecke sein. Dann halte ich erstmal an - und steige auf. Das Aufspringen aus vollem Galopp hätte man vielleicht mal üben sollen. Zu spät.

Schon jetzt rasselt mir der Atem. Der "Wettkampfbesprecher" nannte die Radstrecke schnell. Mir fehlt jeder Vergleich, aber für meinen Geschmack geht es dafür ganz schön bergauf. Immerhin erklimmen wir die Flanke des Langenbergs, der mit 105 m Ratingens höchste Erhebung bildet. Ein weiterer Anstieg führt in den Ortsteil Eggerscheidt, wo mich eine 180-Grad-Kehre zum Bremsen nötigt. Das ginge wahrscheinlich auch irgendwie geschmeidiger. Hatte ich gehofft, dass der bisherige, kräftige Gegenwind nun schieben würde, so werde ich enttäuscht. Es bleibt bei Gegenwind. Das typische Radfahrer-Paradoxon! Immerhin überhole ich ein paar andere Radler, vermutlich die vorher gestarteten Volkstriathleten auf ihrer zweiten Radrunde. Aber auch ich werde überholt! Kleine Jungs auf eindrucksvollen Rennmaschinen und visierbehelmte Männer auf Triathlonrädern ziehen vorbei. Schwer festzustellen, ob Familienstaffel-Konkurrenz dabei ist. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als weiter am Limit zu strampeln. Den Blitzer in der 70-Zone löse ich leider nicht aus. Das gelinge jährlich nur zwei bis drei Startern, wurde uns in der Wettkampfbesprechung verraten. Für Lichtblitze sorge ich selbst. Ich habe vergessen, die Beleuchtung auszuschalten! Sinnlos fließt ein Teil meiner Energie in den Nabendynamo. Noch eine Runde könnte ich definitiv nicht in dem Tempo fahren.

Am blauen Teppich lasse ich mit einem ungelenken Abstieg nochmal deutlich den Familien-Starter erkennen. Auch elegant-einhändiges Rad-am-Sattel-Führen beherrsche ich nicht. Dafür schiebe ich mein Bike so schnell in die Wechselzone, dass ich zwei der Velo-Raser wieder einhole. Trotzdem steht schon ein Rad im Familien-Wechselbereich!

Ein Drittel der Beute
Das muss der Junior jetzt wieder ausgleichen. Ob das gelingt? Wir hatten vorher überlegt, dass die Schwimm-und Laufstrecken zu kurz sind, um meine schlechte Rad-Performance wieder kompensieren zu können. Doch der Junior straft alle Theorien lügen und macht uns mit einem Finish nach 35:52 min zu Staffelgewinnern!

Die Kinder wollen nächstes Jahr an einem "richtigen Triathlon" teilnehmen.


Montag, 24. Juli 2017

"Auf der Leibzucht" - Deutschlandlauf 2017

Immer wieder die Frage von passierenden Rad- oder Autofahrern: "Was issen das für'n Marathon?" "Das ist der Deutschlandlauf von Sylt auf die Zugspitze über 19 Etappen und 1300 km." Und jedesmal muss ich kleinlaut anfügen: "Ich laufe nur die heutige, achte Etappe über 83 km von Werne nach Solingen mit."

Startnummer

Am Vorabend hatte ich das Leben "in vollen Zügen" genossen, denn ich war mit der Bahn zum Ziel der siebten und längsten Etappe (90 km) nach Werne an der Lippe gereist. Der Weg vom Bahnhof zur Turnhalle ist gut markiert, denn zufällig führt auch die Laufstrecke durch die Bahnhofsunterführung.

Am Ziel bin ich erstaunt über die Größe des Trosses, der die Läufer begleitet. Zwei Miet-Lkw und zahlreiche Campingfahrzeuge bilden vor der Turnhalle eine Wagenburg. Einer der Helfer betreibt aus seinem Campinganhänger heraus einen kleinen Kiosk, an dem die Läufer Snacks und gekühltes Bier erwerben können.

Wagenburg

Ich habe "mit Halbpension" gebucht. Mein Turnhallenschlafplatz beinhaltet Abendessen und Frühstück. Leider ist meine Pflichtausrüstung unvollständig. Ich habe kein Geschirr dabei. Aber für ein Stück Pizza auf die Hand reicht es, als der italienische Lieferdienst einen Kleinwagen voller Familienpizzen, Pasta und Salaten bringt. Er muss zweimal fahren!

Für die Veganer gibt es einen Spezialservice. Eine Triathletin begleitet die Läufer auf der Tour mit dem Fahrrad. Morgens zieht sie einen Hänger, aus dem heraus sie den ersten VP betreibt. Dann fährt sie weiter ins Ziel und kocht das vegane Dinner.

"Kiosk"-Angebot - auf das Wesentliche beschränkt

Gestartet sind auf Sylt 61 Sololäufer, ein 75-jähriger Tretrollerfahrer und zwei 2er-Teams, deren Starter jeweils einen Tag ruhen können, wenn der Partner läuft. Dazu kommen noch Leute wie ich – Sensationstouristen als Tagesbesucher.

Ich erlebe mit, wie am Abend zwei Solo-Läufer das Rennen abbrechen müssen, womit sich die Zahl der Solisten auf 52 verringert. Feuerrote, heiße Flecken auf den Beinen signalisieren akute Sehnenentzündung. Man sieht straff in Frischhaltefolie gewickelte Waden, geschwollene Gelenke, Eisbeutel auf Schienbeinen und Füße voller Blasen. Unter der Dusche komme ich nicht umhin zu bemerken, dass bei Manchem auch die empfindlichsten Teile wundgescheuert sind. Den Abbrechern werden ihre restlichen Blasenpflaster und Kanülen zum Aufstechen von Blasen regelrecht aus den Händen gerissen. Ein Läufer hat eitrige, offene Fußsohlen. Trotzdem wird er die nächste Etappe antreten.

Mir wird klar, diese Ausnahmesportler sind mental so stark und körperlich so gut trainiert, dass nur mangelnde orthopädische Robustheit ein Ankommen auf der Zugspitze verhindern kann.

Kühlen der Fußgelenke

Wie auf einem U-Boot, einer Forschungsstation in der Arktis oder eben bei "Big Brother" ergeben sich innerhalb der Läufer-Zwangsgemeinschaft auch Spannungen. Heutiger Streitpunkt: die ausgegebenen Eiswürfel zum Behandeln von Entzündungen wurden zum Kühlen von Getränken zweckentfremdet. Aber der eigentliche Dauerbrenner scheint die Aufteilung der Starter auf zwei Gruppen zu sein. Das werde ich noch selbst zu spüren bekommen! Die langsameren Starter sollen eine Stunde vor den anderen loslaufen. Scheinbar mischen sich auch etwas Flinkere in diese erste Gruppe, so dass sie vor dem eigentlichen Tagessieger im Ziel sind.

Während um 21 Uhr die offizielle Nachtruhe beginnt, kommen jetzt die Letzten, nach 16 Stunden Laufzeit, im Etappenziel an. Sie müssen noch essen, duschen und ihre Wunden versorgen, bevor auch sie sich endlich hinlegen können.

In den Schlaf wird heute jedoch kaum jemand finden. Das Licht in der Turnhalle lässt sich nicht abschalten. Trotz herausgedrehter Hauptsicherung sorgt ein zweiter Stromkreis für "Notbeleuchtung", die jedoch reichlich überdimensioniert scheint. Ohrstöpsel habe ich dabei, aber die Schlafmaske nicht. Notgedrungen ziehe ich mir die Schlafsackhülle über den Kopf. Besonders gut atmet es sich darunter in der aufgeheizten Halle nicht. Insbesondere, da die Halsschmerzen, die mich seit ein paar Tagen plagen, jetzt in einen rauhen Husten übergehen.

Nun ja, lange dauert das Martyrium ohnehin nicht, denn um 3:40 Uhr wird geweckt, damit um vier Uhr gefrühstückt werden kann. Die Helfer dürften schon deutlich eher aufgestanden sein, um die riesige Kaffeemaschine auf Temperatur zu bringen. In Ermangelung eines Tellers esse ich statt Müsli Käsebrote und Obst und sauge dabei die Stimmung auf. Die meisten scherzen ausgelassen und malen sich aus, wie sie sich auf der Zugspitze betrinken werden. ("Viel Alkohol wird dazu nicht nötig sein!") Ein anderer will heute unterwegs unbedingt irgendwo vier Kugeln Eis mit Sahne essen. Der Franzose neben mir schwärmt davon, wie schön es sei durch den Regen zu laufen. Er wird heute tanzend an den VP's gesehen werden. Ganz selbstverständlich wird davon ausgegangen, dass ich eine 100-km-Bestzeit habe. Enttäuschung kommt erst auf, als ich sie nenne. Und was antwortet man diesen Langstreckenspezialisten auf die Frage: "Läufst du viele Ultras?"

Füße hochlegen im Etappenziel

Um 5 Uhr wird die große, erste Gruppe gestartet. Zehn Solo-Läufer, ein Team-Läufer und ich starten eine Stunde später. Inzwischen hat es so stark angefangen zu regnen, dass ich meine Regenjacke aus meinem eigentlich bereits abgegebenen Gepäck heraushole. Der Starter hat keine Lust nass zu werden, so dass wir direkt aus der Halle heraus loslaufen.

Der Wind ist genauso heftig wie der Regen. Ich spüre, wie sich mein Infekt in eine ausgewachsene Erkältung verwandelt. Permanent trieft mir der Schnodder von der Nase. Ich hoffe, dass ich wenigstens an den VP's mit einermaßen rotzfreiem Gesicht erscheine. Doch was jammere ich über meinen Zustand! Mein Befinden ist so unbedeutend angesichts der Leiden, die die anderen klaglos, meist sogar fröhlich, durchstehen. Hier kann man eine Lektion in Sachen mentaler Härte lernen!

Die biologisch abbaubare Sprühkreide hat im Regen, besonders auf saugfähigem Untergrund, schon recht erfolgreich mit dem Auflösungsprozess begonnen. Nach 35 Minuten hört der Guss ganz plötzlich auf. Ab jetzt sind die aufgesprühten Markierungen viel besser zu sehen. Ich frage mich, wer die Pfeile so gewissenhaft anbringt. Und wann? Dieses Rätsel wird sich heute noch lösen.

Aller 10 Kilometer gibt es Versorgung. Teilweise werden diese VP's von den mitreisenden Helfern betreut. Örtliche Vereine betreiben die zusätzlichen. Was für eine Leistung, all das punktgenau zu koordinieren! Es ist eine Herausforderung, sich so einem Lauf zu stellen. In meinen Augen ist es eine mindestens ebenso große Leistung, eine derartige Veranstaltung zu organisieren.

Mir war klar, dass sich eine Route dieser Länge am einfachsten entlang von Landstraßen planen lässt. Insofern bin ich überrascht, dass wir ein ganzes Stück einem Kanal folgen, und dort einen See und eine Marina passieren. Der Hafenkiosk hat am sehr frühen Sonntagmorgen sogar schon geöffnet, was einige der Läufer nutzen, um sich einen Coffee-to-Run mitzunehmen. Ab jetzt treffe ich immer wieder auf einzelne Frühstarter. Darunter ist auch ein fröhlicher Franzose, der in Crogs läuft!

Alle fünf Kilometer sind markiert, sogar die Halbmarathonmarke. Dann die Aufschrift: "Noch 50 km". Während ich noch grübele, ob diese Information nun motivierend ist, passiere ich ein Straßenschild: "Auf der Leibzucht". Wie passend! Hier werden Leiber gezüchtigt. Mögen sie dem Willen ihrer Inhaber gehorchen und sie alle zur Zugspitze bringen!

Auf der Leibzucht

Der Weg von Nord nach Süd durch Dortmund zieht sich, besonders da die Stadt direkt in den Ort Witten überzugehen scheint. Immerhin, es fließt kaum Verkehr, und jede Menge Bäcker bieten zusätzliche Labemöglichkeiten. Nach dem üppigen "Watt läuft"-VP mit sensationeller Stimmung geht es stetig hinauf ins Bergische Land, und das Auge wird mit Grün verwöhnt. Je näher wir der Heimatregion des Veranstalters Oliver Witzke kommen (Solingen, das heutige Etappenziel, ist sein Heimatort), desto schmaler werden die Pfade. Man spürt, dass er sich hier auskennt. Die Markierung "Zur Zugspitze" (der Kreidesprüher hat offenbar Humor) führt jetzt auf einen Radweg, der auf einer ehemaligen Kohlebahntrasse verläuft. Diese geht bald in die Bahntrasse auf bekannter WHEW-Streckenführung über. Folgerichtig wird der dortige VP von Guido Gallenkamp, dem WHEW-Organisator, betreut.

Dort, bei km 60, erfahre ich, dass bisher nur der Tretrollerfahrer gesehen wurde. Sollte ich etwa gleich an zwei Wochenenden in Folge als Erster durch ein Ziel laufen? Doch jetzt erwarten mich die Anstiege des Bergischen Landes. 1266 Höhenmeter weist die Strecke laut Track auf. An der 65-Km-Marke lege ich hangaufwärts die erste Gehpause ein. Da kommt von hinten Henry und zieht grußlos vorbei. "Das kann doch nicht sein, dass ich nicht so schnell laufen kann wie jemand, der schon seit Sylt unterwegs ist!" Der Gedanke reicht mir offenbar, um meine mentalen Kräfte wieder zu bündeln. Ich hänge mich hinten dran und versuche etwas Smalltalk, was nicht so gut gelingt. Stattdessen wird mir vorgeworfen, dass ich als schneller Läufer mit den 5-Uhr-Startern losgelaufen sei. Ich nehme das nicht übel angesichts der Strapazen, denen sich diese außergewöhnlichen Menschen unterziehen. Wer weiß schon, welche Gedanken sie in den vielen einsamen Stunden vorantreiben oder bremsen. Aber die Chemie scheint nicht für viele gemeinsame Kilometer zu passen. Am VP bei km 67 setze ich mich nach vorn ab.

Was ich nicht weiß und erst später ergoogle: der in Norwegen lebende Sachse Henry Wehder ist schon seit 12.6. als Etappenläufer unterwegs. Er ist am Nordkap gestartet und integriert den Deutschlandlauf in seinen privaten Transeuropalauf bis nach Gibraltar. Anschließend will er noch den Spartathlon in Griechenland anhängen und somit insgesamt 10.200 km in 111 Tagen laufen.

So langsam beginne ich, die herbeigesehnte 80-km-Marke zu vermissen. Da spricht mich eine Radfahrerin an. Sie habe nicht damit gerechnet, dass jetzt schon ein Läufer kommt, und sei mit dem Markieren der Strecke noch nicht fertig. Kein Problem, ich habe ja den GPS-Track auf meiner Uhr!

Wenig später kommt mir Oli entgegen geradelt. Er teilt mir mit, dass er den Läufern heute den besonders schwierigen Aufstieg auf dem Serpentinen-Trail zum Schloß Burg (die Wupperbergemarathon-Finisher unter den Lesern schmunzeln hier wissend) ersparen und die Strecke um einen Kilometer verkürzen will. Ich finde seine Wegbeschreibung in der Realität nicht wieder und folge dem Originaltrack ins Ziel, das ich nach 8:39:29 durchlaufe. Dort sitzt zu meiner Enttäuschung schon Klemens, der Zweier-Team-Läufer, der die Abkürzung offenbar besser gefunden hat. Kurz danach erreicht auch Henry als führender Solo-Läufer die Jugendherberge.

Zwei Solo-Etappenläufer beenden Etappe 7

Es verdient den höchsten Respekt, sich dieser Strecke überhaupt zu stellen und einige Etappen zu meistern. Wie viele die Zugspitze erreichen werden, ist schwer zu prognostizieren. Die heutige Etappe hat die Zahl der Solo-Läufer auf 46 dezimiert. Aber, dass es Menschen gibt, die bei einem Etappenlauf so schnell sein können und diesen sogar noch um ein Vielfaches verlängern, liegt noch immer außerhalb meiner Vorstellungskraft, obwohl ich selbst (ein bisschen) dabei war.


Sonntag, 16. Juli 2017

Mit dem Fahrrad zum 1. Dickelsbachmarathon


Waren die lokalen Laufjunkies vor einer Woche in ein tiefes, mentales Loch gefallen und hatten Hilfeschreie bei Facebook versandt, weil keine Wettkämpfe stattfanden, so muss man an diesem Wochenende fast schon von einem Überangebot sprechen. Ich erhielt Einladungen zu zwei Veranstaltungen.

Die Firma Mammut wollte mich mit einer Journalisten-Akkreditierung zum eigentlich ausverkauften Eiger-Ultra schicken. Leider war es bei dem kurzfristigen Angebot zu spät zum Höhenmeter-Trainieren.

Gina Pflug hat eine flache Alternative parat. Sie veranstaltet zusammen mit Partner Sven den 1. Dickelsbachmarathon. Auch hier konnte ich mich nicht zu einer spontanen Zusage durchringen, erhielt ich die mündliche Einladung doch gegen Ende des "Bergischen 6h Laufs". Da reichten mir die Kilometer, die ich gerade noch vor der Brust hatte.

Start-/Zielbereich

Aber der Mensch tendiert dazu, Schmerzen ganz schnell zu verdrängen. Also schwinge ich mich heute um 6:30 Uhr auf mein Rad und fahre zum Start nach Ratingen-Lintorf. Achtmal wollen wir am Dickelsbach hin- und durch den Hinkesforst wieder zurückrennen, um auf 43,5 km zu kommen. Wer möchte und kann, darf die sieben Stunden bis zum Zielschluss auch für weitere Kilometer nutzen.

Thorsten Stelter will das tun, um sich auf seinen Spendenlauf von Düsseldorf nach Leipzig vorzubereiten, wo ihn nach 450 km Harald Schmidt in Empfang nehmen soll.

Sven hat die Strecke mit Kreide ausgezeichnet ausgezeichnet. Zwei Wurzeln machen sogar in Neongrün "hervorragend" auf sich aufmerksam. Nur der Pfeil, der den Baum hinauf zeigt, verwirrt mich auf der ersten Runde. Ich sehe von einer Kletterpartie ab, schließlich kenne ich die Strecke durch dieses Flurstück.

Ein Lauf mit Kinderbetreuung - Hengst am Dickelsbach

Der Name "Hinkesforst" bietet sich scheinbar für Kalauer an, als nach ein paar Runden die Sauberkeit des Laufstils nachlässt. In Wirklichkeit hat die Bezeichnung nichts mit einem schleppenden Gang zu tun. Ganz in der Nähe der Laufstrecke steht die Napoleoneiche im Wald und erinnert an die Zeit, als sich der Feldherr hier mit frischen Pferden versorgte. Damals lebten in diesem Gehölz Wildpferde. Deshalb wurde der Wald Hinkesforst genannt, was Hengstwald bedeutet. So jedenfalls berichtete es mir der alte Waldschrat, mit dem ich hier einst durch das Unterholz streifte, während wir uns von frischem Buchenlaub, Brennnesseln und den jungen Trieben der Lärche ernährten.

Heute esse ich nichts davon. Auch das üppige Angebot in Ginas Garage muss bis nach dem Finish warten, denn ich will den Lauf als Nüchternlauf gestalten. Das ist kein großes Problem, habe ich doch am Vorabend reichlich getafelt. Die Kinder wollten den ersten Ferientag mit Lagerfeuer und Stockbrot begehen. Da noch gegrillter Käse vom Freitag übrig war, hatte ich "Mit Grillkäse gefülltes Stockbrot" erfunden - eine sehr sättigende Kreation!

3:51:33 dauert es, bis ich über das üppige Büfett herfallen darf. Zum Nachtisch erfüllt sich ein alter Läufertraum. Ich bekomme eine Urkunde, auf der "Marathon-Gesamt-Sieger" steht!

Mittwoch, 12. Juli 2017

Raubtierangriff und anderes Ungemach

Die große, digitale Temperatur-Anzeige im Ratinger Freibad zeigt 33 Grad Luft- und 28 Grad Wassertemperatur, als ich zu einem speziellen Intervalltraining ausrücke. Zwischen den einzelnen Starts meiner Tochter beim Schwimmwettkampf streife ich durch Ratinger Gehölz.

Für das initiale Intervall stehen die 2,5 Stunden zwischen Einschwimmen und erstem Start zur Verfügung. Der im Bad bewässerte Haarschopf ist schon nach ein paar Hundert Metern wieder getrocknet. Da knallt mir plötzlich von hinten etwas gegen den aufgeheizten Schädel! Es fühlt sich an, als ob mir jemand ein fußballgroßes Stoffknäuel an den Kopf geworfen hätte. Bevor ich noch weiteres Rätselraten anstellen kann, segelt direkt über meinem Scheitel ein Raubvogel mit einer Flügelspannweite von etwa 1,20 m davon, dreht rechts in den Wald ab und verschwindet mit zwei, drei Flügelschlägen. Es dürfte ein Bussard gewesen sein. Ich vermute, der wollte nur spielen! Jedenfalls habe ich keinen Schnabel- oder Krallenkontakt gespürt.


Nach 13 Kilometern erreiche ich unbeschadet, aber doch recht erhitzt, die Gestade der Duisburger Sechs-Seen-Platte. Ich bewässere mich noch einmal gründlich, bevor ich auf gleichem Weg zurückkehre.

An der Sechs-Seen-Platte
Nach wohlwollend-väterlicher Betrachtung des sportlichen Geschehens im Schwimmbecken benetze ich Kopf und Kehle erneut und trete mit frisch gefüllten Wasserflaschen zum nächsten Intervall vor die Tore der Schwimmstätte. Diesmal meide ich das raubtierverseuchte Gebiet und durchkreuze den Ratinger "Oberbusch". Doch auch in diesem, eigentlich idylischen Waldstück, droht Ungemach aus der Luft. Aller 1,5 Minuten überquert ein Flugzeug den Forst im Landeanflug auf Düsseldorf. Das beginnt morgens um 6 Uhr und soll um 23 Uhr mit dem Nachtflugverbot enden. Jedoch gelten etliche Ausnahmeregelungen. Aber so lange will ich ja gar nicht laufen. Mir bleibt nur eine Stunde bis zum zweiten töchterlichen Start. Bei den insgesamt 36,5 erlaufenen Kilometern will ich es dann auch bewenden lassen. Um mich wieder herunterzukühlen, plantsche ich noch etwas im Freibad und überbrücke so die Wartezeiten zwischen den restlichen Schwimmwettkämpfen.

Nachdem ich mich heute so oft und gründlich nass gemacht habe, soll auch die Ausrüstung gewaschen werden. Offenbar hat die Hitze meinem Oberstübchen arg mitgespielt. Als ich später einen Blick auf mein Smartphone werfen will, fällt mir ein, dass es noch in meinem Rucksack steckt. Und der dreht sich munter in der Miele-Trommel! So schnell war ich noch nie im Keller. Während ich ratlos durch das Bullauge in die schäumende Gischt starre, meldet sich der Garmin am Handgelenk. Er hat sich gerade mit dem badenden Handy synchronisiert. Das Smartphone lebt also noch und sendet SOS! Nun ist schnelles Handeln gefragt. Aber wie stoppt man so eine Waschmaschine? Kurzerhand drücke ich den "Tür auf"-Knopf. Überraschenderweise springt tatsächlich die Luke auf und entlässt einen Schwall Seifenschaum. Ich entreiße die Laufweste den Fluten. Das Smartphone steckt, in eine kaputte Zip-Lock-Tüte gehüllt, in der Außentasche. Die Tüte hat ein Loch und der Zipper schließt auch nicht mehr. Dennoch hat die Technik den Kurzwaschgang unbeschadet überlebt.

Ein Wochenende ohne offizielle Laufveranstaltung kann auch ganz erlebnisreich sein.