In Pulheim soll neben dem Körper auch der Geist ertüchtigt werden. Es gilt, heute für die "TorTour de Ruhr" langsames Asphalttreten auf einer eintönigen 5-km-Runde zu üben. Doch daraus wird nichts.
Zusammen mit den Staffel-Marathon-Läufern werden auch wir Einzel-Marathonis losgelassen. Wie ein Rennpferd, das aus der Startbox schnellt, reißt es mich ungewollt mit den Kurzstrecklern mit. So wird das nichts mit dem ruhigen, langen Lauf. Ich will keinesfalls schneller als in 3:30 finishen. Glücklicherweise gibt sich im Feld ein TorTourist mit seinem typischen, schwarzen Finisher-Shirt zu erkennen. Sein Träger, Marco, verdiente sich einst dieses Poser-Hemd auf der "Bambini-Lauf" genannten 100-km-Strecke. Für Pfingsten 2018 hat er, wie ich, für die 100 Meilen gemeldet. Und heute will er nach dreieinhalb Stunden fertig sein. Als ob das nicht schon genug Übereinstimmung wäre, erweist sich auch noch die Läufer-Chemie als passend. Die Kilometer und die Runden fliegen nur so vorbei. Ich vergesse das Zählen von beidem, so sehr bin ich ins Reden und Zuhören vertieft. Aus meinem Mentaltraining auf eintöniger Strecke wird heute somit nichts. Das diskutierte Themenspektrum ist weit. Anfangs handeln wir noch die läuferische Vita ab. (Marco wandelte sich vom übergewichtigen Kettenraucher zum durchtrainierten Mountainbiker und Ultraläufer.) Am Ende entwerfen wir alternative Verkehrskonzepte für das Ruhrgebiet.
Und zwischenrein treffen wir Laufbloggerin Elke, die genauso munter schwatzend mit ihrer Laufpartnerin unterwegs ist. Sie nutzt die Gelegenheit auf dem engen Pendelstück, um das objektivscheue Pulsmesser abzulichten.
Marco ist in Sachen Marathonstreckenführung eingentlich abgehärtet, denn wie ich trabte er schon seine Runden beim Westzipfelmarathon oder in Bertlich. Doch achtfach den olfaktorischen Reizen eines Düngerhaufens und dem Hörgenuss einer gütergleisbegleiteten Fernverkehrsstraße ausgesetzt, kommt er nicht umhin zu betonen, dass Pulheim eindeutig den "anspruchvollsten" Kurs für sich reklamieren kann. Elke formuliert es in ihrem Blog so: "Die Pulheimer Strecke ist nicht mit überbordender Attraktivität gesegnet."
Bei einer Punktlandung in 3:29:57 geht Finisher-Glück nahtlos in Vorfreude auf den nächsten Marathon über, bei dem unsere Lauf-Gemeinschaft die Streckenführung zur Nebensache geraten lässt: am 18. Februar in Bertlich!
Montag, 29. Januar 2018
Montag, 22. Januar 2018
Auf dem Alpenpfad in die verschneite Toscana beim Lebensbogen-Ultra
Ganz in Weiß
liegt sie vor uns, jungfräulich wie eine Braut. Eine unberührte Schneedecke bedeckt
das Habichtswälder Basaltbergland. Im Licht der aufgehenden Morgensonne
hinterlassen wir die ersten Spuren in diesem unerwarteten Wintertraum.
Wir, das sind
ausschließlich Läufer aus dem Großraum Rhein-Ruhr, die sich in Zierenberg zum
Lebensbogen-Ultra über 50 km und 2000 Hm eingefunden haben. Dass lokale Ultras
fehlen, mag daran liegen, dass der Veranstalter, Jochen alias „Der Pate“ der
Trail-Mafia und bisheriger Ausrichter des KEU in Düsseldorf, erst kürzlich in
diese exzellente Gegend umzog. Er lebt jetzt als Kommunarde in der Lebensbogen-Gemeinschaft,
die auch das Vertrauens-Café „Helfensteine“ betreibt. Dieses wohlig beheizte
Objekt dient uns als Start und Ziel sowie als VP auf den 5 Runden.
Die
namensgebenden Felsen sind das Ergebnis einer Basalt-Eruption und liegen seitdem
direkt vor der Tür. Nun ja, die Tür kam wohl später hinzu. Wir verlassen sie
mit dem Startsignal und müssen, nachdem ein paar von „Friedericke“ gefällte
Bäume durchklettert sind, steil zu den Helfensteinen aufsteigen. Es ist gar
nicht das Gefälle, dass uns den Atem raubt, sondern die großartige Aussicht von
hier oben.
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| Helfensteine |
Dabei sind wir
noch nicht am höchsten Punkt. Erst nach einiger Kraxelei über einen Bergrücken
erreichen wir den Gipfelgrat zum Dörnberg (578,7 m). Dass der Weg als „Alpenpfad“
bezeichnet wird, hat durchaus seine Berechtigung. Wobei von „Weg“ eigentlich
keine Rede sein kann in diesem endlosen Weiß. Die Karte auf dem GPS-Reciever hilft
daher bei der Navigation nicht weiter. Ich folge einfach den Fußspuren von
Christoph, dem führenden Läufer. Ab Runde Zwei vertiefen wir unsere Eindrücke gemeinsam,
nicht nur die der Füße!
Auf der Südseite
des Bergmassivs führen schmale Pfade durch die sonnige Wacholderheide. Der
Magerrasen liegt unterm Schnee, aber die Wacholderbüsche ragen wie Koniferen
aus der Landschaft, die dadurch ein wenig an die Toscana erinnert und von den
Einheimischen auch so genannt wird.
Der Laufgenuss
weicht wilder Kletterei in einem vom Sturm niedergemähten Waldstück. Eine Fichte
muss auf allen Vieren durchtunnelt werden. Der Pate hat ein Einsehen und
erlässt uns ab der dritten Runde den Hindernisparcour durch diesen Mikado-Wald.
Der anfängliche
Pulverschnee vollzieht während des Laufs eine Metamorphose. Den 50 Wörtern, die
die Inuit für Schnee kennen, könnten wir heute noch ein paar hinzufügen. Das
mittags sulzige Element friert später auf der Nordseite zu einem nun
ausgetretenen, festen Pfad. Im Süden bildet sich dafür tiefer Schlamm.
Am Schaffen der
Wege sind inzwischen auch dick vermummte Wanderer und Schlittenfahrer
beteiligt. Selbst ein Kite-Surfer mit Snowboard lässt sich sehen. Alle starren
mit ungläubigen Blicken auf Christoph, der mit nackten Beinen kurzbehost durch
den Winter trabt und so auf dem kristallinen Untergrund ein beliebtes
Foto-Motiv bildet.
6:17:16 dauert
für uns beide der Laufurlaub in der verschneiten Toscana. Danach folgt Aprés-Ski
für Läufer. Wir genießen das mafiöse Wellness-Programm im Vertrauens-Café und bejubeln
die anderen Finisher. Gemeinsam stoßen wir
mit unseren Finisher-Trophäen, gravierten Weizenbier-Gläsern, auf den phantastischen
Tag an.
Freitag, 12. Januar 2018
Pokal, Medaille und Bestzeit beim Ratinger Neujahrslauf 2018
Wer fast täglich um die 5000 m schwimmt, der joggt auch ohne Lauftraining 10 km am Stück. Bei meiner Tochter ist Laufen nur ein Nebenprodukt der eigentlichen Sportart. Trotzdem entschließt sie sich, meinen Sohn und mich zum Ratinger Neujahrslauf zu begleiten.Seit jenen Bambini-Tagen, in denen überzogener väterlicher Ehrgeiz dem Kind die Freude am Rennen nahm, ist es ihr erster Lauf-Wettkampf. Sie meldet für die 5-km-Distanz und zaubert aus dem Stand eine 23:55 aufs Ratinger Pflaster. Damit sichert sie sich den dritten Platz auf dem AK-Podest und den Stolz des Vaters. Als Finisherin der 40. Ausgabe der Veranstaltung bekommt sie wegen des Jubiläums sogar noch eine schicke Medaille.
Das edle Metall bleibt uns 10-km-Läufern seltsamerweise verwehrt. Ich reihe mich am Start direkt hinter meinem Sohn ein, der von seinem Trainer Enrico begleitet wird. Üblicherweise gewinnt Enrico Wettkämpfe wie diesen. Heute hat er sich als Pacemaker für meinen Nachwuchs zur Verfügung gestellt. Es gilt, die bereits auf der Bahn gelaufene "sub 40" auf der Straße zu bestätigen - einer Erkältung zum Trotz. Ich will heimlich auch an diesem Schrittmacher-Service teilhaben, jedenfalls so lange wie die 62 BaTalU-Kilometer vom Vortag in den Beinen es zulassen.
Der Lauf ist die reine Freude. Dass ich mir ansonsten so ein Tempo nach-ultra nicht abverlangt hätte, ist dabei nur ein positiver Nebeneffekt. Vor allem bekomme ich bestätigt, wie gut der Junge in seiner Mannschaft aufgehoben ist. Immer wieder korrigiert der Coach einfühlsam, gibt Tipps (die auch mir helfen), spendet Windschatten im eisigen Gegenwind und hat an der richtigen Stelle motivierende Worte parat. Nicht das ganze Repertoire findet meine uneingeschränkte Begeisterung. "Dem alten Sack zeigen wir es!", gehört nämlich auch dazu, als die beiden die väterliche Verfolgung bemerken.
Scheinbar hat er damit beim adoleszenten Bestzeit-Aspiranten genau den richtigen Nerv getroffen. Denn bei Kilometer Neun explodiert der Junge förmlich. Ich muss das Duo ziehen lassen. Einmal abgehängt, fehlen mir Ziel, Wille und Biss für einen anständigen Endspurt. Den legt stattdessen der Junior hin und finisht in sagenhaften 39:04, was ihm den Pokal für den AK-Sieg beschert. Was mag da auf flachem Kurs, ohne Gegenwind und Erkältung erst drin sein!?
Mit meinen 39:28 liege ich nur 6 Sekunden über meiner schnellsten Zeit auf dem Ratinger Kurs. Den Rest des Tages bade ich in einer Suppe läuferisch-väterlichen Glücks.
Dienstag, 9. Januar 2018
Belgische Verhältnisse beim 1. Bach-Tal-Ultra (BaTalU)
"Irgendwann wird der Junkie zum Dealer.", orakelte Andreas bei unserem Kennenlernen. Gemeint war damit, dass jeder Laufsüchtige irgendwann einen eigenen Lauf veranstaltet. Heute ist es bei mir so weit. 19 Willige haben sich eingefunden, um die 62 km des 1. Bach-Tal-Ultras zu erkunden. Drei weitere Starter wollen sich mit 26 km begnügen.
Bisher wurde oft "Waterloo" verstanden, wenn der gleichnamige Titel der Gruppe ABBA erklang. Seit dem heutigen Lauf wissen wir, dass die Schweden eigentlich "BaTalU" singen. Als Auftakt zum Lauf lässt mein Sohn diese BaTalU-Hymne aus einem mobilen Bluetooth-Speaker erklingen, bevor er den Startschuss abfeuert. Er hat sich eine passende App installiert, so dass auch der Schuss virtuell aus dem Lautsprecher knallt.
Gelaufen wird aber ganz real mit beiden Füßen. Allerdings nicht immer mit festem Boden darunter. Die Streckenverhältnisse entsprechen eher einem Traillauf in Belgien. Der Dauerregen der letzten Tage hat die Wege sehr gut angefeuchtet. Neben den ausgeschriebenen Bach-Tälern haben sich spontan noch weitere Bäche gebildet. Der Sturm legte hier und da ein paar zusätzliche Bäume über den Weg.
Die Teilnehmer lassen sich davon die gute Laune nicht trüben. Im Gegenteil, es scheint, als haben alle Spaß an solchen Herausforderungen. Einmal wird es dann doch ernst, als ein Sturz zu einem gebrochenen Finger führt und die geplante Teilnahme von Andreas am Spine Race in Frage stellt. Die gestandenen Ultras sind selbst auf solche Notfälle vorbereitet. Dietmar hat nicht nur alle von mir im Road-Book genannten Wegpunkte als laminierte Liste dabei, sondern auch den Track vorab studiert und um potentielle zusätzliche Verpflegungspunkte erweitert. Somit kann der Verletzte in die Wärme einer nahegelegenen Backstube gebracht werden, wo die pragmatische Bäckersfrau aus einem tiefgefrorenen Croissant-Rohling ein Kühlpack bastelt und so "Finger-Food" ganz neu interpretiert. Meine Frau überlässt den VP der Obhut meiner Kinder und überführt den Verletzten.
Auch im Spitzentrio, das ich als Navigator begleite, kommt es zum Sturz. Oliver stolpert und fällt neben dem Weg in die Tiefen des Stindertals. Als er sich wieder zum Pfad hochgerappelt hat, meint er nur lakonisch: "Ab jetzt habe ich ein paar Höhenmeter mehr als ihr!" Ich freue mich einmal mehr, dass so gutgelaunte, sympathische Menschen meiner Einladung gefolgt sind. Sogar die schnellste Frau Ratingens, Gladys Just, konnte für den Lauf gewonnen werden. Sie ist zwar nicht selbst gestartet, harrt aber lange an der Strecke aus, um zusammen mit ihrem Partner Teilnehmer-Fotos vor der historischen Kulisse der Wasserburg "Haus zum Haus" zu schießen.
Auch mir bleibt ein Sturz nicht erspart. Ein Bauer reinigt mit kräftigem Strahl seinen Traktor. Das Wasser spritzt weit über den Weg, den wir zu passieren haben. Bei einem sommerlichen Städte-Marathon ist so eine Abkühlung willkommen. Heute würden wir lieber trocken bleiben. Also beschließe ich, Traktor und Bauer zu "hintergehen". Meine Begleiter preschen aber ungerührt auf dem offiziellen Pfad weiter, wo der Landmann sie schließlich entdeckt. Spontan richtet er rücksichtsvoll seinen Schlauch nach hinten. Also auf mich! Meine plötzliche Ausweichbewegung endet im Matsch am Boden. Erst duschen und dann in den Schlamm fallen ist eindeutig die falsche Reihenfolge!
Als ich die Führungsriege ins Ziel begleite, sitzen dort schon Drei! Es ist die "Raketengang", die ein Fahrzeug nach der Marathon-Distanz abgestellt hatte, und auf diese Weise dem Lauf noch eine 43-km-Wertung hinzufügt.
Wir laben uns an den reichlich gespendeten Kuchen (Veganer Rotwein-Kuchen von Inga, Schoko-Mandel-Kuchen von Gladys sowie Apfel- und Pflaumenkuchen von der Pulsmesserin). Die anderen Finisher, die nach und nach eintrudeln, halten es ebenso. Dadurch erweist sich mein Einkauf für den VP als ziemliche Fehlplanung. Braucht jemand zufällig gerade 65 Bananen?
Auch die Kinder haben schlecht geplant. Als kleine Kompensation für den gerade erlebten Auslandsurlaub hatte ich sie zum Einsatz am VP, zur Zeitmessung und zur Urkundenausgabe im "Wettkampfbüro" verpflichtet. Dort haben sie eine selbstgestaltete "Helferspendenbox" aufgestellt. Das Kistchen erweist sich als deutlich zu klein! Vielen Dank an die großzügigen Läufer!
Vor allem aber möchte ich mich für eure positive, fröhliche Stimmung bedanken. Es war mir eine Freude, den Tag mit so sympathischen Gleichgesinnten bei unserem gemeinsamen Hobby zu verbringen!
Bisher wurde oft "Waterloo" verstanden, wenn der gleichnamige Titel der Gruppe ABBA erklang. Seit dem heutigen Lauf wissen wir, dass die Schweden eigentlich "BaTalU" singen. Als Auftakt zum Lauf lässt mein Sohn diese BaTalU-Hymne aus einem mobilen Bluetooth-Speaker erklingen, bevor er den Startschuss abfeuert. Er hat sich eine passende App installiert, so dass auch der Schuss virtuell aus dem Lautsprecher knallt.
Gelaufen wird aber ganz real mit beiden Füßen. Allerdings nicht immer mit festem Boden darunter. Die Streckenverhältnisse entsprechen eher einem Traillauf in Belgien. Der Dauerregen der letzten Tage hat die Wege sehr gut angefeuchtet. Neben den ausgeschriebenen Bach-Tälern haben sich spontan noch weitere Bäche gebildet. Der Sturm legte hier und da ein paar zusätzliche Bäume über den Weg.
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| "Baumatisierte" Lauferin in Zusatz-Baum |
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| Bachquerung |
Auch mir bleibt ein Sturz nicht erspart. Ein Bauer reinigt mit kräftigem Strahl seinen Traktor. Das Wasser spritzt weit über den Weg, den wir zu passieren haben. Bei einem sommerlichen Städte-Marathon ist so eine Abkühlung willkommen. Heute würden wir lieber trocken bleiben. Also beschließe ich, Traktor und Bauer zu "hintergehen". Meine Begleiter preschen aber ungerührt auf dem offiziellen Pfad weiter, wo der Landmann sie schließlich entdeckt. Spontan richtet er rücksichtsvoll seinen Schlauch nach hinten. Also auf mich! Meine plötzliche Ausweichbewegung endet im Matsch am Boden. Erst duschen und dann in den Schlamm fallen ist eindeutig die falsche Reihenfolge!
Als ich die Führungsriege ins Ziel begleite, sitzen dort schon Drei! Es ist die "Raketengang", die ein Fahrzeug nach der Marathon-Distanz abgestellt hatte, und auf diese Weise dem Lauf noch eine 43-km-Wertung hinzufügt.
Wir laben uns an den reichlich gespendeten Kuchen (Veganer Rotwein-Kuchen von Inga, Schoko-Mandel-Kuchen von Gladys sowie Apfel- und Pflaumenkuchen von der Pulsmesserin). Die anderen Finisher, die nach und nach eintrudeln, halten es ebenso. Dadurch erweist sich mein Einkauf für den VP als ziemliche Fehlplanung. Braucht jemand zufällig gerade 65 Bananen?
Auch die Kinder haben schlecht geplant. Als kleine Kompensation für den gerade erlebten Auslandsurlaub hatte ich sie zum Einsatz am VP, zur Zeitmessung und zur Urkundenausgabe im "Wettkampfbüro" verpflichtet. Dort haben sie eine selbstgestaltete "Helferspendenbox" aufgestellt. Das Kistchen erweist sich als deutlich zu klein! Vielen Dank an die großzügigen Läufer!
Vor allem aber möchte ich mich für eure positive, fröhliche Stimmung bedanken. Es war mir eine Freude, den Tag mit so sympathischen Gleichgesinnten bei unserem gemeinsamen Hobby zu verbringen!
Montag, 11. Dezember 2017
Siebengebirgsmarathon – 7G 2017
Der Siebengebirgsmarathon ist erwachsen geworden. Er wird heute zum 18. Mal ausgetragen. Auch ich feiere ein kleines Jubiläum, es ist meine fünfte Teilnahme in Folge.
Kurze Hosen, bare Köpfe und unbedeckte Hände sind im Starterfeld zu sehen. Nicht jeder scheint einen Blick in die Wettervorhersage geworfen zu haben, die einen Schneesturm während des Laufs prognostiziert. Ich habe mich entsprechend warm angezogen und verfluche mich auf den ersten acht Kilometern dafür, weil ich so stark schwitze. Dann fängt es endlich an zu schneien.
Winzige Eiskristalle treibt der Wind waagerecht durch den Wald und injiziert sie in meine Wangen. Ich beneide die Starter, die sich eine Sportbrille aufgesetzt haben. Denn ich kann meine Augen nur durch Blinzeln gegen die harten Körner schützen. Dabei frieren dummerweise immer wieder die Wimpern zusammen.
Das Wetter entspricht in etwa dem "Stirb langsam 2"-Szenario, in dem kurz vor Weihnachten der Flughafen wegen eines Blizzards geschlossen wird und alle Reisenden festsitzen. Ich erwarte, dass jeden Moment Bruce Willis im blutigen, zerrissenen Unterhemd auftaucht. Was ich nicht ahne: der Düsseldorfer Flughafen schließt tatsächlich gerade.
Ich bin froh, dass die Halbmarathonis schon eine Stunde vor uns gestartet und somit längst im Warmen sind. Scheinbar konnte ich nämlich die Trailbegeisterung an den Nachwuchs übertragen.
In seinem Umfeld gibt es Anerkennung für schnelle Zeiten, die auf
flachem, meist asphaltiertem Untergrund erzeugt werden. Trotzdem
begleitete er mich heute ins verschneite
Siebengebirge, um sich der anspruchsvollen Halbmarathon-Strecke zu stellen.
Inzwischen sind die Kilometer-Schilder nicht mehr lesbar, weil sie vom Schnee zugeweht wurden. Aber ich habe jetzt die erste Hälfte und damit mein mentales Loch hinter mir. Wie schon bei den Läufen in den letzten Tagen, fragte ich mich, wann ich endlich aufhören darf. Irgendeine seltsame, allgemeine Unlust hatte sich meiner bemächtigt. Doch nun, im zweiten Teil, bin ich "über den Berg". Die morgendlichen Worte des Moderators hallen in meinem Kopf nach: "Aufgegeben wird bei der Post!"
Die Läufer vor mir verschwinden hinter der Wand aus Schnee, die der Wind seitlich über den Weg peitscht. Um die hagelgepeinigten Wangen etwas zu entlasten, ziehe ich mir die Kapuze der "Montane Minimus"-Jacke über den Kopf, so dass nur noch Nase und Augen den Elementen ausgesetzt sind. Dieses Ausrüstungsstück wird in Trailrunner-Kreisen oft hoch gelobt. Ich bin eigentlich nicht so zufrieden mit der Jacke, da ihre Wasserdichtigkeit in meinen Augen unzureichend ist. Aber heute ist sie jeden einzelnen Cent ihres Kaufpreises wert!
Die Helfer an den Verpflegungspunkten sind die eigentlichen Helden des Tages. Sie stehen völlig ungeschützt im Schneetreiben. Immer wenn ich mir auf ihren Tischen ein paar gefrorene Bananenstücke aus dem Schnee grabe, muss ich voller Mitleid an Elke denken, die sich angeboten hat, eine Labestelle bei meinem BaTalU am 6.Januar zu betreuen.
Die Inuit wüssten jetzt das passende ihrer 50 Wörter für Schnee anzuwenden. Aus den kristallinen Eisinjektionen sind große, weiche Flocken geworden. Dadurch wächst die Schneeschicht am Boden schneller als bisher. Die offenbar gestiegene Temperatur kommt aber nicht bei meinen Händen an. Mittlerweile sind die Fingerspitzen meiner Handschuhe hartgefroren und eisverkrustet. Kein Wunder, dass es sich drinnen nicht viel wärmer anfühlt. Der Handschuh, in dem ich warme Finger behalte, wurde noch nicht erfunden. Aber jetzt ist es nicht mehr weit.
Kurz vorm endgültigen Verlassen des Waldes überhole ich die dritte Frau, die letztens beim Platinman gewann und ein paar Minuten vor mir durchs Ziel lief. Auch sie trägt unzureichende Handschuhe und bläst sich immer wieder in die Hände.
Ganz anders "Mr. Tambourinman". Ich war mir nicht sicher, ob er auch unter diesen unwirtlichen Bedingungen am letzten Anstieg aufspielen würde. Man hört ihn eher, als man ihn im Schneetreiben erkennen kann. Fröhlich trommelt und pfeift er wie jedes Jahr. Unglaublich, dieses Helfer-Team!
Am Start wurde ich gefragt, wie schnell ich laufen wolle. Ich hatte "3:45 bis 4 Stunden" geantwortet. Ein Code, der in Läuferkreisen für "unter 3:45" steht, einen im Zweifelsfall aber das Gesicht wahren lässt. Die Uhr offenbart, dass ein ordentlicher Endspurt über die letzten Kilometer die herausposaunte Zeitvorgabe retten kann. Ich gebe Gas - und bewirke gar nichts. Die Rädern drehen einfach durch. Im nun urbanen Umfeld läuft es sich schlechter als im Wald. Unter dem frischen Schnee verbirgt sich die Glätte einer festgefahrenen Schneedecke. Der Endspurt muss ausfallen.
Nach 3:46:20 umfängt mich die Wärme der gut geheizten Zielhalle. "Yippiejayeah Schweinebacke!"
Kurze Hosen, bare Köpfe und unbedeckte Hände sind im Starterfeld zu sehen. Nicht jeder scheint einen Blick in die Wettervorhersage geworfen zu haben, die einen Schneesturm während des Laufs prognostiziert. Ich habe mich entsprechend warm angezogen und verfluche mich auf den ersten acht Kilometern dafür, weil ich so stark schwitze. Dann fängt es endlich an zu schneien.
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| Die Halbmarathon-Medaillen harren der Finisher |
Winzige Eiskristalle treibt der Wind waagerecht durch den Wald und injiziert sie in meine Wangen. Ich beneide die Starter, die sich eine Sportbrille aufgesetzt haben. Denn ich kann meine Augen nur durch Blinzeln gegen die harten Körner schützen. Dabei frieren dummerweise immer wieder die Wimpern zusammen.
Das Wetter entspricht in etwa dem "Stirb langsam 2"-Szenario, in dem kurz vor Weihnachten der Flughafen wegen eines Blizzards geschlossen wird und alle Reisenden festsitzen. Ich erwarte, dass jeden Moment Bruce Willis im blutigen, zerrissenen Unterhemd auftaucht. Was ich nicht ahne: der Düsseldorfer Flughafen schließt tatsächlich gerade.
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| Morgendliche Temperaturanzeige am Bürgerhaus |
Inzwischen sind die Kilometer-Schilder nicht mehr lesbar, weil sie vom Schnee zugeweht wurden. Aber ich habe jetzt die erste Hälfte und damit mein mentales Loch hinter mir. Wie schon bei den Läufen in den letzten Tagen, fragte ich mich, wann ich endlich aufhören darf. Irgendeine seltsame, allgemeine Unlust hatte sich meiner bemächtigt. Doch nun, im zweiten Teil, bin ich "über den Berg". Die morgendlichen Worte des Moderators hallen in meinem Kopf nach: "Aufgegeben wird bei der Post!"
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| Auf dem vereisten Weg zum Start |
Die Helfer an den Verpflegungspunkten sind die eigentlichen Helden des Tages. Sie stehen völlig ungeschützt im Schneetreiben. Immer wenn ich mir auf ihren Tischen ein paar gefrorene Bananenstücke aus dem Schnee grabe, muss ich voller Mitleid an Elke denken, die sich angeboten hat, eine Labestelle bei meinem BaTalU am 6.Januar zu betreuen.
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| Läufer suchen Windschutz vorm Start |
Kurz vorm endgültigen Verlassen des Waldes überhole ich die dritte Frau, die letztens beim Platinman gewann und ein paar Minuten vor mir durchs Ziel lief. Auch sie trägt unzureichende Handschuhe und bläst sich immer wieder in die Hände.
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| Armkreisen (links) und Hüpfen am Ort (rechts) |
Am Start wurde ich gefragt, wie schnell ich laufen wolle. Ich hatte "3:45 bis 4 Stunden" geantwortet. Ein Code, der in Läuferkreisen für "unter 3:45" steht, einen im Zweifelsfall aber das Gesicht wahren lässt. Die Uhr offenbart, dass ein ordentlicher Endspurt über die letzten Kilometer die herausposaunte Zeitvorgabe retten kann. Ich gebe Gas - und bewirke gar nichts. Die Rädern drehen einfach durch. Im nun urbanen Umfeld läuft es sich schlechter als im Wald. Unter dem frischen Schnee verbirgt sich die Glätte einer festgefahrenen Schneedecke. Der Endspurt muss ausfallen.
Nach 3:46:20 umfängt mich die Wärme der gut geheizten Zielhalle. "Yippiejayeah Schweinebacke!"
Freitag, 1. Dezember 2017
Einladung zum BaTalU, dem 1. Bach-Tal-Ultra
Nach vielen Teilnahmen an privat organisierten Einladungsläufen geisterte schon lange die Idee in meinem Hinterkopf herum, der
Gemeinschaft etwas zurückzugeben und selbst einen Lauf zu veranstalten. Herausgekommen ist der BaTalU - ein 62-km-Ultralauf am 6.1.2018.
Mit vollem Namen heißt er Bach-Tal-Ultra und bietet dank des Akronyms dem Teilnehmer die Möglichkeit, sein persönliches BaTalU zu erleben. Zwei verschiedene Runden bilden eine Acht, in deren Zentrum sich Start, Verpflegungspunkt und Ziel befinden.
Wo immer sich Asphalt vermeiden ließ, geht es auf Wanderwegen und Trails durch eine Reihe von Naturschutzgebieten, die meist in Bachtälern liegen - daher der Name. Da die Täler durch Höhenzüge getrennt sind, kommen in der eigentlich flachen Gegend doch etwa 950 Höhenmeter zusammen. In den Tälern ist es feucht. Man wird also Trailschuhe benötigen und muss mit nassen, schlammigen Füßen rechnen.
Die erste Runde ist 26 km lang mit 350 Hm. Die zweite geht über 36 km und 590 Hm. Sollten sich viele Interessenten für die Kurzstrecke finden, könnte auch eine separate Wertung über 26 km erfolgen.
Und hier geht es zur BaTalU-Homepage.
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| BaTalU-Aussichtspunkt auf Düsseldorf |
Wo immer sich Asphalt vermeiden ließ, geht es auf Wanderwegen und Trails durch eine Reihe von Naturschutzgebieten, die meist in Bachtälern liegen - daher der Name. Da die Täler durch Höhenzüge getrennt sind, kommen in der eigentlich flachen Gegend doch etwa 950 Höhenmeter zusammen. In den Tälern ist es feucht. Man wird also Trailschuhe benötigen und muss mit nassen, schlammigen Füßen rechnen.
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| Im Rotthäuser Bachtal |
Die erste Runde ist 26 km lang mit 350 Hm. Die zweite geht über 36 km und 590 Hm. Sollten sich viele Interessenten für die Kurzstrecke finden, könnte auch eine separate Wertung über 26 km erfolgen.
Und hier geht es zur BaTalU-Homepage.
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| Die vielen Bänke werdet ihr brauchen! |
Dienstag, 28. November 2017
Zwei Jahre "Polar M400"
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| M400 Activity-Tracker-Anzeige |
Es stellte sich heraus, dass der damals 14-Jährige keine Lust auf das Tragen eines Pulsgurtes hatte. Vermutlich liegt das am väterlichen Vorbild. Ich laufe schon seit Jahren "oben ohne". Ein Kollege kommentierte pulsgesteuertes Training einmal so: "Ich lass' mir doch von einer Maschine nicht vorschreiben, wie schnell ich laufen soll!" (Braucht vielleicht jemand einen original aufgerollten, unbenutzten Polar H7 Brustgurt?)
Bevor die Uhr einen GPS-Empfang vermeldete, war meinem Sohn schon langweilig geworden. Ergo hat er die Uhr immer ohne GPS genutzt. Die Länge seiner Laufstrecken kennt er meist. Oder er trainiert Intervalle im Stadion. Als er anfangs noch brav auf den Satelliten-Empfang gewartet hat, und ich ihn begleitete, fiel die Uhr durch Gepiepse im Wald unangenehm auf. Sobald man bei dichter Wolkendecke unter Bäumen lief, meldete das Gerät den Verlust des GPS-Signals. Möglicherweise haben andere Uhren mit ähnlichen Widrigkeiten zu kämpfen, verschweigen das aber elegant. Denn was soll der Läufer mit der Information unterwegs anfangen - anhalten und auf Empfang warten?
Dann passierte, was im Internet mehrfach von Nutzern bemängelt wurde. Das Display beschlug von innen. Es scheint sich um einen Serienfehler der Uhr zu handeln. Interessanterweise hat meinen Sohn diese Limitation überhaupt nicht gestört, da die Anzeige trotzdem noch ablesbar war.
Vor ein paar Wochen schlug dann der nächste Serienfehler zu. Die Ladebuchse hatte nur noch Wackelkontakt, so dass das Aufladen der Uhr zur Geduldsprobe und zum Glücksspiel wurde. Da das noch innerhalb der Garantiezeit geschah, hat Amazon den Kaufpreis bereits wieder überwiesen.
Auf die Erstattung habe ich im Rahmen der "Black Monday"-Aktion nur gut 40 Euro drauflegen müssen, um ersatzweise das Nachfolgemodell, die Polar M430, zu erwerben. Hier scheint der Hersteller, den Bewertungen nach zu urteilen, zumindest die beiden Serienfehler behoben zu haben. Außerdem soll die Akkulaufzeit verbessert worden zu sein.
Mal sehen, ob die Neue länger als zwei Jahre durchhält.
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