Dienstag, 1. Mai 2018

Mit Fahne am Start - Düsseldorf Marathon 2018

Der Weg zum Start führt durch die Düsseldorfer Altstadt. Kurz vor 8 Uhr sind hier noch die letzten Nachtschwärmer unterwegs. Sie wanken mit ihrer Alkoholfahne durch die Gassen. Auch ich werde gleich mit einer Fahne durch die Stadt ziehen. Da steht "3:29" drauf, denn ich bin wieder Pacer beim Düsseldorf Marathon.

Exakt mit dem Startschuss beginnt ein kräftiger Schauer auf das Starterfeld des Düsseldorfer Marathons zu prasseln. Trotzdem oder gerade deswegen erweist sich die Witterung als ideales Laufwetter. Kein Wind, keine Sonne, angenehme Temperaturen und gelegentlich Wasserkühlung von oben.

Der "3:29"-Aufdruck auf meinem Rückenwimpel lässt Verwirrung aufkommen. Denn auf der Rückseite scheinen die Ziffern in Spiegelschrift durch, was einige (auch die Moderatoren) "3:59" lesen lässt. Hoffentlich haben sich keine "sub 4:00"-Aspiranten an mich drangehängt! Manchmal werde ich auch gefragt, ob die Zeit als Pace oder als Zielzeit zu interpretieren ist. Mit einer 3:29er Pace wäre ich eine gute Stunde früher im Ziel! Theoretisch. Praktisch würde ich das wohl keine 1000 m durchhalten.


Armband

Wir vier Brems- und Zugläufer bemühen uns stattdessen um eine Kilometerzeit von 4:57. Jedenfalls gibt das uns ausgehändigte Zwischenzeitenarmband diese Geschwindigkeit und somit ein Finish in 3:29:00 vor. Meine persönliche Interpretation der gestellten Aufgabe liegt eher bei 3:29:59. So genau kann man das natürlich schwer treffen. Aber eine 3:29:xx sollte es schon werden. Und so teilt sich unser vierköpfiges Team in zwei Gruppen. Die einen laufen etwas schneller voraus, während Jürgen und ich die Nachhut bilden. Jürgen trägt sicherheitshalber zwei Uhren, war ihm doch bei seinem letzten Pacemaker-Job im Unwetter seine Uhr ausgefallen!

Der Ultraläufer, der mich letztes Jahr begleitete, ist auch wieder mit von der Partie. Die meisten Mitläufer bleiben hinter mir und dadurch für mich unsichtbar. Aber ein Vereinskameraden-Duo, dessen orange markierte Startnummern die beiden als Teilnehmer der Deutschen Meisterschaften ausweisen, fällt mir auf. Wegen der speziellen Nummern hatte ich sie erst für Staffelläufer gehalten!

Wir sind ebenfalls speziell markiert. Neonfarbene Leibchen des einen und blaue Kompressionsstulpen des anderen Sponsors komplettieren unseren Pacerlook. Allerdings bleibt das am Hemd-Rücken aufgedruckte Logo vom Fahnentragegestell verdeckt. Das würde ich als Geldgeber als "sub-optimal" empfinden. Als Fahnenträger bin ich aber auch nicht hundertprozentig glücklich. Obwohl es sich mit der erstaunlich geringen Last fast besser laufen lässt, als mit dem Luftballon im letzten Jahr, beginnt der rechte Schultergurt nach einiger Zeit am Hals zu reiben. Jürgen geht es genauso.

Die feuchte Witterung hat nicht ganz so viele Zuschauer an die Strecke gelockt. Aber die anwesenden unterhalten mit lustigen Schildern. "You do all this for alcoholfree beer?", fragt eine Dame. Noch sympathischer finde ich aber die Frauen, die das Statement "Marathon ist auch sexy" hochhalten.

Bei Kilometer 35 sind wir sekundengenau auf 3:29:00-Kurs. Der eine der beiden Vereinskameraden mit DM-Nummer muss nun kämpfen und wird immer wieder von seinem Kompagnon motiviert. Ich beschließe, das Zeit-Polster zur 3:30 möglichst aufzubrauchen, um den schwächelnden Mitläufern zu signalisieren, dass jetzt auch eine Pace über 5:00 noch für eine "sub 3:30" reicht.

Mein neuer Bierdeckel?

Die meisten haben noch Kraft für einen Endspurt und ziehen ab km 41 davon. Eine Frau wendet sich mir beim Überholen zu und bedankt sich lächelnd für den Service. Das ist ein noch schönerer Lohn für die heutige Mühe als die Medaille, die ich nach 3:29:40 gegen mein Fahnengeschirr tauschen darf.

Kommentare:

  1. Glückwunsch zum Finish mit besonderer Mission :-)! Ich stelle mir einen Lauf als Pacemaker als ganz besonders stressig vor (zumal mit Fahnengeschirr), schließlich will man ja den Mitlaufenden eine gleichmäßige Vorgabe liefern. Aber da macht man Dir ja nichts vor, den Unterschied zwischen Pace und Endzeit hast Du ohnehin in den Genen ;-)
    Ist der Schnapszahlplatzierung der Ausgleich zum alkoholfreien Bier?
    Liebe Grüße
    Elke

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    1. In den Genen? In den Beenen!
      Danke! Auch für den Schnapszahlhinweis. War mir noch gar nicht aufgefallen. Sechsy halt!

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  2. Als ich die Fahnen gesehen hab, musste ich kurz schlucken, mit so einem Gestell müssen die Jungs und Mädels laufen?!? Ich mache mir ja ständig Gedanken über jedes Gramm Gewicht, so ein Gepäckstück würde mich vermutlich etwas aus dem Konzept bringen, Respekt für den punktgenauen Zieleinlauf! Überhaupt mal wieder Danke an euch Zugläufer für diesen Job, ich stelle mir das alles andere als einfach vor.
    Im Nachzielbereich war ich leider zu verpeilt um nochmal Hallo zu sagen, hab nur einen von euch entdecken können, dich leider nicht. Und das Bedürfnis aus den nassen Klamotten raus zu kommen war ziemlich stark :-) Beste Grüße, Oliver

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    1. Als ich morgens mutterseelenallein mit meiner Fahne im Startbereich stand, war mir ganz schön mulmig. Zum Glück kamen dann doch noch ein paar andere, so dass sich die Verantwortung gemeinsam schultern ließ. Apropos, schultern: so schwer ist das Gestell gar nicht.

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  3. So ne Fahne hatte ich auch mal. Zwar nur auf der Halben Distanz aber das hat gereicht. Gerade bei windigen Bedingungen oder bei tief hängenden Ästen war das kein Spaß, der so ein Lauf sein soll. Aber Spaß macht das Pacen trotzdem!
    Toller Job!

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    1. Danke, zum Glück gab es weder Wind noch Äste.

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  4. Also beim Lesen des Titels dachte ich erst: das Pulsmesser wird doch wohl nicht ... alkoholisiert ...
    Nee, aber da redest du ja von der wortwörtlichen Fahne. :-)))
    Ich bin zwar noch nie einen gelaufen, aber ich finde es immer toll für alle Läufer, das sich Freiwillige finden, die als Pace-Macher da mitlaufen.
    Und es scheint, du hast das richtig gut gemacht :-)
    Liebe Grüße
    Helge

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    1. Wir waren nüchtern, blieben aber nicht trocken ;-)

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  5. Eine wertvolle Arbeit, andere mit Zeitwunsch ins Ziel zu geleiten, dann noch exakt im Zeitrahmen - gut gemacht - solche Leute werden gebraucht, wie wir wissen. Ein einziges Mal in meinem Läuferleben beschloss ich, einem Zugläufer zu folgen, aber für mich war das nichts, hatte meinen eigenen Rhythmus, konnte mich dem des Zugläufers nicht anpassen - würdest du ?

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    1. Einmal, bei einem Hitzlauf an der Oberelbe tat ich es. Einer der beiden Pacer musste bei km 17 aufgeben. Ich selbst könnte dann ab km 28 das Tempo nicht mehr halten. Dafür fand ich auf der Strecke später noch 10 Euro!

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