Samstag, 8. Oktober 2016

SEELAUF ESSEN-BALDENEY

Wenn Vater nachts im Bett stöhnt, dann wissen die Kinder ... ihm tun die Beine weh. In anderen Familien mögen andere Legenden verbreitet werden. Ich jedenfalls hatte nach dem Köln-Marathon einiges zu stöhnen, während ich mich schlaflos auf meiner Matratze wälzte. Und am nächsten Morgen wollte ich alles, nur nicht zum Seelauf über 14,2 km an den Baldeneysee.

Dem Pulsmesser Jr. war dieser Lauf aber von seinen Vereinskollegen wärmstens empfohlen worden. Und wenn ich den Nachwuchs schon zu begleiten habe, kann ich mich auch gleich mit anmelden, so hatte ich vor ein paar Tagen noch leichtfertig gedacht. Immerhin ist in der Startgebühr von 13 Euro sogar ein umfangreiches Frühstücksbüfett nach dem Lauf enthalten. Ich könnte einfach nur zum Frühstücken mitfahren. Oder im 6er Schnitt ein bisschen mittraben? Oder dem Jungen den Hasen machen? Oder doch richtig auf Tempo laufen?

Start am Seeufer nach dem Regen
Es ergibt sich, dass man das Starterfeld von vorn, also von der Startlinie aus betreten muss. Irgendwie ist es mir zu doof, mich durch das wartende Feld nach hinten zu drängeln. Und so komme ich direkt hinter Ratingens schnellster Frau, Gladys, zu stehen. Ihr Trainer, Robert Jäkel, hatte ihr für den Lauf "Marathontempo" verordnet, was bei ihr knapp 4:15 min/km bedeuten dürfte. Da haben die Leute Trainer und Trainingspläne, und dann machen sie trotzdem, was sie wollen! Gladys prescht mit einem 4er Schnitt los.

Mir scheint der Startschuss direkt durchs Hirn gegangen zu sein. Denn was mache ich? Presche mit! Nach etwa drei Kilometern scheint Gladys in ihr eigentliches Tempo zu finden. Für mich ist das offenbar kein Grund, auch etwas zu entspannen. Denn stattdessen hänge ich mich an den nächstbesten Vordermann.

Fünf Kilometer liegen hinter uns. Da muss ich abreißen lassen. Und höre plötzlich wieder Gladys hinter mir. Doch als mich ein Herr einer höheren Altersklasse überholt, lasse ich mich weiter mitziehen.

Organisator und Moderator Ernst Peter Berghaus klatscht die Finisher ab
Bei Kilometer Sieben kommt die mentale Wende. Denn die Uhr zeigt zu meiner Verblüffung, dass ich unter einer Stunde bleiben kann, wenn ich das Tempo halte. Mein Zugläufer erlahmt. Oder vielleicht bin ich nur beflügelt. Auf jeden Fall überhole ich ihn. Und dann geht es auf der Original-Strecke des Baldeneysee-Marathons dem Ziel entgegen.

Hatte es vorm Start noch geregnet, verwöhnt jetzt die Sonne den See mit ihrem Herbstlicht. Bei völliger Windstille und Temperaturen knapp über 10 Grad kann man wohl von idealen Laufbedingungen sprechen. Die schnelle, flache Asphaltstrecke hält kurz vorm Ziel aber noch eine Überraschung bereit.

Regen vorm Start, Sonne im Ziel
Das Ultra-Pärchen Svenja und Denis John steht am Rand und weist auf den rechtwinkligen Abzweig zum Regattahaus hin. Es geht für etwa drei Meter quer über die Wiese und einen satten Höhenmeter hinauf. Ein echtes Stück Trail! Immerhin haben die 15 Läufer vor mir schon einen kleinen Trampelpfad geschaffen.

Zielgerade
Nach 0:57:55 ist es vorbei. Ich schaffe es gerade noch, mir eine warme Jacke überzuziehen, bevor ich schon Zielfotos von meinem Sohn machen kann. Er hat souverän seine Altersklasse gewonnen, während ich nur Vierter in der meinen wurde. Das ist ziemlich bitter, denn die Ehrung fällt mit Medaille, Lebkuchenherz und Sachpreis recht üppig aus.

Die Gesamtsieger erhalten zusätzlich Blumensträuße und Pokale. Und es bestätigt sich, was sich am Vortag in Köln schon andeutete. Gender-Mainstreaming hat in der Laufszene Einzug gehalten. Beim gestrigen Marathon waren nämlich mehrere männliche Läufer in pinkfarbenen Finisher-Shirts zu sehen. Und heute bekommt Gladys als weibliche Siegerin einen Einkaufsgutschein über 100 Euro - für Laminat im Baumarkt!


Kommentare:

  1. Au wei, gleich nach dem rasanten Kölner Lauf gleich noch einen nachschieben... da darf der Junior doch gern in Altersklassenrelation vorn liegen. Prima Zeit, Gratulation Euch beiden! Und wahrscheinlich wird pink noch DIE In-Farbe auch bei männlichen Finishern, manche laufen dafür in schweizer Höhen ;-)
    Liebe Grüße
    Elke

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    1. Ich wusste doch, dass ich von rosa Männershirts gelesen hatte. Dann war es also in deinem Blog!

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    2. Ja genau, das war die diesjährige Farbe der Finishershirts beim Jungfrau-Marathon :-)

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  2. Was für eine ZEit! Und das mit diesen Beinen! Respekt!

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    1. Ja, anfangs taten die Beine ziemlich weh.

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  3. Und da sage mal noch einer, ich sei bekloppt :-)))
    Erst schneller Marathon und einen Tag später einen super schnellen 14er.
    Ich hoffe mal, das die Siegerin auch Laminat aus dem Baumarkt gebrauchen kann. Wenn sie deswegen jetzt anfängt, zu renovieren, bleibt keine Zeit fürs Training mehr.
    Dann lieber Lebkuchenherz und Medaille ;-)
    Glückwunsch an den Junior.
    LG Helge

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    1. Für mich weder Laminat noch Lebkuchen, aber dafür ein Frühstück wie im Sterne-Hotel!

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  4. Genau Helge,
    dem Nächsten, der behauptet wir Zwei sind bekloppt schicke ich den Link hierher ;-). Hammer.
    Liebe Grüße
    Karina

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