Mittwoch, 5. Oktober 2016

Köln Marathon

Köln ist Karneval. Da wird auch der Marathon vom Karnevalswagen aus anmoderiert. Und der Startschuss erfolgt mit einer Konfetti-Kanone. Passend dazu habe ich mir heute einen Spaßlauf vorgenommen.

Karnevalswagen "Dicke Berta"
Die Nachmeldesumme von 111 Euro ist allerdings schon nicht mehr ganz so lustig. Aber ich habe einen freien Sonntag und noch jede Menge Kilometer zu sammeln bis zum Röntgenlauf-Ultra. Also lautet der kurzfristige Entschluss: "Sub 3:30 durch die Domstadt!"

Mit dem Marathon wird auch der Herbst gestartet. Hatte ich mich bis zur Kleiderbeutelabgabe noch in goldener Oktober-Sonne gewärmt, kommt urplötzlich Wind auf, der Himmel bedeckt sich und erste Tropfen fallen.

Auf den ersten drei Kilometern bieten die Kölner Gassen wenig Platz für die Läufer. Fußwege und Grünstreifen müssen mitbenutzt werden. Erst als ich die Traube hinter den 3:30er Zugläufern durchkämpft habe, kann ich frei laufen.

Fast 6500 Marathonis

Die ersten drei Zwischenzeiten liegen folglich jenseits der fünf Minuten. Davon lasse ich mich irgendwie unter Druck setzen. Und laufe viel schneller als geplant. Als ich das realisiere, kommen die schlechten Gedanken.

"Die Oberschenkel tun doch jetzt schon weh."
"Das hältst du nie bis ins Ziel durch."
"Die Wupperberge stecken dir noch in den Knochen."

Die erste Hälfte ist die reinste Quälerei. Von wegen Spaßlauf! Froh bin ich trotzdem. Froh, dass ich wenigstens auf den ursprünglich geplanten Doppeldecker verzichtet habe, weil die Beine am Vortag einfach keinen langen Lauf wollten. Die freitäglichen Hügelintervalle steckten noch in den Knochen.

Immerhin geht es mir besser als dem Sportler, der schon bei Kilometer 13 geht. Seltsamerweise ist er bei Kilometer 15 wieder vor mir. Hat der abgekürzt? Jetzt achte ich auf ihn. Er rennt plötzlich wieder los, schnellt an mir vorbei - bis er wieder geht. Kann ich hier erstmals die Galloway-Methode in freier Wildbahn beobachten? Oder ist der Kerl einfach am Ende? Man weiß es nicht, denn letztlich bleibt er hinter mir.

Die Halbmarathonmarke bringt die mentale Wende. Es wird damit ein invertierter Marathon. Normalerweise beginnt im zweiten Abschnitt das Leiden. Bei mir ist es heute andersrum. Sind ja nur noch 21 Kilometer!

Mehrfach steht dieselbe Dame am Rand und zeigt mir ihr Schild mit der Aufschrift: "You are sexy and you know it!". Und nun rufen die Frauen auch noch nach mir! Woher kennen die meinen Namen? Ich habe doch die namenszugbedruckte Startnummer am Band auf den Rücken gezogen. Später lese ich im Blog, dass es Elke war, die hier nach erfolgreichem Halbmarathon noch ein bisschen für Stimmung sorgt.

Und Stimmung ist in Köln ja wirklich. Auch der hartgesottenste Trailläufer kann sich wohl nicht gänzlich dem Flair eines großen Städtemarathons entziehen. Da ist zum Beispiel der Knirps, der uns anbrüllt: "Nun kommt mal in die Puschen!" Oder der Alleinunterhalter, der vor einer Konditorei mundartliche Stimmungslieder singt, während drinnen grauhaarige Dutt-Trägerinnen ihre Feiertags-Sahnetorte gabeln und uns dabei zuwinken.

In Köln ist fast schon Kostümzwang
Nicht alle genießen die zweite Hälfte. An Sahnetorte mag der Mitstreiter, der bei Kilometer 28 sein letztes Gel wieder hervorwürgt, wohl gerade nicht denken. Und wo mag der zweite Schuh der Frau abgeblieben sein, die links beschuht und rechts besockt am Streckenrand humpelt?


"Meine Berge reichen dir wohl nicht?!", ruft mir Oli zu, an dessen "Wupperberge(trail)marathon" ich am letzten Sonntag teilgenommen hatte. "Du siehst ja noch gut aus!", täuscht er Erstaunen vor - wahrscheinlich um mich zu motivieren. Doch dann bremst er mich aus. "Warte mal, ich laufe schnell vor und mache ein Foto." Und so entsteht beim Kilometer 38 ein gestelltes Läufer-Porträt, auf dem ich lächelnd posiere. Das sind dann die Bilder, die man besorgten Angehörigen zeigen kann, um zu demonstrieren, wie harmlos exzessives Laufen ist.

Die neue Streckenführung - ohne Domblick

Offenbar ist mir das Foto-Grinsen erhalten geblieben. Denn vom Streckenrand höre ich: "Na, wenn das kein Lächeln ist, dann weiß ich auch nicht!" Genau so muss sich Marathonlaufen anfühlen! Warum ich jemals Bestzeiten hinterher gejagt bin, kann ich gerade nicht mehr nachvollziehen, als ich mir nach 3:18:37 die Medaille umhängen lasse.





Kommentare:

  1. Herzlichen Glückwunsch zum Genussmarathon :-)
    Du scheinst ja richtig Spaß gehabt zu haben. Und dann noch locker ne 3:18 gelaufen.
    Und wir sind uns dann ja nun endlich auch mal begegnet, auch wenn du das gar nicht mitbekommen hast :-)))
    Aber so schnell wie du läufst, ist das ja auch schwierig, du bist ja wie der Blitz vorbei.
    Liebe Grüße
    Helge

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    1. Vielen Dank, aber es war doch deutlich anstrengender als geplant.
      Wir sind uns tatsächlich begenet, und zwar schon am Vortag am Helpdesk. Da stand jemand, der aussah wie du auf deinen Blogfotos, zwei Reihen neben mir. Leider warst du schon weg, als ich abgefertig war ...

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    2. Nee echt jetzt?
      :-)))
      Na das nächste Mal musst du dich dann zu erkennen geben.
      Ist ja irre, da steht man bei ner Veranstaltung wo glaub ich 15ooo Starter insgesamt sind und zwei Reihen neben einem steht jemand den man kennt. Man, ist die Welt doch klein :-)

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    3. Ich war mir nicht ganz sicher, ob du es wirklich warst. Geografisch und sportartlich hatte ich dich in einer anderen Ecke einsortiert. Aber als ich dann Elkes Blog las, war alles klar. Verrückt!

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  2. Spasslauf in 3:18h?
    Schön, dass du die 2. Hälfte geniessen konntest. Als wir das erste Mal bei km 9 Stellung bezogen hatten, sahen Einige schon so aus, dass wir echt Sorgen hatten, wie sie das bis zum Ende durchhalten wollen. Dafür bist du dannbei der Halbmarathonmarke nur so vorbeigeflogen :-), dass wir nur noch die Rückansicht gesehen haben. Elke konnt gar nicht so schnell rufen, wie du wieder weg warst :-).
    Liebe Grüße
    Karina

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    1. Ehrlich gesagt, ist mir der Lauf etwas zu schnell geraten. War anstrengender als gewollt. Da ich aber die zweite schneller laufen wollte, musste ich ab HM Gas geben. Euer Ruf ereilte mich dann schon fast von hinten, so dass ich nicht mehr nach euch sehen konnte. War auch gerade mit Banane-Essen und dem Versuch, kleckerfrei zu trinken, beschäftigt.

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  3. Verstehe einer das Pulsmesser: Da wird es optisch und akustisch von holder Weiblichkeit beglückt, und was tut es? Rennt noch schneller als geplant von dannen ;-) Na wenigstens nicht schnell genug, als dass ich nicht Helge und Karina gerade noch sagen konnte, dass Du das warst. Aber es scheint Dir auf dem kölschen Asphalt ja doch gefallen zu haben, die Zielfotos zeigen Dich ja grinsend! Nochmals Glückwünsche zur tollen Zeit!
    Liebe Grüße
    Elke

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    1. Vielen Dank, Elke! Ja, es hat schon Spaß gemacht. Nur, dass man auf der neuen Strecke den Dom nicht mehr sieht, während es früher richtig über die Domplatte ging, fand ich nicht ganz so toll.

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    2. Domplatte ist aber schon ziemlich lange her, zwischenzeitlich war das Ziel dann in Deutz, beim Start. Von daher muss man den Slogan mit dem Dom als Ziel leider sehr großzügig auslegen...
      LG
      Elke

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  4. Mit Lächeln ins Ziel. Genau unser Ding. Mach weiter so dann rückst du den Ultra!

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