Montag, 11. April 2016

100 km "Rund um Solingen"

Wer trifft sich bei zwei Grad Celsius morgens um fünf Uhr im Freibad? Richtig, die Ultraläufer.

Im Freibad Ittertal beginnt der Freundschaftslauf "Rund um Solingen". Die siebzehn 100-km-Läufer werden die Route zweimal ablaufen. Damit es ihnen nicht langweilig wird, werden sie jedes Mal von einem frischen Trupp an 50-km-Läufern begleitet. Zur Vermeidung eines Drehwurms wird die zweite Rotation in die Gegenrichtung gelaufen.

Die Startgebühr fällt mit 25 Euro für 100 km sehr moderat aus, verdoppelt sich für mich jedoch ganz plötzlich bei der Anfahrt. Am steilen, kurvigen Abhang ins Ittertal weckt mich ein grell-rotes Blitzlicht aus meinem frühmorgendlichen Tran. Das Ordnungsamt verdient heute Morgen recht gut in dieser Dreißigerzone, bekennen doch etliche Mitläufer, ebenfalls derart erleuchtet worden zu sein.

Laufen erfreut sich hoher Popularität und auch das Ultralaufen wird immer beliebter. Sich zu nachtschlafener Zeit zu einem Hunderter zu verabreden, scheint aber doch noch nicht ganz im Mainstream angekommen zu sein. So kann man sich für die nächsten 13 Stunden illustrer Begleitung sicher sein.

Da ist zum Beispiel der Quadrathlet, der bei den Weltmeisterschaften in seiner Sportart die Bronzemedaille erkämpft hat. Quadrathlon, so erfahre ich, ist Triathlon plus Kanufahren, was mich als ehemaligen Kanurennsportler sofort begeistert. Leider ist Schwimmen aber immer noch dabei.

Ein anderer berichtet davon, wie er sich in der Sahara verirrt hat. Und ein Neu-Rentner blickt auf mittlerweile 50 Iron-Man-Finishs zurück. Damit kann er in dieser Runde aber nicht wirklich protzen, begleitet uns doch ein Siebzigjähriger, der sowohl den Transamerika- als auch den Transeuropa-Lauf absolviert hat. Doch auch die Jugend kann punkten. Eine junge Dame hatte für den 50er gemeldet, läuft aber spontan die zweiten 50 Kilometer auch noch mit.

Und nicht nur die sportlichen Leistungen beeindrucken. Jemand hat 20 Kubikmeter Sachspenden und 8000 Euro gesammelt und nach Idomeni gebracht. "Wenn dir Eltern ihr Kind in den Arm drücken wollen, damit du es mit nach Deutschland nimmst, kannst du dir in etwa eine Vorstellung von ihrer verzweifelten Lage machen."

Unterbrochen werden die interessanten Gespräche nur durch die Stopps an der mobilen Verpflegungsstation, die zunächst aller zehn, gegen Ende einer jeden Runde aller fünf Kilometer auf uns wartet. Es werden sogar Schoko-Pfirsich-Kuchen und Blätterteig-Quiche feilgeboten! Auch wenn der Witz mittlerweile abgedroschen wirkt: hier nimmt man wahrscheinlich mehr Kalorien zu sich, als man verbraucht. Dies seien 7700 gewesen, meint meine Fenix am Schluss, wo ein noch üppigeres Büffet seiner Dezimierung harrt.

Zusätzlich werden wir mit Trophäen überhäuft. Neben Urkunden und Pokalen erhalten wir noch riesige Bergische Brezeln am Halsband. Wahrscheinlich als Wegzehrung, falls jemand immer noch nicht satt geworden ist. Oder weil wir heute durchs Bergische Land gebrezelt sind?

So kann man seinen Samstag also auch rumkriegen. Ein Begleiter hatte es beim Durchlaufen des Fachwerkstädtchens Unterburg bereits auf den Punkt gebracht, als er ausrief: "Das ist ja wie Urlaub!"


Kommentare:

  1. 100KM laufen .... Urlaub?
    Anscheind war es doch viel zu früh für euch :-)))
    Und mit nur 7700 verbrauchten Kalorien musste wirklich aufpassen, was du unterwegs ist. Die hat man doch schnell wieder drauf gefuttert.
    Herzlichen Glückwunsch zum 100km Finish.
    Wieviele hast du davon eigentlich schon gemacht?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke, Helge! Ja, kaum hat man 70 Scheiben Brot gegessen, schon hat man die Kalorien wieder drauf!
      Ich bin da ein Anfänger. Der 100er gilt ja in der Ultraszene als Bambinilauf. Und es war erst mein dritter.

      Löschen
    2. Ah, der Bambini Ultra Läufer also :-)))
      Sag das doch gleich. Und ich bewundere hier einen ausgewachsenen Ultra Läufer, dabei ist es nur ein Bambini ;-)

      Löschen
    3. Naja, da du explizit nach den Hundertern fragtest, erwähnte ich nicht, dass ich auch schon länger unterwegs war.

      Löschen
  2. Das mit der Erleuchtung hast Du falsch interpretiert. Das war der Foto-Drive-In, der das Vorher-Bild zum Nachher-Bild liefert! ;-)
    Wow, 100km mal eben runterbrezeln! Aber bei dem ja wirklich sehr illuster besetztes Feld war es wahrscheinlich sehr kurzweilig, sich unterwegs zu unterhalten, da hätten 50 km sicher nicht gereicht.
    Glückwunsch zum Finish! Ein weiterer Baustein auf dem Weg zur langen Tortur!
    Liebe Grüße
    Elke

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Da hast du recht, Elke. Wenn man bedenkt, wie sich so ein Arbeitstag manchmal in die Länge zieht. Die gut 13 Stunden waren dagegen ratz fatz vorbei.
      Danke und viele Grüße!

      Löschen
  3. So ein 100er reizt mich ja auch noch. Aber damit warte ich noch, bis mein Rücken irgendwann wieder sein ok gibt.
    Übrigens haben wir uns in Roth auch um 5 Uhr Morgens am Kanal getroffen, hihi. Alles Verrückte. Ds sieht man ja auch an unserer Definition von Urlaub.
    Interessant finde ich die VAriante, die zweite Runde entgegengesetzt zu laufen. Das ist mental bestimmt besser als immer die gleichen Runden zu laufen.
    Dann Herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Bambini Lauf
    Liebe Grüße
    Karina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke, Karina. Und man lernt die Gegend in Gegenrichtung noch einmal neu kennen.

      Löschen
  4. Immer wenn ich mir die unmenschlichen Startzeiten dieser Ultras vor Augen halte, bin ich bereit zu sagen: "wir betreiben Extremsport". Gratuliere zum Lauf!

    Harald

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke, normal scheint es jedenfalls nicht mehr zu sein.

      Löschen